Viele neue Auszubildende

Am 1. August begann für 25 junge Menschen ein neuer Lebensabschnitt bei der HHLA. Die sieben Frauen und 18 Männer werden in den kommenden Jahren eine praxisnahe Ausbildung in den verschiedenen Betriebsstätten und Abteilungen der HHLA und deren Tochterunternehmen im In- und Ausland absolvieren. Nicht die einzige Stadt und das einzige Unternehmen, wo es gelang, die angesichts unter anderem des Fachkräftemangels, die offenen Stellen zu besetzen.

Drei der Nachwuchskräfte werden ihre Ausbildung überwiegend bei den HHLA-Tochterunternehmen Container-Transport-Dienst (CTD), Metrans Rail Deutschland und FMH Fischmarkt Hamburg-Altona absolvieren. Insgesamt sieben junge Frauen und Männer starten bei der HHLA die technische Ausbildung zur Mechatronikerin bzw. zum Mechatroniker. Ihre Expertise wird zukünftig bei der Wartung und Instandhaltung der leistungsstarken und teils automatisierten Umschlaggeräte auf den Hamburger HHLA-Containerterminals helfen und so einen wichtigen Beitrag zum effizienten Umschlag leisten. Neben dem technischen Bereich, bildet die HHLA auch kaufmännische Berufe aus, wie zum Beispiel einen Kaufmann für Digitalisierungsmanagement. Bei den Dual Studierenden setzt die HHLA mit Studiengängen wie Technische Informatik, Elektro- und IT-Technik sowie Wirtschaftsingenieurwesen einen klaren MINT-Fokus.

Für einen erfolgreichen Start sowie zur internen Vernetzung innerhalb des Jahrgangs und mit dem Ausbilder-Team dienen die Einführungswochen. In den ersten Tagen erkunden die neuen Auszubildenden und Studierenden per Barkasse und Bus den Hafen, erhalten einen Überblick über die zahlreichen Auszubildenden- sowie Studierenden-Projekte und bekommen viele praktische Informationen etwa zur Abrechnung, Altersvorsorge oder zum Deutschlandticket. Bis Mitte August lernen sie dann bereits unterschiedliche Bereiche der HHLA kennen und gehen anschließend in die ersten praktischen Einsätze.

Am Dienstag haben acht junge Menschen ihre Ausbildung beim PORT OF KIEL begonnen. Traditionell wurden die neuen Auszubildenden am Schwedenkai willkommen geheißen und auf einer Hafentour mit der unternehmenseigenen Motorbarkasse von Führungskräften und Ausbildenden verschiedener Abteilungen in die Kieler Hafenteile und ihr neues Arbeitsumfeld eingeführt.

„Wir freuen uns, dass wir mit unseren neuen Auszubildenden fünf Ausbildungsberufe in unserer Unternehmensgruppe besetzen konnten“, sagt Karoline Wolgast, Personalleiterin der SEEHAFEN KIEL GmbH & Co. KG. Die Beurteilung von geeigneten Auszubildenden unterscheide sich mittlerweile von den traditionellen Auswahlverfahren. „Noten allein sind nicht mehr das bestimmende Maß. Bei der Wahl der Auszubildenden sind uns vor allem Begeisterung für die zukünftige Tätigkeit, Gewissenhaftigkeit und die Bereitschaft zum Lernen wichtig. Unser Ziel ist es, nicht nur die Auszubildenden erfolgreich durch die drei Jahre zu führen, sondern sie nach Abschluss als Kolleg*innen im Unternehmen zu behalten.“, so Wolgast.

In den vergangenen fünf Jahren wurden beim PORT OF KIEL insgesamt zwei Drittel der Auszubildenden erfolgreich übernommen. In Zeiten eines branchenübergreifenden Arbeitskräftemangels setzt der PORT OF KIEL bei den Auszubildenden von Beginn an auf individuelle Weiterbildungsmöglichkeiten, unternehmenseigene Vergünstigungen bei Freizeitangeboten und eine rege Unternehmenskultur, um die Nachwuchskräfte langfristig an das Unternehmen zu binden. Eine aktive Jugend- und Ausbildungsvertretung vertritt die Belange der Auszubildenden am Hafen und ermöglicht es ihnen schon früh, gestaltend im Unternehmen mitzuwirken.

In diesem Jahr beginnen Auszubildende beim PORT OF KIEL in fünf Berufsfeldern: Büromanagement, Kfz-Mechatronik, Fachkraft Schutz und Sicherheit, Fachkraft für Hafenlogistik und Kaufleute für Spedition- und Logistikdienstleistungen. Gesucht werden aktuell noch weitere Auszubildende für den Beruf der Fachkraft für Hafenlogistik. Interessierte haben die Möglichkeit ihre Bewerbung noch einzureichen. Letztmöglicher Ausbildungsstart beim PORT OF KIEL in diesem Jahr ist der 1. Oktober 2023.

69 junge Frauen und Männer startete ihre  Ausbildung bei Hapag-Lloyd in Hamburg. Einige Auszubildende erlernen traditionelle nautische Berufe, darunter 14 Schiffsmechaniker:innen und 14 Nautische Offiziersassistent:innen. Weitere 24 Auszubildende werden Landberufe wie Schifffahrtskaufmann/-frau erlernen. Darüber hinaus qualifiziert Hapag-Lloyd 17 duale Bachelor-Studierende an der Hamburg School of Business Administration und an der Nordakademie.

14 weitere Schiffsmechaniker:innen haben bereits Anfang des Jahres ihre Ausbildung begonnen und Mitte Juli ihre dreimonatige Reise an Bord der „Chicago Express“ beendet. Das 8.600 TEU Schiff ist eines von zwei Hapag-Lloyd Ausbildungsschiffen und fährt von Südeuropa zur US-Ostküste. Das Konzept dieser Gruppenreise ist einzigartig in Deutschland und prägt die professionelle Ausbildung auf See. Ab Frühjahr 2024 gehen die jungen Seeleute dann zu zweit auf große Reise an Bord eines der 250 Hapag-Lloyd Schiffe.

