Cloud-Plattform für den Digitalen Lieferschein

Bereits 2020 starteten die Bundesvereinigung Logistik (BVL) und GS1 Germany das Projekt „Digitaler Lieferschein“, um die meist manuellen und aufwändigen Prozesse endlich digital zu optimieren. Nach einem erfolgreichen „Proof of Concept“ in 2021 mit 20 namhaften Unternehmen aus Konsumgüterindustrie, Handel und Logistik gehen die Partner nun in die Realisierung. Der Vertrag wurde im Rahmen des Handelslogistik Kongress Log 2022 in Köln unterzeichnet.

Immer noch begleiten Lieferscheine in Papierform die Warenlieferungen von Konsumgüterherstellern an den Handel. Aufgrund der vielfältigen Funktionen und Anforderungen können Lieferscheine nicht ohne Weiteres digitalisiert werden. Bei der Anlieferung im Handel fungiert der Lieferschein häufig als Quittung, die dem Verkäufer den ordnungsgemäßen Empfang der Lieferung bestätigt. Die Rückführung der Papierbelege an den Versender erfolgt in der Regel durch das Fahrpersonal des Logistikdienstleisters.

Alle Teilnehmenden sollen in einer ersten Stufe über eine zentrale Cloudplattform Lieferscheine und später auch weitere Transportdokumente digital austauschen. Ziel ist es, die Plattform in enger Abstimmung mit Industrie, Handel und Logistik bis Ende 2022 aufzubauen und in Betrieb zu nehmen.

„Die Besonderheit der angestrebten Lösung ist ihre Neutralität und der Community-Ansatz, der die Interessen aller Prozessbeteiligten berücksichtigt“, so Dr. Martin Schwemmer, Geschäftsführer der BVL. Offene, standardisierte Schnittstellen ermöglichen Versendern, Empfängern und Logistikdienstleistern die diskriminierungsfreie technische Anbindung. Sie können dabei bereits bestehende Applikationsanbieter nutzen, wenn diese die entsprechenden Funktionalitäten in ihren Systemen ergänzen. So lassen sich digitale Transportdokumente über eine zentrale Instanz zwischen unterschiedlichen Supply Chain Partnern austauschen und nach einem standardisierten Verfahren mit Informationen anreichern. “Dieser kollaborativ entwickelte Ansatz soll die aufwändige Zettelwirtschaft im Logistikalltag abschaffen und birgt so ein hohes Potenzial für schnellere, kostengünstigere Prozesse zu Gunsten aller Beteiligten“, erklärt Thomas Fell, Lead GS1 Germany. Zusätzlich bietet diese Lösung Möglichkeiten für eine Skalierung in weiteren Branchen, Märkten und Ländern sowie für weitere Anwendungen.

Interessierte potenzielle Nutzer des digitalen Lieferscheins sowie IT-Dienstleister, die sich für Services mit dem digitalen Lieferschein interessieren, finden auf https://bvl-digital.de/cloud4log ab sofort weitere Informationen und Kontaktmöglichkeiten.

Quelle: BVL, Foto: BVL/ EHI, Unterzeichnung des Vertrags zur gemeinsamen Realisierung des Digitalen Lieferscheins. Links: Thomas Fell, Geschäftsführer GS1 Germany, rechts: Prof. Dr.-Ing. Thomas Wimmer, Vorstandsvorsitzender BVL. 




RheinCargo behauptet sich trotz Corona-Krise

Weiter stabil durch die Corona-Krise: Auch im Jahr 2021 konnte die Rhein-Cargo GmbH & Co. KG die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie abfedern und sich im Markt behaupten. Dabei gelang es dem Logistik-Dienstleister, die Umschlagmengen in den sechs Rheinhäfen und das Frachtaufkommen der Güterbahn im Vergleich zum Vorjahr insgesamt leicht zu steigern.

„Auch 2021 stellte uns Covid-19 erneut vor große Herausforderungen. Wir sind leider noch von den umgeschlagenen und transportierten Mengen der Vor-Corona-Zeit entfernt. Optimistisch stimmt uns aber, dass wir unter diesen schweren Marktbedingungen insgesamt ein leichtes Plus im Vergleich zu 2020 verbuchen konnten. Unser umfangreiches und diverses Güterportfolio hat diese Entwicklung ermöglicht“, erklären die beiden RheinCargo-Geschäftsführer Wolfgang Birlin (Güterbahn) und Jan Sönke Eckel (Häfen und Immobilien).

Die Hafensparte lag 2021 beim schiffsseitigen Umschlag mit einem Zuwachs von 0,2 Prozent nahezu exakt auf Vorjahresniveau. Insgesamt wurden in den sechs RC-Häfen in Düsseldorf, Köln und Neuss 15,9 Millionen Tonnen umgeschlagen. Unter Einbeziehung der landseitigen Umschläge, die um 5,2 Prozent zulegten, betrug das Gesamtgütervolumen 22,8 Millionen Tonnen im Vergleich zu 22,4 Millionen Tonnen im Jahr 2020. „Der wasserseitige Umschlag lag bis zum September noch knapp 5 Prozent über dem Vorjahr. Leider setzte sich diese Entwicklung im 4. Quartal nicht fort. Gründe hierfür waren die Niedrigwasserphase und insbesondere die aufgrund der gestiegenen Importkohle große Nachfrage nach Schiffsraum. Das führte bei Gütern mit geringer Marge teilweise zu einer Verlagerung auf andere Verkehrsträger“, bilanziert Jan Sönke Eckel.

Dank dem breiten Güter-Mix konnten diese negativen Auswirkungen insgesamt kompensiert werden. So stieg der wasserseitige Containerumschlag um fast acht Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch der Bereich Baustoffe und Recycling entwickelte sich positiv, mittlerweile werden fast 2,3 Mio. Tonnen in den RheinCargo-Häfen wasserseitig umgeschlagen. Die Bereiche Chemie mit rund 2,2 Mio. Tonnen (knapp 5 Prozent plus) sowie Erdöl- und Mineralölerzeugnisse mit fast 4,5 Mio. Tonnen bleiben ebenfalls wesentliche Segmente des Hafenumschlags. Hinzu kommt eine weiterhin starke Nachfrage nach Hafenimmobilien, da viele Kunden der RheinCargo die trimodalen Konzepte der Häfen nutzen wollen.