„Wir freuen uns sehr, die nächste Generation von maritimen Logistiktalenten und Seeleuten bei Hapag-Lloyd willkommen zu heißen“, so Donya-Florence Amer, Chief Information and Human Resources Officer von Hapag-Lloyd. „Mit unseren vielfältigen Ausbildungsangeboten – sowohl an Land als auch auf See – bieten wir den Nachwuchstalenten attraktive und langfristige Karrieremöglichkeiten in einem internationalen Umfeld.“

Mit insgesamt zwölf verschiedenen Ausbildungsgängen an Land und auf See ist Hapag-Lloyd der größte maritime Ausbildungsbetrieb in Deutschland. Die Ausbildung im Unternehmen bildet dabei die Grundlage für vielversprechende Karrieren in der Seefahrt. „Viele unserer Seeleute und Kapitäne haben ihre Karriere mit der Ausbildung auf unseren Schiffen begonnen“, sagt Dr. Maximilian Rothkopf, Chief Operating Officer. „Die Schifffahrt befindet sich in einem umfassenden Wandel und wir können unseren Auszubildenden eine spannende Zukunft an Bord und an Land bieten.“ Die Perspektiven für eine Weiterbeschäftigung nach Abschluss der Ausbildung sind hervorragend: Der überwiegende Teil der Absolventen wird nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung übernommen.

In den vier Niedersachen Ports Niederlassungen Emden, Cuxhaven, Brake und Wilhelmshaven haben insgesamt 15 Auszubildende den ersten Schritt in einen neuen Lebensabschnitt gewagt.
Insgesamt sieben Ausbildungsberufe können bei Niedersachsen Ports erlernt werden. Neu hinzugekommen sind dieses Jahr die Ausbildungen als Kaufleute für Immobilien am Standort Wilhelmshaven sowie als Fachkraft für Metalltechnik in Brake.
Holger Banik, Geschäftsführer der Niedersachsen Ports GmbH & Co. KG sowie der JadeWeserPort Realisierungs GmbH & Co. KG heißt die neuen Kolleginnen und Kollegen herzlich willkommen: „Wir freuen uns, dass sich erneut so viele junge Menschen für eine Ausbildung in unseren Häfen entschieden haben. NPorts überzeugt seit Jahren mit einer qualitativ hochwertigen Ausbildung mit Einsatzmöglichkeit direkt vor Ort im Hafen.“

Neu ist dieses Jahr, dass die gewerblichen Auszubildenden an einem Austauschprogramm teilnehmen können. Für zwei Wochen wird zwischen den Niederlassung Emden und Norden sowie Brake und Cuxhaven getauscht. Der Vorteil für die Auszubildenden liegt auf der Hand: Sie können neue spannende Eindrücke an einem anderen Standort sammeln und Einblick in ein anderes Tätigkeitsfeld bekommen. Zudem nimmt NPorts seit 2017 am Energie-Scouts Programm der IHK Oldenburg teil. Insgesamt 20 Auszubildenden haben bislang für NPorts interessante Projekte umgesetzt und sich zu Energie Scouts ausbilden lassen.

Brake
Dieses Jahr konnte NPorts vier junge Menschen für eine Ausbildung im Braker Hafen gewinnen. Zwei Auszubildende starten als Elektroniker/in für Betriebstechnik und zwei Auszubildende als Fachkraft für Metalltechnik, Fachrichtung Montagetechnik.
NPorts erweitert am Weser-Standort mit diesem zweijährigen Ausbildungsweg das Angebot für junge Menschen, die schnell einen qualifizierten Berufseinstieg suchen. Nach Abschluss der Ausbildung besteht die Möglichkeit, eine einjährige Ausbildung zum Industriemechaniker in einem anderen Ausbildungsbetrieb anzuschließen und weiterführende Qualifikationen zu erwerben.

Cuxhaven
In Cuxhaven starten zwei Auszubildende in die gewerblichen Berufe Elektroniker/in für Energie- und Gebäudetechnik und Metallbauer/in Fachrichtung Konstruktionstechnik. Passend dazu wird in diesem Monat das neue Betriebsgebäude im Hafen fertiggestellt, in dem künftig alle Fachbereiche gemeinsam untergebracht sind – ein absoluter Mehrwert für alle Auszubildenden, die so vom Erfahrungsschatz vieler profitieren können.

Emden
In Emden gibt es mit sieben Azubis die größte Welle an Neulingen: Gleich vier angehende Industriemechaniker mit der Fachrichtung Instandhaltung und zwei angehende Elektroniker für Betriebstechnik beginnen ihre Ausbildung. Und auch die Stelle als Kauffrau für Büromanagement konnte dieses Jahr wieder erfolgreich besetzt werden.

Wilhelmshaven
In Wilhelmshaven wurden zwei angehende Kaufleute gesucht und gefunden – zum einen für das Büromanagement, zum anderen für den Bereich Immobilien, der erstmalig in Wilhelmshaven angeboten wird. Gebraucht wird es allemal – Grundstücks-, Bau- und Mietrecht sind relevante Themen in den niedersächsischen Häfen.

Quelle: HHLA, Port of Kiel, Hapag-Lloyd, Niedersachsen Ports, Foto: HHLA / Susanne Schmitt




Rotterdam schleppt falsch vertäute Schubleichter ab

In Rotterdam ist eine Abschleppregelung für nicht ordnungsgemäß vertäute und verankerte Schubleichter eingeführt worden. Zu diesem Zweck hat Port of Rotterdam Authority auch die Allgemeinen Geschäftsbedingungen geändert. Die Zusatzkosten für „Falschparker“ sind beachtlich.

Schon seit mehreren Jahren werden verschiedene Parteien durch falsch vertäute und verankerte Schubleichter behindert. Die relativ geringen Kosten (circa € 150), die durch ein Bußgeldverfahren für den Betreiber des Schubleichters anfallen, sind viel niedriger als die Kosten für das Verholen seines Leichters.

Diese vorschriftswidrig vertäuten und verankerten Schubleichter behindern regelmäßig Seeschiffe, die deshalb ihre Liegeplätze nicht erreichen können. So entstehen unnötige Wartekosten, sowohl für die Seeschiffe als auch für die Anbieter nautischer Dienstleistungen. Außerdem ergibt sich dadurch ein zusätzliches Sicherheitsrisiko für Schiffe, die tideabhängig sind und nicht auslaufen können, weil die Leichter im Weg liegen. Wartezeiten und Staus verzögern auch Zeitplanungen, was wiederum viele andere Seeschiffe beeinträchtigen kann.

Nach der Änderung der Allgemeinen Geschäftsbedingungen hat Port of Rotterdam Authority nun das Recht, ein Schiff jederzeit zu entfernen. Alle Kosten und Schäden, die Port of Rotterdam Authority im Zusammenhang mit dem Abschleppen entstehen, müssen vom Betreiber des Schubleichters bezahlt werden, zuzüglich eines Zuschlags von 15 % der Kosten, mindestens jedoch € 5.000.

Im Hafen von Rotterdam gibt es insgesamt 316 Liegeplätze für Schubleichter.

Quelle. pot of Rotterdam, Foto Ries van Wendel de Joode, Schubleichter Waalhaven Zuidzijde. 




Modal 3 fährt von Rotterdam nach Magdeburg

Seit diesem Monat bietet Modal 3 zweimal wöchentlich eine direkte Containerzugverbindung von Rotterdam nach Magdeburg an. Es ist die erste direkte Containerzugverbindung des deutschen Logistikunternehmens ab Rotterdam.

„Die Nachfrage unserer Kunden nach dieser Verbindung ist gestiegen“, erklärt Mats Lüer, Geschäftsführer von Modal 3 Logistik. „Hinzu kommt, dass es noch keine direkten Bahnverbindungen zwischen Rotterdam und diesem Teil Deutschlands gibt. Auch die kurze Transitzeit von 24 Stunden trägt dazu bei, dass bereits heute eine große Nachfrage aus dem Bereich Fast Moving, aber auch aus der Automobil- und Technologiebranche besteht. Das hat auch damit zu tun, dass es gute Anschlüsse zum Beispiel nach Berlin und Leipzig gibt.“

Der Containerzug verlässt Rotterdam sonntags und mittwochs und erreicht Magdeburg montags beziehungsweise donnerstags. In Rotterdam können alle Containerterminals auf der Maasvlakte bedient werden. Sowohl in Magdeburg als auch in Rotterdam werden auch Transporte auf der ersten und letzten Meile angeboten, unter anderem durch den eigenen Transportdienst von Modal 3 in Deutschland.

Bahnbetreiber ist Raillogix, das die hauseigene Güterbahn Rail Force One und die Waggons von Railrelease einsetzt. Alle diese Unternehmen sind Teil der Rail Innovators Group, einem Projektpartner.

„Wir gehen davon aus, dass der Fahrplan in den nächsten Monaten auf drei Hin- und Rückfahrten pro Woche ausgeweitet wird“, so Lüer weiter. „Viele Kunden schätzen die Schnelligkeit und Zuverlässigkeit des Schienenverkehrs. Aber auch die Tatsache, dass der Schienentransport auf diesen langen Strecken deutlich nachhaltiger ist als der Straßentransport, spielt eine immer größere Rolle.“

Eine Analyse von Routescanner zeigt, dass auf dieser Strecke jeder 96-TEU-Zug, der einmal pro Woche hin und zurück fährt, im Vergleich zum Lkw-Transport jährlich über 3 Millionen Kilogramm CO2-Emissionen einspart.

„Wir freuen uns über diese neue Bahnverbindung ab Rotterdam“, so Hans Nagtegaal, Direktor Container bei der Port of Rotterdam Authority. „Damit wird nicht nur eine neue Bahnverbindung in eine deutsche Region geschaffen. Das bedeutet auch weniger Lastwagen auf den niederländischen und deutschen Autobahnen und damit ein geringeres Stau- und Unfallrisiko.“

Sind Sie an dieser neuen Containerzugverbindung interessiert und bereit, die ersten Container zu buchen? Besuchen Sie Routescanner.com oder wenden Sie sich direkt an Modal 3 Logistik.

Quelle: Port of Rotterdam, Foto: Rob Dammers




Universelle Authentifizierungs-App

Das Hamburger Softwarehaus DAKOSY hat eine universell einsetzbare Authentifizierungs-App mit dem Namen ImpalaID für die Logistik entwickelt. Das System steht allen Unternehmen und Institutionen gleichermaßen offen und ermöglicht den Teilnehmern eine barrierefreie und sichere Legitimierung über einen geschützten QR-Code. Im Hamburger Hafen startet jetzt der Pilotbetrieb. Die ersten Teilnehmer sind das Leercontainerdepot Hamburger Container Service (HCS) sowie das Veterinär- und Einfuhramt.

„Die neue App ImpalaID schließt eine große Lücke bei der sicheren und einheitlichen Authentifizierung an den verschiedenen logistischen Knotenpunkten, beispielsweise an Schranken- oder Gate-Systemen im Hafengebiet“, erklärt Nicolai Port, Leiter Verkehrsträger bei DAKOSY. So hätten beispielsweise Fuhrunternehmer perspektivisch die Möglichkeit, sich über nur eine App bei verschiedenen Akteuren wie Terminals, Depots oder zum Slotbuchungsverfahren anzumelden.

Technisch handelt es sich bei ImpalaID um ein zentrales Identity Provider System (IDP-System) für die Logistik. Das bedeutet, der Nutzer (beispielsweise ein Fahrer) kann auf dem IDP-System eine zentrale ID anlegen, mit der er sich bei unterschiedlichsten IDP-Services (Terminals, Apps, Webanwendungen) anmelden und authentifizieren kann. Die erstmalige Registrierung erfolgt online. Dabei lassen sich je nach Anforderung unterschiedliche Authentifizierungslevel hinterlegen (z.B. Art und Anzahl der zu prüfenden Ausweisdokumente), die in regelmäßigen Abständen erneut verifiziert werden.

Die Teilnehmer erhalten nach erfolgreicher Legitimation einen gesicherten QR-Code in der ImpalaID-App, mit dem sie ihre Nutzerinformationen bei den verschiedenen Anwendungen kommunizieren können. „Ein Schwerpunkt bei der Software-Programmierung lag auf der Datensicherheit. Diese gewährleisten wir durch ein sicheres Authentifizierungsverfahren, das darauf ausgelegt ist, die Identität in regelmäßigen Abständen zu verifizieren. Außerdem sind die App und damit die elektronische ID an mobile Endgeräte (ggf. biometrisch gesichert) gekoppelt. Das verhindert eine einfache Weitergabe der Daten an Dritte“, ordnet Port ein.