Auch die Eisenbahnsparte hatte neben den pandemiebedingten Auswirkungen wie dem harten Lockdown im ersten Quartal 2021 mit weiteren erschwerenden Einflüssen zu kämpfen. So sorgte die Flutkatastrophe im Juli 2021 in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz dafür, dass diverse Kunden über einen längeren Zeitraum nur teilweise über die Schiene bedient werden konnten, da Netzinfrastrukturen zerstört waren. Das führte zu Mengenrückgängen besonders im Regionalverkehr. „In dieser Zeit haben unsere Mitarbeitenden unter extremsten Bedingungen herausragende Leistungen erbracht. Nur so gelang es RheinCargo, die Versorgung der Kunden weitestgehend aufrecht zu erhalten“, erklärt Wolfgang Birlin.

Über das gesamte Jahr transportierte die RheinCargo-Güterbahn im vergangenen Jahr 19,5 Mio. Tonnen. Das entspricht einem Plus von 4,8 Prozent im Vergleich zur Mengenbilanz 2020. Damals waren 18,6 Mio. Tonnen befördert worden. Besonders die Sparten Chemie, Recycling, Agrar und Container konnten 2021 gesteigert werden. Auch der Bereich „Werks- und Industriebahnen“ wuchs dank weiterer Aufträge.

Für das laufende Jahr wollen und können die beiden Geschäftsführer wie schon im Vorjahr keine zuverlässige Prognose wagen. „Nachdem zwei Jahre lang die Geschäftsbereiche massiven Einflüssen der Corona-Pandemie ausgesetzt waren und es auch teilweise weiter bleiben werden, ist es nun der Ukraine-Krieg, der die Marktentwicklung zusätzlich unberechenbar erscheinen lässt“, so Wolfgang Birlin und Jan Sönke Eckel. Bei allen Unwägbarkeiten sehen sie das Unternehmen trotz- dem sehr gut aufgestellt: „Auch in diesem Jahr wird RheinCargo auf unser Erfolgsmodell setzen – auf eine noch stärkere Kombination der umweltfreundlichen Verkehrsträger Schiff und Bahn in unseren Häfen.“

Quelle und Foto: RheinCargo, Wolfgang Birlin (li.) und Jan Sönke Eckel.




Die Digitalisierung des Schienengüterverkehrs beschleunigen

In Rotterdam haben neunzehn Parteien aus dem Schienengüterverkehrssektor eine Kooperationsvereinbarung für das beschleunigte Wachstum der Digitalisierung und den Datenaustausch in diesem Sektor unterzeichnet. Unter der Leitung des Hafenbetriebs Rotterdam wird in den nächsten zwei Jahren die Grundlage dafür gelegt.

„Aufgrund unserer Nachhaltigkeitsziele streben wir als Hafenbetrieb Rotterdam gemeinsam mit dem niederländischen Ministerium für Infrastruktur und Wasserwirtschaft und den Logistikunternehmen in den kommenden Jahren ein erhebliches Wachstum im Schienenverkehr an“, sagt Matthijs van Doorn, kaufmännischer Direktor des Hafenbetriebs Rotterdam. „Letztes Jahr legte der Schienengüterverkehr zehn Prozent zu. Unser Ziel ist es, ein wettbewerbsfähiges Schienenangebot zu schaffen. Das wird nur möglich sein, wenn wir zusätzliche Schritte in puncto Effizienz, Transparenz und Zuverlässigkeit unternehmen. Dafür sind neben einer guten Infrastruktur und guten Marktbedingungen die Digitalisierung und der Datenaustausch unerlässlich.“

Das Wachstumsprogramm mit dem Namen „Rail Connected“ ist das Ergebnis des niederländischen Maatregelenpakket Spoorgoederenverkeer (Maßnahmenpaket Schienengüterverkehr) zur Stimulierung des Schienengüterverkehrs. Das Programm wird vom niederländischen Ministerium Infrastruktur und Wasserwirtschaft sowie vom Hafenbetrieb Rotterdam finanziert. Der Hafenbetrieb koordiniert das Programm, das gemeinsam mit den Marktparteien gestaltet wird.

Ein wichtiger Teil von „Rail Connected“ ist die Weiterentwicklung des aktuellen Dienstes „Meldung Container Hinterland“ seitens Portbase als Anbieter des Port Community System. Dadurch wird der Informationsaustausch zwischen den Kettenpartnern weiter digitalisiert. „Bald wird es beispielsweise möglich sein, Züge zentral am Terminal anzumelden und Informationen über die Zusammensetzung des Zuges abzurufen“, erklärt Iwan van der Wolf, Managing Director von Portbase. „Durch die Standardisierung und Digitalisierung des Informationsaustauschs werden Daten zugänglich gemacht. Zu einem späteren Zeitpunkt können wir diese, versehen mit den entsprechenden Genehmigungen und auf sichere Art und Weise, dem Schienengüterverkehrssektor und möglicherweise anderen Parteien zur Verfügung stellen. Auf diese Weise entwickeln wir konkrete Verbesserungen mithilfe intelligenter Innovationen.“

„Die durch die Digitalisierung entstehende Transparenz und die gewonnenen Erkenntnisse werden letztendlich zu einer besseren Vorhersehbarkeit des Produkts Schienengüterverkehr beitragen“, fügt Van Doorn hinzu. „Dadurch können letzten Endes die Nutzung des Schienennetzes, der Züge sowie der Einsatz des Personals optimiert werden. Das wird das Wachstum des Schienengüterverkehrs ankurbeln. Mit dem Wachstumsprogramm „Rail Connected“ wird jetzt ein erster, wichtiger Schritt in diese Richtung gemacht.“

Neben den Deepsea-Containerterminals RWG und Hutchison Ports ECT Rotterdam nehmen auch die folgenden Akteure aus dem Schienengüterverkehrssektor teil: Contargo, CTT Rotterdam, Danser, DB Cargo Nederland, DistriRail, European Gateway Services, Haeger & Schmidt Logistics, KombiRail Europe, LTE, Neska Intermodal, Optimodal, Portshuttle, Rail Force One, Raillogix, Rotterdam Rail Feeding, RTB Cargo und Trimodal Europe.

Quelle und Foto: Port of Rotterdam




Raiffeisen Lübbecker Land AG ist Eigentümerin des Lübbecker Hafens

Die Raiffeisen Lübbecker Land AG gehört mit Ihrem Hafen in Lübbecke zum Verbund „Hafenband am Mittellandkanal“. Dieses ist eine Kooperation der Hafen Bückeburg-Berenbusch GmbH, der Stadt Espelkamp, der Wirtschafts-Betriebs- Gesellschaft Hille mbH, der Raiffeisen Lübbecker Land AG sowie der Mindener Hafen GmbH. Es unterstützt bei der Vermittlung zwischen Kunden und Unternehmen im Verbundraum und bei der Erarbeitung optimaler Transportketten.

Seit 1975 war die Stadtwerke Lübbecke GmbH Eigentümerin der Grundstücke im Hafen Lübbecke. Betreiberin des Lübbecker Hafens ist seit 2007 die Lübbecker Hafen GmbH, eine 100 %ige Tochtergesellschaft der Raiffeisen Lübbecker Land AG.

Die Stadtwerke Lübbecke GmbH hat zum 1. September 2020 alle in ihrem Eigentum stehenden Grundstücke und Anlagen im Lübbecker Hafen an die Raiffeisen Lübbecker Land AG veräußert. Vom Wasser- und Schifffahrtsamt wurden die Genehmigungen zum Betrieb des Hafens auf die Raiffeisen Lübbecker Land AG übertragen.

Im Zuge dieser Veränderungen ist die Raiffeisen Lübbecker Land AG auch anstelle der Stadtwerke Lübbecke GmbH Mitglied in der Kooperation „Hafenband am Mittellandkanal“ (www.hafenband.de) geworden.

Zum 1. Januar 2022 hat die Lübbecker Hafen GmbH, die bisher das Umschlagsgeschäft auf dem vormals gepachteten Gelände betrieb, auch das operative Geschäft auf die Raiffeisen Lübbecker Land AG übertragen. „Wir sind seit 2015 Besitzer des südlich angrenzenden Grundstückes an das Hafengelände. Durch den Erwerb und die Zusammenführung des Geschäfts erhoffen wir uns weitere Wachstumsschritte an dem Standort in Lübbecke,“ so Karl-Heinz Eikenhorst, Vorstand der Raiffeisen Lübbecker Land AG. „Für die Kunden der Lübbecker Hafen GmbH wird sich wenig ändern,“ ergänzt Timo Buschendorf, Standortleiter in Lübbecke und Geschäftsführer der Lübbecker Hafen GmbH. „Die Ansprechpartner und die laufenden  Verträge  der  Kunden  bleiben  unverändert.  Aus  Kundensicht  wird  sich ausschließlich der Rechnungssteller ändern. Wichtige organisatorische Schritte wie EDV, Qualitätsmanagement oder Anschaffung und Wartung von Maschinen laufen dann nicht mehr zweispurig,  sondern  können  zusammengefasst  werden.  Dadurch  können  wir  den Gesamtstandort stärken und für die Zukunft sicher aufstellen“, führt Timo Buschendorf weiter aus.

Hintergrund:

Im Jahr 2021 wurden im Hafen Lübbecke insgesamt knapp ca. 200.000 Tonnen – überwiegend Getreide, Raps, Düngemittel, Kalk und Mineralölprodukte – umgeschlagen. An der rd. 210 Meter langen Kaimauer können bei einer Wassertiefe von 4 Meter zwei Binnenschiffe gleichzeitig gelöscht und auch Schwergüter umgeschlagen werden.

Die Raiffeisen Lübbecker Land AG ist im Jahre 2010 bzw. 2012 aus der Fusion der LEVG Rahden  e.G.,  Raiffeisen  Stemweder  Berg  GmbH  und  der  BBAG  Lübbecke  e.G. hervorgegangen. Das Hauptgeschäftsgebiet der Raiffeisen AG bezieht sich auf den Altkreis Lübbecke und einen daran angrenzenden Gebiets-Korridor von ca. 20 km Breite. Neben dem klassischen Agrarhandel mit Getreide, Dünger, Pflanzenschutz, Saatgut und Futtermitteln betreibt  die  AG  zudem  5  Raiffeisen-Märkte  unterschiedlicher  Größe.  Auch  der Tankstellenbetrieb, Handel mit Brenn- und Energiestoffen sowie Baustoffen gehören zu dem Portfolio der Gesellschaft.

Die Lübbecker Hafen GmbH ist eine 100%ige Tochtergesellschaft der Raiffeisen Lübbecker Land  AG.  Seit  2007  betreibt  sie  am  Kanalhafen  in  Lübbecke  einen  modernen Umschlagsbetrieb mit den Schwerpunkten Getreide-, Raps- und Düngemittelumschlag. Durch die Erweiterung und Erneuerung der Spundwand in 2012 können Schwerlast und Großvolumen-Umschläge getätigt werden. In den Lagereinrichtungen können zudem weitere Schritte der Getreide-Veredelung, wie Reinigung, Trocknung, Saatgut-Herstellung und Beizung oder Abpackung durchgeführt werden. Die Lagerung von Getreide, Raps und Düngemitteln erfolgt für die regionale Landwirtschaft sowie überregionale Großhändler und Hersteller von Agrargütern.

Die Kooperation „Hafenband am Mittellandkanal“ hat sich im Jahr 2008 erfolgreich am „Ziel 2-Landeswettbewerb Logistik.NRW“ beteiligt und besteht seitdem – auch nach dem Auslaufen des Förderzeitraums – fort. Sie hat zum Ziel, die Vernetzung von Kunden, Lieferanten und Hafenbetreibern zu fördern und leistungs- und kundenorientierte Lösungen für alle Standorte zu etablieren.

Kooperationspartner sind die Städte Bückeburg und Espelkamp, die Wirtschafts-Betriebs- Gesellschaft Hille mbH, die Raiffeisen Lübbecker Land AG sowie die Mindener Hafen GmbH., Ein, bei der Mindener Hafen GmbH, eingerichtetes regionales Hafenmanagement ist zentraler Ansprechpartner und koordiniert die Hafenaktivitäten und vernetzt Kunden, Lieferanten und Hafenbetreiber.