Die ersten beiden Pilotanwender, das Leercontainerdepot HCS und das Veterinär- und Einfuhramt, verfolgen mit der Nutzung der App ähnliche Ziele. Beide streben an, dass künftig jeder Fahrer vorangemeldet und registriert sein wird. Dies ist bisher nicht möglich. Denn nicht alle Lkw-Fahrer können den heute im Hafen Hamburg geläufigen physischen Legitimationsausweis (Truckerkarte) nutzen.

Bei HCS – mit etwa 200.000 Gatebewegungen jährlich und bis zu 1.000 Lkw-Abfertigungen täglich – treffen nach Schätzungen des Eigentümers Dr. Roland Karnbach etwa 10 Prozent der Fahrer ohne Registrierung und damit ohne Voranmeldung ein. „Einige der Trucker, die Leercontainertransporte zwischen den Depots und dem Hinterland übernehmen, verfügen über keine Truckerkarte. An dem bisherigen Verfahren können nur Fuhrunternehmer teilnehmen, welche auch die Hamburger Containerterminals anfahren“, berichtet Karnbach.

HCS implementiert aktuell die digitale Authentifizierung mit der ImpalaID-App als Alternative zu der Truckerkarte. So können sich die Lkw-Fahrer über die Truckgate-Webanwendung künftig auch via ImpalaID voranmelden und sich anschließend mit dem QR-Code im HCS-Depot für die Abholung oder das Bringen von Leercontainern legitimieren. Überzeugt haben Karnbach die einfache und schnelle Ausgabe von Identifikationen verbunden mit dem hohen Schutz gegen Datenmissbrauch. „Im Zuge der zunehmenden Digitalisierung gepaart mit den hohen Sicherheitsanforderungen im Seefrachtgeschäft brauchen wir eine einheitliche Identifikation im gesamten Hafenumfeld“, so Karnbachs Überzeugung.

Das Veterinär- und Einfuhramt möchte ImpalaID für das eingesetzte Lkw-Slotbuchungsverfahren testen, das ebenfalls über die Truckgate -Webanwendung läuft. Zum Hintergrund: Seit 2019 können Lkw-Fahrer mit containerisierter Fracht online Zeitfenster für die Beschau an den zwei Kontrollzentren im Hamburger Hafen buchen. Eine wichtige Teilgruppe bleibt dabei unberücksichtigt. Das sind die nicht containerisierten Waren. Die Leiterin des Veterinär- und Einfuhramtes in Hamburg Dr. Bettina Gerulat beschreibt die aktuelle Situation: „Fahrer mit nicht containerisierter Ware kommen ohne Vorankündigung bei den Kontrollzentren an. Das führt gerade angesichts der in diesem Segment steigenden Mengen zu Mehrarbeit und Wartezeiten.“

Durch die neue Möglichkeit der digitalen Authentifizierung mit ImpalaID soll für alle Anlieferer ein Zeitfenster im Voraus buchbar werden. Dazu wird in der Truckgate-Webanwendung neben der Truckerkarte ein zweiter Login mit ImpalaID bereitgestellt. Das Ziel ist laut Gerulat, dass keine unangemeldeten Waren mehr bei den Veterinärämtern eintreffen. Zu den erwarteten Vorteilen zählt sie die vollständige Bereitstellung der verfügbaren täglichen Prüfkapazität über buchbare Zeitfenster, keine Ressourcenbindung für ungeplante Anlieferungen und die Vermeidung von Wartezeiten.

Quelle: DAKOSY, Foto: HCS




Baltic Rail Gate wird massiv ausgebaut

Die Lübecker Hafen-Gesellschaft (LHG) baut das Intermodalterminal von Baltic Rail Gate (BRG) am Skandinavienkai kräftig aus. Bis zum Spätsommer 2024 wird sich die Kapazität deutlich erweitern. Der Bund fördert das Investitionsvorhaben zu 80 Prozent.

„Damit beseitigen wir die in Spitzenzeiten immer wieder bei BRG aufgetretenen Kapazitätsengpässe“, erklärt LHG-Geschäftsführer Sebastian Jürgens, „und stellen uns im kombinierten Verkehr zukunftssicher auf. Für neue Verkehre ist jetzt der Weg frei.“ Die maximale Umschlagkapazität liegt derzeit bei 140.000 Ladungseinheiten jährlich. „Nach dem Ausbau werden wir hier mit 240.000 Einheiten den Umschlag massiv erweitern können“, kündigt Jürgens an. BRG betreibt schon jetzt ein bedeutendes Intermodalterminals für nachhaltige Verkehre im Ostseeraum. Verknüpft mit den wöchentlich rund 90 seeseitigen RoRo-Abfahrten an den Terminals der LHG bildet es ein wichtiges Bindeglied zwischen den Industriezentren Süd- und Westeuropas und den nordischen Ländern. „Mit dem Kapazitätsausbau können wir die Wettbewerbsfähigkeit Lübecks als Drehscheibe für Verkehre auf der Schiene, Straße und dem Wasserweg deutlich stärken. Die Nachfrage im Markt ist da“, so Antje Falk, Geschäftsführerin von Baltic RailGate.

Das sieht auch das Bundesverkehrsministerium so: Es unterstützt und fördert die Verlagerung von Gütertransporten von der Straße auf die umweltfreundlichen Verkehrsträger Schiene und Wasserstraße. Dazu hat das Ministerium eine entsprechende Richtlinie erlassen. Im Rahmen dieser Richtline fördert das Eisenbahn-Bundesamt den Ausbau der Anlage zu knapp 80 Prozent aus öffentlichen Mitteln.

Derzeit verfügt die Anlage über sechs Gleise mit einer Länge von jeweils 600 Metern und zwei Krane. „Mit dem Ausbau verlängern wir alle Gleise auf 720 Meter nutzbare Gleislänge“, kündigt Christoph Adam, Bereichsleiter Anlagen und Geräte bei der LHG, an. „Damit passen wir das Terminal an die in Europa gängigen Zuglängen an und können so zeitaufwändige Rangierarbeiten vermeiden.“ Auf dem Bauplan stehen außerdem ein dritter Kran und ein neues Betriebsgebäude. Die Kranbahnen und die Kabeltrommeln für die Stromversorgung der beiden bestehenden Krane werden ebenfalls verlängert, so dass sie künftig die gesamten Gleislängen bearbeiten können.