Quelle: Hafenband am Mittellandkanal, Foto: Raiffeisen Lübbecker Land AG, (v. l.) Karl-Heinz Eikenhorst, Markus Hanning, Timo Buschendorf




Torben Reher wird CFO der Hoyer Group

Zum 1. April 2022 hat Dr. Torben Reher (43) die Position des Chief Financial Officer (CFO) der HOYER Group übernommen. Er löst Gerd Peters (63) nach über 13 Jahren Unternehmenszugehörigkeit ab. Gemeinsam mit Björn Schniederkötter (45), Chief Executive Officer (CEO), bildet Dr. Reher künftig das Executive Board des Logistikunternehmens mit Hauptsitz in Hamburg.

Dr. Torben Reher – promovierter Jurist mit MBA-Abschluss – kommt aus der Firmengruppe Liebherr, bei der er seit Beginn seines Berufslebens tätig war. In dem familiengeführten Technologieunternehmen übernahm Dr. Reher verschiedene Führungspositionen an mehreren nationalen und internationalen Standorten, unter anderem in Asien und im Mittleren Osten, bevor er 2016 zum Chief Financial Officer für Liebherr USA berufen wurde.

„Als Familienunternehmen ist uns ein werteorientiertes Handeln wichtiger als kurzfristige finanzielle Effekte. Wir sind davon überzeugt, dass Dr. Reher diese Werte vorleben und zusammen mit Herrn Schniederkötter unser Unternehmen langfristig und nachhaltig wirtschaftlich weiterentwickeln wird“, begründet Thomas Hoyer, Beiratsvorsitzender der HOYER Group, die Personalentscheidung. „Als internationales Logistikunternehmen für spezialisierte Flüssiggüter verfügt HOYER über einen exzellenten Ruf. Werte sind ein fester Anker für das gesamte Unternehmen. Das ist für mich besonders wichtig“, erläutert Reher. „Gleichzeitig verfügt HOYER über eine hohe innovative Dynamik und einen klaren Fokus auf Mehrwert für Kunden. Das hat mich überzeugt.“

Gerd Peters übernimmt die unternehmerische Gesamtverantwortung in einem anderen Unternehmensverbund der Familie Hoyer. „Ich habe die HOYER Group über eine lang Zeit mitentwickeln dürfen. Wir haben trotz wirtschaftlicher und politischer Krisen stets stabile finanzielle Verhältnisse und eine gesunde Bilanzstruktur halten können“, so Peters. „Ich freue mich auf meine neue Aufgabe.“ Thomas Hoyer ergänzt: „Wir danken Herrn Peters für seine Verdienste für HOYER und seine außerordentliche Loyalität zum Unternehmen. Er hinterlässt eine finanziell stark aufgestellte Firmengruppe. Nun freuen wir uns auf Dr. Reher und blicken gemeinsam optimistisch in die Zukunft.“

Quelle und Foto: Hoyer Group




Ein neuer Steiger für den Neusser Hafen

Die Stadt Neuss verfügt ab sofort über eine barrierearme Anlegestelle für die Personenschifffahrt. Nach sieben Monaten Bauzeit hat der Logistikdienstleister RheinCargo den neuen Steiger im Hafenbecken offiziell in Betrieb benommen. „Damit rückt Neuss ein weiteres Stück näher an den Rhein und wird vor allem touristisch noch besser erschlossen“, freut sich Bürgermeister Reiner Breuer.

Seinen ersten großen Einsatz wird der Steiger zum 42. Internationalen Hansetag haben, der Ende Mai in Neuss stattfindet. Der Umschlag im Hafenbecken 1 wird durch die neue Anlage nicht gestört.

Bisher konnten in Neuss Personenschiffe nur über eine Kammertreppe am Hafenbecken 1 erreicht werden. Einen barrierearmen Zugang gab es nicht. Nach der Fertigstellung des neuen RheinCargo-Steigers wird es nun auch im Neusser Hafengebiet wie in Düsseldorf und Köln möglich sein, Personenschiffe bequem zu erreichen. Durch drei neue Anlegedalben ist die Plattform so ausgestattet, dass auch große Flusskreuzfahrtschiffe dort festmachen können. RheinCargo verfügt zwischen Düsseldorf und Köln jetzt insgesamt über zwölf Steiger/Anlegestellen für die Personenschifffahrt.

In einem weiteren Schritt wird in eine Landstromanlage investiert, wodurch anlegende Schiffe auf den Betrieb ihrer meist dieselbetriebenen Stromgeneratoren verzichten können. Über diese Landstromverbindung wird RheinCargo Schiffe ausschließlich mit grünem Strom versorgen und so zu einer weiteren CO2-Reduzierung in Neuss beitragen.

Die Nachfrage nach Anlegestellen, die von großen Flusskreuzfahrtschiffen angelaufen werden können, ist in den letzten Jahren enorm gestiegen. Es ist davon auszugehen, dass sich dieser Trend auch nach der Covid-19-Pandemie fortsetzen wird. „Kurze Wege zu Bus und Taxiständen, sowie die fußläufige Erreichbarkeit der Neusser Innenstadt, machen den Standort für unseren neuen Steiger am Neusser Hafenbecken 1 attraktiv und sind Pluspunkte bei der zukünftigen Vermarktung“, so Jan Eckel, Geschäftsführer der RheinCargo.

Darüber hinaus steht ein Parkhaus in unmittelbarer Nähe zur Verfügung. „Wir sind stolz, dass wir den Bau und die Montage der Anlage reibungslos und im Zeitplan realisieren konnten und der neue Neusser Steiger rechtzeitig zum internationalen Hansetag zur Verfügung steht“, so Sascha Odermatt, Geschäftsführer Neuss Düsseldorfer Häfen und Gesellschafter der RheinCargo.

Der neue Steiger in Zahlen

Ein Gemeinschaftsprojekt der Stadt Neuss, der RheinCargo, der Neuss Düsseldorfer Häfen und den Stadtwerken Neuss.