Für die Umfuhr der Trailer auf dem Umschlaggelände schafft die LHG drei neue elektrische Zugmaschinen, so genannte Tugmaster, an. „Zudem bereiten wir jetzt schon alles vor, um zukunftssicher vom teil- auf den vollautomatischen Betrieb der Krane umzustellen“, kündigt Adam an. Noch im Spätsommer dieses Jahres sollen die ersten Gleis- und Tiefbauarbeiten beginnen. Nennenswert einschränken werden sie den laufenden Betrieb nicht. Der Großteil der Aus- und Neubauarbeiten soll im Spätsommer 2024 abgeschlossen sein.

Quelle und Foto: Lübecker Hafen-Gesellschaft mbH




bremenports diskutiert Nachhaltigkeitsthemen

Im September wird in Bremerhaven mit der ENVOCONNECT ein neues Kapitel in der Nachhaltigkeitskommunikation aufgeschlagen

Mit diesem neuen Kongressformat will die Hafenmanagementgesellschaft bremenports das Nachhaltigkeitsprofil der Bremischen Häfen weiter schärfen und zu einem nationalen Austausch zu Fragen von Umwelt- und Klimaschutz beitragen. Die ENVOCONNECT wirbt mit einem hochkarätigen Konferenzprogramm und will so die Akteure im Bereich Häfen und Logistik im deutschsprachigen Raum ansprechen. Zielgruppe sind  hafennahe Branchen wie Umschlagunternehmen, globale Logistiker, mittelständische Betriebe, Start-ups, NGOs und Forschungseinrichtungen.

bremenports-Geschäftsführer Robert Howe: „Die Bremischen Häfen stehen seit Jahren für Nachhaltigkeit, Klimaschutz und hervorragende Naturschutzprojekte. Mit der ENVOCONNECT wollen wir weitere Impulse setzen und eine Plattform schaffen, auf der sich Wissenschaft und der Wirtschaft begegnen, um gemeinsam Strategien zu diskutieren, mit denen die vielfältigen aktuellen Herausforderungen gemeistert werden können.“ Ziel ist es, das neue Veranstaltungsformat zu einem zentralen Branchentreff zu entwickeln und so einen wichtigen Beitrag für Kooperation in der Klimakrise zu leisten.

Zum Start in diesem Jahr stehen die Energiewende im Hafen, Klimaschutz und Klimaanpassung in der Infrastruktur im Mittelpunkt. In den verschiedenen ENVOCONNECT-Formaten: Keynotes, Best Cases, Panels und Sessions, werden Persönlichkeiten Denkanstöße geben, die berühren, inspirieren und den Horizont erweitern.

Eröffnet wird die Veranstaltung von der Senatorin für Wirtschaft, Häfen und Transformation, Kristina Vogt. Die Staatsministerin für Bund-Länder-Beziehungen und Leiterin des Staatssekretärsausschusses für nachhaltige Entwicklung im Bundeskanzleramt, Sara Ryglewski wird mit einem Impulsvortrag aus nationaler Sicht auf die breite Themenpalette blicken.

Dr. Kira Vinke, Leiterin des Zentrums für Klima und Außenpolitik der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, Wissenschaftlerin am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Co-Vorsitzende des Beirats der Bundesregierung „Zivile Krisenprävention und Friedensförderung“ und Uli Meyer-Johanssen, Mitglied der Deutschen Gesellschaft ‚Club of Rome‘ und Expertin für Visions- und Transformationsprozesse sowie strategische Markenführung sind nur zwei Highlights der ENVOCONNECT unter dem diesjährigen Titel ‚green focus on ports‘.

Die Veranstaltung findet am 21. und 22. September im Kongresszentrum des ATLANTIC Hotel Sail City in Bremerhaven statt und wird durch eine Abendveranstaltung am 21. September im Klimahaus Bremerhaven abgerundet.

Weitere Informationen sowie die Möglichkeit zur Registrierung gibt es unter www.envoconnect.com

Quelle und Grafik: bremenports

 




HHLA: Digitale Lösung ersetzt Truckerkarte

Die Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) testet ab diesem Monat eine digitale Lösung, welche die Zufahrt für Trucker zu den Hamburger Containerterminals effizienter und sicherer macht. Die App passify wird die bisherige Lkw-Abfertigung mit der Truckerkarte ablösen. Entwickelt wurde das Produkt von HHLA Next, der Innovationseinheit der HHLA.


HHLA-Vorstandsmitglied Jens Hansen: „Mit passify erzielen wir einen erheblichen Zugewinn an Sicherheit und steigern die Effizienz auf unseren Anlagen in Hamburg. Wir sind dabei, die Terminalabfertigung so weit zu digitalisieren, dass unsere Anlagen ein Vorbild in Sachen digitale Terminals werden. Mit solchen Projekten setzt die HHLA ihren Anspruch um, Innovationstreiber in der Logistik zu sein.“

Die passify-App revolutioniert die Lkw-Abfertigung zunächst an den Hamburger Terminals der HHLA, indem sie einerseits die Sicherheit der Lkw-Zufahrt erhöht und andererseits die Abfertigung für die Lkw-Fahrer vereinfacht. Zukünftig sollen die mehr als 6.000 Trucker, die täglich die Container zu den Hamburger HHLA-Terminals bringen oder sie dort abholen, auf ihrem Smartphone über passify Zugriff auf alle nötigen Informationen erhalten. Die Smartphone-App ist vollständig in die Terminalabläufe integriert und digitalisiert die Gate-Prozesse. Das System begleitet Lkw-Fahrer durch die gesamte Abfertigung und vereinfacht damit den Ablauf. Außerdem bietet passify den Fahrern perspektivisch ein mobiles Selbstbedienungsterminal in einer zentralen App.

Weil jeder Fahrer sich mithilfe von passify eindeutig identifiziert, steigt auch die Sicherheit an den Zugängen der Anlagen. Gleichzeitig vereinfachen sich die Gate-Prozesse, da nur authentifizierte Lkw-Fahrer Zugang erhalten. passify gewährleistet die Standards in Bezug auf Sicherheit und Datenschutz und erfüllt alle Vorgaben des weltweit gültigen ISPS-Codes.