  • Bauzeit insgesamt    ca. 7 Monate
  • Montage vor Ort     ca. 5 Wochen
  • Steglänge        35 m
  • Größe des Pontons   ca. 15 m x 5 m
  • Dalben          3 Anlegedalben
    4 Dalben für das Podest und den Ponton
  • Stahl           26 t Ponton
    21 t Podest und Brücke

Quelle und Foto: RheinCargo, v.l.n.r.: NDH-Geschäftsführer Sascha Odermatt, Rick Donners, Kapitän des Flusskreuzfahrtschiffs Rembrandt van Rijn, und der Neusser Bürgermeister Reiner Breuer weihten den neuen Steigeram Hafenbecken 1 in Neuss ein. Foto: RheinCargo




DACHSER erzielt Rekordumsatz

Im Geschäftsjahr 2021 steigerte DACHSER seinen konsolidierten Umsatz um 26,0 Prozent auf 7,1 Milliarden Euro. Nach dem Lockdown-bedingten Seitenschritt im Vorjahr kehrt der Logistikdienstleister auf einen dynamischen Wachstumspfad zurück. Für die positive Jahresbilanz verantwortlich waren die organischen Sendungs- und Tonnagesteigerungen von 6,3 bzw. 7,7 Prozent auf Konzernebene. Hohe Frachtpreise, verursacht durch die Verkehrsträger übergreifende Laderaumknappheit, machten den Umsatzsprung komplett.


„2021 war in vieler Hinsicht ein Ausnahmejahr; es gab extreme Herausforderungen zu bewältigen“, ordnet Dachser CEO Burkhard Eling ein. „Brexit, COVID-19-Pandemie und globale Lieferketten an der Belastungsgrenze prägten das Jahr und sorgten für große Verunsicherung bei unseren Kunden. Es ist uns gelungen, auch in dieser Lage zuverlässige Logistiklösungen zu bieten sowie Qualität und Service auf hohem Niveau zu halten. Damit konnten wir Kunden enger an uns binden und insbesondere das Geschäft mit Großkunden gezielt ausbauen. Das war eine außerordentliche Leistung, die unseren Teams angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen alles abverlangt hat.“

Das Business Field Road Logistics, in dem DACHSER den Transport und das Warehousing von Industrie- und Konsumgütern (European Logistics) sowie Lebensmitteln (Food Logistics) zusammenfasst, wuchs 2021 um 12,3 Prozent auf 4,99 Milliarden Euro Umsatz. Nachdem die Lockdowns in Südeuropa 2020 für einen Umsatzrückgang von 2,2 Prozent gesorgt hatten, ist das Resultat auch eine signifikante Steigerung gegenüber dem Vor-Corona-Jahr 2019.

Die Business Line European Logistics erhöhte ihren Umsatz mit 13,1 Prozent stark und verzeichnete einen Umsatz in Höhe von 3,92 Milliarden Euro. Nach mehreren Jahren der Stagnation erhöhten sich die Sendungszahlen deutlich um 6,8 Prozent auf 72,0 Millionen, die Tonnagen sogar um 8,5 Prozent auf 30,0 Millionen. Alle regionalen Business Units – Germany, North Central Europe, France & Maghreb sowie Iberia – erhöhten ihre Umsätze im zweistelligen Bereich. Kundengewinne sorgten dafür, dass die Business Line Food Logistics trotz der Corona-bedingten Einschränkungen in Gastronomie und Hotellerie in Deutschland ein Umsatzwachstum von 9,8 Prozent erzielte. Mit einem Umsatz von 1,07 Milliarden Euro wurde zum ersten Mal die Milliardenmarke übertroffen.

Lieferkettenunterbrechungen, knappe Frachtkapazitäten und entsprechend hohe Raten kennzeichneten 2021 das Geschäft in der Luft- und Seefracht. Als Folge dieser Entwicklung konnte das Geschäftsfeld Air & Sea Logistics ein Rekord-Umsatzwachstum von 78,3 Prozent erzielen. Die Sendungen erhöhten sich um 9,1 Prozent, die Tonnagen sogar um 20,9 Prozent. Als besonders erfolgreich erwies sich der weitere Ausbau der Luftfrachtcharter zu einem Netzwerk aus regelmäßigen Verkehren zwischen Asien, Europa und Nordamerika. Insgesamt 230 Charterflüge führte DACHSER 2021 durch. „Zuverlässig verfügbarer Frachtraum gibt Kunden Planungssicherheit – und das war 2021 der Schlüssel zum Erfolg. Zudem hat es sich als sehr vorteilhaft erwiesen, dass wir die Ware aus Übersee direkt in unser eigenes europäisches Landverkehrsnetz zur Distribution und Zustellung einspeisen können“, erläutert Eling.

Für das Jahr 2022 zeichnet sich weiterhin ein volatiles und herausforderndes Marktgeschehen ab. Der Krieg in der Ukraine verursacht extremes menschliches Leid. Auch in der Wirtschaft wird er weltweit tiefe Spuren hinterlassen. Dazu kommen historisch hohe Energie- und Treibstoffkosten, eine weitere Verschärfung des Fahrermangels sowie anhaltende Störungen in den weltweiten Lieferketten, auch durch COVID-19-Ausbrüche, wie jüngst in China und Hongkong. „Wir müssen uns auf ein weiteres Jahr einstellen, in dem Krisenmanagement, Flexibilität und Resilienz in Bezug auf die Supply Chains gefragt sind“, sagt Eling.

Dennoch investiert DACHSER weiter zukunftsgerichtet in Logistikanlagen, digitale Technologien und Equipment. Nach rund 100 Millionen Euro in 2021 sind für 2022 rund 200 Millionen Euro geplant. „Darunter fallen Leuchtturmprojekte wie unser voll automatisiertes Hochregallager in Memmingen für 52.000 Paletten, das im Oktober in Betrieb geht“, erklärt Eling. „Daneben investieren wir substanziell in Digitalisierung, Klimaschutzmaßnahmen und insbesondere unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, denn die Logistik ist und bleibt ein Geschäft, das von Menschen für Menschen gemacht wird.“ Im Jahr 2021 stellte DACHSER weltweit rund 1.000 Menschen zusätzlich ein, ca. 2.200 junge Menschen durchlaufen aktuell eine Ausbildung bei DACHSER weltweit. Die hohe Eigenkapitalquote von rund 60 Prozent gibt der Investitionspolitik von DACHSER einen starken Rückhalt.