Noch in diesem Jahr wird die HHLA an ihren Hamburger Standorten beginnen, die herkömmliche Truckerkarte aus Plastik schrittweise durch passify abzulösen. Bereits ab Juli wird die Smartphone-App getestet und dann schrittweise an allen Hamburger HHLA-Standorten eingeführt.

Sukzessive erhalten dann auch alle Fuhrunternehmen Zugang zu passify. Sie werden bei der Transformation von der Truckerkarte zu passify aktiv begleitet. Dabei wird auch erklärt, wie sich die Fahrer selbst für die Nutzung in der Smartphone-App registrieren und verifizieren können. Nach erfolgreicher Einführung an den Hamburger HHLA-Terminals werden auch weitere Terminalbetreiber das praktische digitale Tool an ihren Gates nutzen können. Perspektivisch ist vorgesehen, passify auch für weitere Akteure im Hafen zu etablieren.

Quelle: HHLA, Foto: HHLA/Thies Rätzke, Lkw am Gate des Container Terminal Burchardkai




Umschlag sinkt auch im Rotterdamer Hafen

Der Gesamtumschlag im Rotterdamer Hafen lag im ersten Halbjahr 5,5 % niedriger (220,7 Mio. Tonnen) als im selben Zeitraum 2022 (233,5 Mio. Tonnen). Der Rückgang wurde vor allem beim Umschlag von Kohle, Containern und anderem trockenem Massengut (Rohstoffe) verzeichnet. Der Umschlag in den Segmenten Agrarmassengüter, Eisenerz und Schrott sowie Flüssiggas (LNG) stieg dagegen an. In der ersten Jahreshälfte wurden die Verträge über die Erweiterung der Containerterminals im Prinses Amaliahaven unterzeichnet. Von dieser Erweiterung wird mittelfristig ein Containerumschlag von rund 4 Mio. TEU (Standardmaß für Container) erwartet. Dank ihrer soliden Finanzergebnisse ist die Port of Rotterdam Authority in der Lage, weitere Investitionen in die Energiewende und die Erreichbarkeit des Hafens zu tätigen.

Boudewijn Siemons, CEO a. i. und COO der Port of Rotterdam Authority: „Trotz der ungewissen Wirtschaftslage und der geopolitischen Spannungen wurden im ersten Halbjahr große Fortschritte bei der Anlage und Vergabe neuer Grundstücke und Kaimauern erzielt, wodurch Raum für unter anderem die Produktion und den Import von grünem Wasserstoff und zusätzliche Kapazitäten im Containersegment entstanden. Die Vergabe der Grundstücke im Prinses Amaliahaven an APM Terminals und RWG war ein wichtiger Schritt. Wir wollen unseren Kunden frühzeitig den benötigten Raum und die Einrichtungen bieten, die es ihnen ermöglichen, auf nachhaltige Weise unternehmerisch tätig zu bleiben und zu expandieren.“

Im ersten Halbjahr 2023 erzielte die Port of Rotterdam Authority solide finanzielle Ergebnisse. Die Erträge, die hauptsächlich mit Seehafengebühren und Miet- und Erbpachterträgen erwirtschaftet werden, stiegen seit dem ersten Halbjahr 2022 um 4,3 Mio. € auf 416,5 Mio. € an. Die betrieblichen Aufwendungen erhöhten sich um 10,2 Mio. € auf 134,6 Mio. €. Damit ging das Ergebnis vor Steuern, Zinsen, Abschreibungen und Wertminderungen um 5,9 Mio. € auf 281,9 Mio. € zurück. Das Nettoergebnis verringerte sich um 26,1 Mio. € auf 116,5 Mio. €, was durch zwei einmalige Posten verursacht wurde. Im ersten Halbjahr wurden eine Abwertung erworbener Stickstoffemissionsrechte (8,0 Mio. €) und eine Bürgschaftsprovision Porthos (7,3 Mio. €) erfasst, wodurch das Ergebnis aus Beteiligungen negativ ausfiel. Die Bruttoinvestitionen im ersten Halbjahr 2023 beliefen sich auf 135,7 Mio. € einschließlich Kapitaleinzahlungen in Beteiligungen (erstes Halbjahr 2022: 117,1 Mio. €). Die wichtigste Investition im ersten Halbjahr 2023 war der Bau der Kaimauer im Amaliahaven (38,3 Mio. €).

Im Gütersegment trockenes Massengut wurde in der ersten Jahreshälfte ein Rückgang um 11,7 % verzeichnet. Beim Umschlag von Kohle kam es zu einem Rückgang um 14,5 % auf 12,4 Mio. Tonnen. Dies war vor allem eine Folge der geringeren Nachfrage nach Energiekohle für die Stromerzeugung. Sowohl in den Niederlanden als auch in Deutschland, dem wichtigsten Abnehmer von Kohle, wurde im vergangenen Halbjahr verstärkt von erneuerbaren Energieträgern wie Wind und Sonne Gebrauch gemacht. Der Umschlag im Segment Eisenerz und Schrott stieg trotz der geringen Eisenerz-Nachfrage der Stahlwerke im Hinterland von Rotterdam um 8,9 % auf 13,0 Mio. Tonnen an. Die Schrottexporte erhöhten sich ebenfalls. Schrott wird vor allem in die Türkei exportiert, wo die Stahlproduktion nach dem Erdbeben im Februar schnell wieder in Gang gesetzt wurde. Der auffallende Rückgang von 62,8 % im Segment sonstiges trockenes Massengut hängt mit dem Anstieg um 54,6 % im Segment Agrarmassengüter zusammen. Ursache war die Berichtigung einer fehlerhaften Erfassung im System für Seehafengebühren im Jahr 2022. Ohne diese fehlerhafte Erfassung wird im Segment Agrarmassengüter ein Anstieg von 8,5% verzeichnet. Dies ist vor allem auf ein Wachstum bei den Ölsaaten aus Südamerika zurückzuführen. Im Segment sonstiges trockenes Massengut bleibt es auch nach der Berichtigung bei einem Rückgang. Dies ist insbesondere eine Folge des Rückgangs der energieintensiven Produktion, etwa von Stahl und Aluminium, aufgrund der hohen Energiepreise.

Im ersten Halbjahr wurde 0,6 % weniger flüssiges Massengut umgeschlagen. Beim Rohöl betrug der Umschlag 51,8 Mio. Tonnen, was einem Rückgang von 1,4 % entspricht. Die Lieferungen von russischem Öl wurden inzwischen vollständig durch Rohöl aus den USA, Norwegen, Westafrika und dem Nahen Osten ersetzt. Der Umschlag der Mineralölprodukte ging in der ersten Jahreshälfte um 1,9 % auf 27,3 Mio. Tonnen zurück. Beim LNG-Umschlag dagegen wurde im selben Zeitraum ein weiterer Anstieg um 9,8 % auf 5,9 Mio. Tonnen verzeichnet. LNG wird hauptsächlich (62 %) aus den USA eingeführt.

Der Containerumschlag reduzierte sich im ersten Halbjahr um 9,3 % auf 64,4 Mio. Tonnen und um 8,1 % auf 6,7 Mio. TEU. Dieser Rückgang hatte zwei Hauptursachen: den Wegfall von Volumen aus und nach Russland und den geringeren Import aus Asien. Die Zuverlässigkeit der Fahrpläne der Containerschiffe hat sich im ersten Halbjahr jedoch weiter verbessert. Dadurch verlief auch die Abfertigung der Volumen im Hafen und zum Weitertransport ins Hinterland effizienter. Der Roll-on/Roll-off-Verkehr (RoRo) ging um 3,2 % auf 13,3 Mio. Tonnen zurück. Außer mit einer sinkenden Nachfrage infolge der hohen Inflation und der aufgebauten Vorräte sieht sich das RoRo-Segment auch mit einer schwachen britischen Wirtschaft konfrontiert. Das Segment sonstiges Stückgut verzeichnete einen Rückgang um 11,5 % auf 3,4 Mio. Tonnen. Der Hauptgrund dafür war, dass viele Stückgutfrachten angesichts der geringen Containertarife wieder in Containern befördert werden.

In der ersten Jahreshälfte wurden auf dem Gebiet der Digitalisierung gute Fortschritte verzeichnet. Nach einer intensiven Pilotphase wurde Nextlogic im Januar 2023 offiziell in Gebrauch genommen. Dieses integrierte Planungstool soll die Abfertigung der Binnenschiffe im Hafen beschleunigen und den Terminals eine optimale Nutzung ihrer Kais ermöglichen. Nextlogic erwartet, dass nach dem Anschluss weiterer Binnenschiffsbetreiber im Laufe des Jahres 2023 über 90 % des Binnenschifffahrtsvolumens an den Deepsea-Terminals über das integrierte Planungstool abgewickelt wird.

Im Juni dieses Jahres wurde auch Distro Energy eingeführt, eine vollautomatisierte Handelsplattform, auf der die Unternehmen untereinander vor Ort mit selbst erzeugter Energie handeln und deren Verbrauch optimieren können. Die Plattform trägt zur Energiewende bei, indem sie ein neues Marktmodell für das lokale Angebot nachhaltiger Energie zu günstigeren Preisen bietet. Dadurch wird einerseits auf lokaler Ebene mehr erneuerbarer Strom verbraucht, was zur Reduzierung von Netzengpässen beiträgt, während zugleich die Kosten der Abnehmer sinken und die Akteure, die erneuerbare Energie erzeugen und/oder speichern, eine bessere Rendite erzielen.

Nach vielen Jahren der Vorbereitung ist die Energiewende auf breiter Ebene in Gang gekommen. Momentan laufen rund 70 Projekte in verschiedenen Phasen, wodurch die Energiewende immer mehr Gestalt annimmt. Grüner Wasserstoff spielt im neuen CO2-neutralen Hafen und der Wirtschaft eine zentrale Rolle. Um die Klimaziele zu erreichen, arbeitet die Port of Rotterdam Authority an einer Reihe konkreter Projekte über die gesamte Kette von Produktion, Infrastruktur, Transport, Import und Nutzung. Für den umfangreichen Import von grünem Wasserstoff wurden dieses Jahr Kooperationsvereinbarungen u. a. mit Partnern in Brasilien, Spanien und Namibia unterzeichnet. Für die Produktion von grünem Wasserstoff werden im Hafenerweiterungsgebiet 2. Maasvlakte zwei Konversionsparks realisiert. Mehrere Unternehmen haben Pläne, hier Fabriken für grünen Wasserstoff mit einer Kapazität von jeweils 200 bis 250 MW zu errichten. Shell hat bereits mit dem Bau der ersten Wasserstofffabrik begonnen. Alle Grundstücke im ersten Konversionspark wurden bereits vergeben. An anderer Stelle auf der Maasvlakte wird nun Raum für einen neuen Elektrolyse-Cluster geschaffen. Im April 2023 wurde hier ein 11 ha großes Gelände reserviert, auf dem der Bieter, der in der Ausschreibung für den Windpark IJmuiden Ver, Teilfläche Beta, den Zuschlag erhält, einen Wasserstofffabrik mit einer Kapazität bis zu 1 GW errichten kann. Die Port of Rotterdam Authority strebt bis 2030 eine Elektrolysekapazität von 2 bis 2,5 GW an; in den gesamten Niederlanden sollen bis 2030 nach den Plänen der Regierung 4 GW realisiert werden. Die Gasunie hat im Juni den Investitionsbeschluss für den ersten Teil eines nationalen Wasserstoffnetzwerks von der Maasvlakte 2 nach Pernis getroffen. Die Arbeiten beginnen im Sommer. Das Wasserstoffnetzwerk wird ab 2030 die großen Industriegebiete in den Niederlanden und den Nachbarländern, wie Deutschland und Belgien, miteinander verbinden. Das niederländische Unternehmen Sif wird seine Fabrik für Monopile-Fundamente auf der 2. Maasvlakte erweitern. Die ersten Produktionstätigkeiten sind für die zweite Jahreshälfte 2024 geplant. Auf dem Gebiet des Landstroms wurden im letzten Halbjahr ebenfalls gute Fortschritte erzielt. Das Projekt für die Landstrominstallation für Kreuzfahrtschiffe wurde im Juni in Angriff genommen; ab Ende 2024 sollen die ersten Kreuzfahrtschiffe in Rotterdam ihren Strom beziehen. Auch die Ökologisierung der Binnenschifffahrt erhielt durch weitere Investitionen in das Unternehmen Zero Emission Services (ZES), das sich mit der Elektrifizierung der Binnenschifffahrt befasst, sowie durch den Start des Projekts Condor H2 neue Impulse. Condor H2 wird Wasserstoffspeicher und Brennstoffzellen mit einem Akkupack nach dem Pay-per-Use-Modell zur Verfügung stellen, damit Eigentümer ihre Schiffe mit begrenzten Vorabinvestitionen emissionsfrei machen können. Dank dieser Zusammenarbeit mit der Port of Rotterdam Authority, der Provinz Südholland und mehr als 40 weiteren Partnern sollen ab 2030 fünfzig emissionsfreie Schiffe in Betrieb sein.