Quelle und Foto: DACHSER




Bremer Hafenmarketing mit vielen Aktivitäten

Bis 7. April 2022 treffen sich auf der FRUIT LOGISTICA in Berlin Fachleute aus über 90 Ländern, um ihre Produkte, Dienstleistungen und technischen Lösungen zu präsentieren. Die Messe gilt als führende Fachmesse für den globalen Fruchthandel. Die bremischen Häfen sind, wie in vielen Jahren zuvor, wieder mit einem von bremenports organisierten Messestand vertreten.

In den letzten Jahren haben regelmäßig über 75.000 Fachbesucher die Messe besucht. Auf ein ähnliches Ergebnis hoffen die Veranstalter auch in diesem Jahr.

Die Teilnahme an der FRUIT LOGISTICA ist der Startschuss für eine Vielzahl von Marketingaktivitäten der Hafenmanagement-Gesellschaft bremenports in 2022. Messehighlight wird der Auftritt der bremischen Häfen auf der Breakbulk Europe vom 17. bis 19. Mai in Rotterdam sein. Hier werden sich 15 Unternehmen aus der Breakbulk-Branche auf dem Gemeinschaftsstand präsentieren.

Weiter geht es dann im Herbst mit Messeauftritten auf der Breakbulk Americas in Houston und der transport logistics in Miami. Letzterer wird zusammen mit den Marketingkollegen aus Hamburg und Niedersachsen geplant.

Die Short Sea Shipping Days in Lübeck, die Korallenriffkonferenz in Bremen und der Deutsche Hydrographentag in Bremerhaven runden das vorläufige Messeprogramm ab.

Neben den Messeauftritt bereitet bremenports eine Reihe von neuen Aktivitäten vor, die im Laufe des Jahres realisiert werden. Eine wichtige Neuerung erwartet alle Kunden und Interessierte der bremische Häfen im Frühsommer. Die Homepage www.bremenports.de mit allen notwendigen Informationen rund um die bremischen Häfen wird runderneuert an den Start gehen und damit auch einen neuen Markenauftritt der Bremischen Häfen einleiten.

Ronald Schwarze, Marketing-Leiter bei bremenports: „Wir sind froh, die Webseite der bremischen Häfen und von bremenports mit dem Relaunch auf den neuesten technischen Stand zu bringen. Dies wird der erste Schritt in ein deutlich verbessertes Online-Angebot der bremischen Häfen sein.“

Auch die Kunden im Hinterland der bremischen Häfen müssen nicht länger auf den direkten Draht zu den bremischen Häfen warten. Neuss (28. April), Leipzig (07. Juli), Wien (15. September) und Stuttgart heißen die nächsten Stationen, an denen die Port Community aus Bremen und Bremerhaven zahlreich vertreten sein wird, um Kundenbeziehungen zu verstetigen und auszubauen.

Quelle und Foto: bremenports




Frischer Wind für die Schifffahrt aus Leer

Alternativen zu den steigenden Energiepreisen sind auch in der Schifffahrt dringend gefragt. Was liegt da näher, als sich auf die Wurzeln der Seefahrt zu besinnen und den Wind zu nutzen? Im Rahmen einer Veranstaltung des Kompetenzzentrums GreenShipping Niedersachsen, gemeinsam mit der Fraunhofer Arbeitsgruppe „Nachhaltige Maritime Mobilität“ und der MARIKO GmbH, gingen 70 Teilnehmer im Maritimen Technikum der Hochschule Emden Leer den Voraussetzungen, Chancen und möglicher Geschäftsmodelle von Segeltechnologien auf den Grund.

Die Beweise für Kraftstoffeinsparungen von Windzusatzantrieben bis zu 20% liegen auf der Hand: insbesondere Flettnerrotoren sind schon auf einigen Schiffen vertreten und sorgen auch bei den anwendenden Reedereien für Begeisterung. „Was nun folgen muss, ist das Scaling-up wie bei den Windkraftanlagen“ zieht Jann Strybny den Vergleich zur Windkraftbranche. Diese habe in den 80er Jahren am gleichen Punkt gestanden wie nun die Windzusatzantriebe: die Machbarkeit und Vorteile sind bewiesen, eine Skalierung zu größeren Anlagen muss folgen. „Wir haben hier am Standort Leer die idealen Voraussetzungen geschaffen, um das Thema Windzusatzantriebe für die weltweite Schifffahrt zu pushen“ so Michael Vahs weiter. Beide Professoren der Hochschule Emden Leer begeistern mit den technischen Finessen des Maritimen Technikums, das im vergangenen Jahr eingeweiht wurde. Sie leiten über zur regionalen Start-up-Szene und Erstanwendern der Technologien, die über ihre Erfahrungen berichten.

So sind Flettnerrotoren aber auch Venti-Foil-Systeme bereits im Einsatz und überzeugen die Reedereien mit den erzielbaren Kraftstoffeinsparungen aber auch mit der einfachen Handhabbarkeit im Betrieb. Es wurde bestätigt, dass es jetzt vor allem darum geht, die erprobten und praxistauglichen Systeme für eine breite Anwendung in größeren Maßstäben in den Markt zu bringen, um noch größere Einspareffekte zu erzielen.

Die Yachttechnologie-Branche kann Erkenntnisse der Weiterentwicklungen der Segeltechnologie der vergangenen Jahre und Jahrzehnte in die Berufsschifffahrt transferieren. Sie hat hier einen immensen Wissens- und Erfahrungsvorsprung, über dessen Crossover-Potenzial Torsten Conradi von Judel/Vrolijk berichtet. Als Vorbild für Windantriebssysteme in der Seeschifffahrt solle das sogenannte „Push-Button-Sailing“ dienen, mit dem moderne Segelyachten im Luxussegment per Knopfdruck von kleinsten Besatzungen gefahren werden können.

Praxisbeispiele von Werften und Zulieferern für Segeltechnologie zeigten, dass die Technik zur Handhabung von großen Segelflächen bereits vorhanden ist und auch in der Seeschifffahrt eingesetzt werden kann. Eine Vergrößerung der Segelsysteme hat im Yachtmarkt in den vergangenen Jahrzehnten bereits stattgefunden und die technischen Lösungen dafür sind mitgewachsen und auch für die Seeschifffahrt verfügbar.

In einem sind sich alle Teilnehmer auch in den Pausen einig: es muss etwas passieren, um den Energieverbrauch und damit die Emissionen sofort zu senken. Windzusatzantriebe sind hier aktuell das Mittel der Wahl, so scheint es unter den Teilnehmern. Doch wie verändert das die Transportwelt? Im dritten Block der Veranstaltung wurde darüber diskutiert, wie sich bestehende Geschäftsmodelle an die andere Ausgangslage bei der Nutzung von Wind als Zusatzantrieb anpassen müssen. In diesem Kontext wurde betont, dass sich Windzusatzantriebe vor allem für Neubauten lohnen, bei denen die Systeme bereits im Entwurfsprozess mitgedacht werden können und so optimale Anpassungen und Einbausituationen vorherrschen. Nichtsdestotrotz seien auch Nachrüstungen von Windzusatzantrieben notwendig und durchführbar, um die Klimaziele schnell zu erreichen.

Als Herausforderung wird nach wie vor gesehen, dass die Projektlaufzeiten für nachträgliche Installationen von Windzusatzantrieben derezit relativ lang sind und damit deutlich mehr Überzeugungsarbeit geleistet werden muss. Darüber hinaus wurde kritisch bewertet, dass die Zeiträume für den return on invest für viele Reeder zu lang seien und die politischen Rahmenbedingungen nicht zielgerichtet genug seien. Reedereien sehen sich zunehmend damit konfrontiert, dass sie immer mehr finanzielle Aufwände haben, die strenger werdenden Emissionsvorschriften einzuhalten, diese Kosten aber nicht in der Lieferkette entsprechend weitergeben können. Hier müsse ein generelles Umdenken in der Bepreisung von transportierten Produkten stattfinden, um eine nachhaltige Finanzierung zu erreichen.

In Anerkennung ihrer Verantwortung für Wirtschaft und Umwelt hat die Landesregierung das Kompetenzzentrum GreenShipping Niedersachsen an den Standorten Leer und Elsfleth auf den Weg gebracht, das gezielt und bedarfsgerecht die aktuellen und wichtigen Fragestellungen aufgreift, bewertet und mögliche Lösungen im Themenfeld GreenShipping entwickelt. Dabei wurden umfangreiche Vorarbeiten des Maritimen Strategierates Weser-Ems berücksichtigt. Es geht darum, die verfügbaren fachlichen Kompetenzen mit den relevanten Problemen in Deckung zu bringen und im Rahmen von Projekten bedarfsgerecht auf höchstem technischem Niveau einer Lösung zuzuführen. Mit dem Kompetenzzentrum für GreenShipping stellt sich Niedersachsen den konkreten Herausforderungen, Bedingungen und Wünschen der maritimen Wirtschaft mit dem Ziel, Schifffahrt zu wirtschaftlichen Bedingungen ressourcenschonender und umweltfreundlicher zu gestalten. Dabei soll das Kompetenzzentrum für GreenShipping Niedersachsen bei Umweltproblemen branchenübergreifend den Dialog mit den Beteiligten suchen und Lösungsoptionen koordinieren. Auf der Grundlage einer leistungsfähigen Infrastruktur kann das Kompetenzzentrum zudem eine Plattform für anwendungsorientierte Forschung bieten. Das vom Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr und vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur geförderte Projekt wird von der MARIKO GmbH, dem Maritimen Cluster Norddeutschland e. V. (MCN e. V.), der Hochschule Emden/Leer, der Jade Hochschule, der Fraunhofer Arbeitsgruppe Nachhaltige Maritime Mobilität (Kooperation des Fraunhofer-Instituts für Windenergiesysteme IWES und der Hochschule Emden / Leer) und dem DLR-Institut Systems Engineering für zukünftige Mobilität gemeinsam realisiert.

Mit der Gründung der „Fraunhofer Arbeitsgruppe Nachhaltige Maritime Mobilität“ in Leer und Bremerhaven wird unter gemeinsamer Leitung eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Fraunhofer Institut für Windenergiesysteme IWES und der Hochschule Emden/Leer aufgebaut. Im Focus steht die wissenschaftliche Erschließung der Segeltechnologie und hybrider Antriebe. Die Gesamtheit der Schiff-Wasserstraßen-Meeresumwelt-Interaktion wird in die Betrachtungen einbezogen. Das Spektrum des wissenschaftlichen Angebots reicht von der Bereitstellung interdisziplinärer Großlaboratorien und dem Bau von Prototypen im Labor- und Realmaßstab bis zu Leistungsprognosen und -validierung sowie einem Test- und Prüfwesen mit internationalem Service.

Die Teams in Leer und Bremerhaven konzentrieren sich in enger Abstimmung auf Designkonzepte und wissenschaftliche Studien für eine emissionsfreie Schifffahrt. Im experimentellen Bereich bildet das Maritime Technikum in Leer das Herzstück der Fraunhofer-Arbeitsgruppe. Die gemeinsamen methodischen Schwerpunkte liegen im Bereich der maritimen Hydro- und Aerodynamik, der Automatisierungs- und Systemtechnik und der Werkstofftechnologie. Hybride Modellkonzepte ergeben sich aus der Verschneidung leistungsfähiger Modellierung und Simulation mit Messtechnologie im Labor und auf See. Eine besondere gemeinsame Expertise liegt in der Nutzung sogenannter Crossover- und Upscaling-Effekte zwischen Segeltechnologie und klassischen Windenergiesystemen.

Quelle und Kontakt: MARIKO GmbH




Hafenbahnen könnten Verlagerungsziel erreichen

Die VDV-Arbeitsgemeinschaft Eisenbahnen öffentlicher Häfen (EöH), der Bundesverband Öffentlicher Binnenhäfen (BöB) und der Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) appelieren an die Bundesregierung, sich für das Erreichen der Klimaschutzziele verstärkt den bestehenden Engpässen bei der bundeseigenen Bahn-Infrastruktur im Zulauf der Häfen zuzuwenden und den Neu- und Ausbau der Hafenbahninfrastrukturen zu fördern. In einem gemeinsamen Positionspapier unterbreiten die Hafenbahnen konkrete Vorschläge.

Wir identifizieren uns mit dem Ziel der Verkehrswende und der damit verbundenen Umsetzung einer nachhaltigen Verkehrsverlagerung auf den Umweltverbund Wasser und Schiene. Dafür müssen wir bestehende Wachstumspotenziale heben. Wir haben daher konsequenterweise vereinbart, bei den Bahnverkehren über die Häfen einen nachhaltigen Modal-Split zu erreichen, der über dem bundesweiten Verlagerungsziel von 25 Prozent bis 2030 liegt“, so Carsten Strähle, Geschäftsführer des Hafens Stuttgart und Vorsitzender der EöH. ZDS, BöB und EöH benennen im Positionspapier 16 Handlungsfelder rund um das Thema Ausbau, Förderungen, Bürokratieabbau und gesamtheitliche Betrachtung der Hafen Logistik in Deutschland.

„Bei Häfen denkt man zunächst an Wasser und Schiffe, dabei betreiben wir hocheffiziente trimodale Logistikzentren, die die Verkehrsträger Wasser, Straße und Schiene verknüpfen. In den deutschen Häfen werden insgesamt 2.000 Kilometer Schienenstrecke befahren und bewirtschaftet – und einige Hafenbetriebe betreiben eigene, europaweit tätige Eisenbahnverkehrsunternehmen“, so ZDS-Hauptgeschäftsführer Daniel Hosseus bei der Vorstellung des Papieres. Das Schienengüterfernverkehrsnetzförderungsgesetz (SGFFG) sei dabei ein wesentliches Förderinstrument für die nachhaltige Logistik. „Keine Frage, die Gesetzesänderung des SGFFG im Juli 2021 stärkt das Schienennetz in den Häfen. Doch es herrscht Unklarheit, ob die so wichtigen Investitionen in Neu- und Ausbauten ebenfalls förderfähig sind, denn hier fehlt eine ausdrückliche Erwähnung.“ Hier sind Bund, Eisenbahn-Bundesamt und Länder aufgefordert, die Auslegung des anwendbaren Rechts klarzustellen und im zweiten Schritt die Förderung an den Bedarf anzupassen.

Das Thema Schienengüterverkehr über die Häfen müsse, das zeigt das zweite Handlungsfeld des Positionspapiers, beim Bund viel stärker auf die Agenda, wenn er seine ehrgeizigen Klimaschutzziele für den Verkehrssektor bis 2030 erreichen will. In den vorgelagerten bundeseigenen Eisenbahninfrastrukturen bestehen Engpässe, die sich nachteilig auf die Bedienung der Häfen durch die Verkehrsunternehmen auswirken und somit die Kapazität der Schiene spürbar verringern. Diese könnten nach Einschätzung der Verbände mit vergleichsweise geringem finanziellem Aufwand behoben werden. BöB-Geschäftsführer Marcel Lohbeck: „Die DB Netz AG hat für die kleinen und mittleren Maßnahmen derzeit kein passendes Finanzierungsinstrument, sie kann über Investitionen in geeignete Maßnahmen keine direkten Mehreinnahmen generieren – für die Nutzer und das Gesamtsystem sind diese aber existenziell. Der Bund ist für Deutschland die Klimaschutzziele eingegangen – darum wäre es hilfreich, wenn er die Eisenbahninfrastruktur auch an diesen Stellen ertüchtigt, um die damit verbundenen Potenziale an zusätzlichem Güterverehr auf der klimafreundlichen Schiene zu nutzen.“

Die Verbände unterstützen die möglichst schnelle und wirkungsvolle Einführung des Deutschlandtaktes. Allerdings wird hier in der aktuellen Umsetzung das Risiko gesehen, dass der Schienengüterverkehr nicht ausreichend Berücksichtigung findet: „Ziel muss es sein, mehr Verkehre über die Schiene auf dem Weg vom und zum Hafen abzuwickeln. Wenn jedoch die Güterbahnen keine gleichberechtigte Berücksichtigung bei den Taktfahrplänen im Rahmen des Deutschlandtaktes finden, wird das übergeordnete Ziel nicht erreicht werden können“, so Strähle. „Die neue Bundesregierung muss sich auch fragen lassen, warum sie den klimafreundlichen Schienengüterverkehr über die geltende Trassenpreisförderung zwar richtigerweise fördert, aber nur für bundeseigene Schienenwege und somit nicht fürs gesamte Eisenbahnnetz in Deutschland“

Das Positionspapier „Schienenpolitische Vorschläge der deutschen See- und Binnenhäfen für eine erfolgreiche Verkehrswende“ ist auf vdv.de/positionenhinterlegt. Es setzt auf dem Masterplan Schienenverkehr der Bundesregierung und dem aktuellen vom VDV in Auftrag gegebenen Gutachten zum Schienengüterverkehr in Deutschland bis 2030 von Roland Berger auf, das hierverknüpft ist.

Die 53 in der VDV-Arbeitsgemeinschaft Eisenbahn öffentlicher Häfen (EöH) organisierten See- und Binnenhäfen zählen zu den Umschlagsstärksten ihrer Branche. Laut Marktuntersuchung 2020 der Bundesnetzagentur sind mehr als 130 Hafenstandorte an das deutsche Eisenbahnnetz angebunden. Wenn man die zwei Millionen Güterwagen, die in den deutschen Häfen jährlich bewegt werden, hintereinander aufstellt, würde dieser Zug einmal um die Erde reichen. Die See- und Binnenhäfen erzeugen eine erhebliche Wertschöpfung für die deutsche Volkswirtschaft: Die direkten jährlichen Effekte der hafenabhängigen Wirtschaft belaufen sich auf über 2,8 Milliarden Euro, auf die erweiterte hafenabhängigen Wirtschaft über 9,7 Mrd. Euro und die gesamtwirtschaftliche Effekte der erweiterten hafenabhängigen Wirtschaft über 25,6 Milliarden Euro. Die Wertschöpfung der hafenabhängigen Industrie beläuft sich auf 127,7 Milliarden Euro.

Quelle: VDV, BÖB und ZDS, Foto: RheinCargo