Für das gesamte Jahr erwarten wir angesichts der Ungewissheiten, die durch die aktuelle geopolitische Lage und die hohe Inflation entstanden sind, einen geringfügigen Rückgang des Umschlagvolumens. Das begrenzte Wachstum der niederländischen Wirtschaft und Rezessionen im Ausland führen zu sinkenden Welthandelsvolumen und einer geringeren industriellen Produktion. Für das CO2-Transport- und -Speicherprojekt Porthos erwartet der Staatsrat, nach dem Sommer in der Frage entscheiden zu können, ob die Umweltprüfung ausreichend nachweist, dass die vorübergehende Stickstoffdeposition von Porthos keine erheblichen Auswirkungen auf geschützte Naturgebiete hat. Die Vorbereitungen für das Projekt gingen unterdessen weiter. Sobald die Genehmigungen unwiderruflich sind, wird Porthos den endgültigen Investitionsbeschluss treffen.

Da die niederländische Regierung nur noch geschäftsführend im Amt ist, ist zu erwarten, dass der Fortschritt bei wichtigen Themen, beispielsweise Klima und Stickstoff, für lange Zeit zum Erliegen kommt. Die Port of Rotterdam Authority kann und will einen wesentlichen Beitrag zur Realisierung der niederländischen Klimaziele leisten. Dafür müssen hohe Investitionen in die Infrastruktur über viele Jahre hinweg ermöglicht werden. Außerdem benötigt der Rotterdamer Hafen Raum für Stickstoffemissionen und ausreichende Netzkapazitäten, um verschiedene Projekte auf dem Gebiet der Energiewende realisieren zu können. Wenn hier Verzögerungen eintreten, können die Ziele nicht rechtzeitig erreicht werden, wodurch der nachhaltige Umbau der Industrie und damit die Ökologisierung der Niederlande zum Stillstand kommen werden. Die Port of Rotterdam Authority wird sich auch in der kommenden Zeit für die Förderung und Durchführung dieser konkreten Projekte einsetzen.

Quelle: Port of Rotterdam, Foto: Port of Rotterdam/ Martens Multimedia




Port of Antwerp-Bruges begrenzt Auswirkungen

Der Gesamtgüterumschlag des Port of Antwerp-Bruges belief sich in den ersten sechs Monaten dieses Jahres auf 139 Millionen Tonnen, was einem Rückgang von 5,5% im Vergleich zum selben Zeitraum des vorigen Jahres entspricht. Während die Weltwirtschaftslage zu einem Rückgang der Nachfrage nach Containertransporten führt, zeigt sich bei anderen Frachtströmen ein gemischtes Bild. In der gegenwärtigen volatilen Wirtschaftslage behauptet sich der Hafen gut und gewinnt auch beim Containerumschlag Marktanteile im Vergleich zu anderen Häfen im Bereich Hamburg – Le Havre.

Die betrieblichen Herausforderungen und die Überlastung der Containerterminals wurden nach zwei schwierigen Jahren überwunden, und die abgeleitete Fracht kehrte zurück. Dies führt zu einer Verbesserung im zweiten Quartal (-4,6 % in TEU) im Vergleich zu den Ergebnissen nach dem ersten Quartal dieses Jahres (-5,8 % in TEU). Die unsichere Wirtschaftslage und das geringe Verbrauchervertrauen führen jedoch zu einem weltweiten Rückgang der Containernachfrage um bis zu 9 % im ersten Quartal dieses Jahres. Dies führt zu einem Rückgang des Containerumschlags im Port of Antwerp-Bruges um 5,9 % in Tonnen und 5,2 % in TEU im Vergleich zu den ersten sechs Monaten des Jahres 2022. Der Marktanteil des Port of Antwerp-Bruges steigt in den ersten drei Monaten des Jahres 2023 im Vergleich zu den anderen Häfen im Bereich Hamburg – Le Havre um 1 Prozentpunkt auf 30,6 %.

Trotz des schwachen Wirtschaftsklimas halten sich Stückgüter recht gut. Die Durchsatzmengen entsprechen denen des Zeitraums vor der Covid-Krise, sind jedoch um 17,2 % niedriger als im gleichen Zeitraum 2022, in dem aufgrund der starken Erholung nach der Covid-Krise außergewöhnlich hohe Durchsatzzahlen verzeichnet wurden. Die Verlangsamung der Wirtschaft geht mit einem Rückgang der Stahlnachfrage, der wichtigsten Rohstoffgruppe in diesem Segment, einher. Sowohl bei den Eingängen als auch bei den Ausgängen ist der Stahlumschlag um 18 % zurückgegangen.

Das Segment Trockenmassengut ist um 12,9 % zurückgegangen. Trotz des starken Rückgangs sowohl der Düngemittel- als auch der Energiepreise gegenüber den Höchstständen nach Beginn des Krieges in der Ukraine ist der Umschlag von Düngemitteln, der größten Produktgruppe innerhalb des Trockenmassengutes, weiter rückläufig (-19 %), und die Lagerbestände werden kaum umgeschichtet. Auch der Steinkohledurchsatz, der im Jahr 2022 aufgrund der Energiekrise einen Höchststand erreichte und im ersten Quartal weiter anstieg, geht nach einem milden Winter und Kohleüberschüssen in Europa stark zurück (-32,4 %). Der Umschlag von Sand und Kies stieg um 16 %.

Das Segment der flüssigen Massengüter verzeichnete einen Rückgang von 3,2 %. Der Umschlag von flüssigen Brennstoffen stieg um 6,2 %. Dies ist vor allem auf den starken Umschlag von Gasöl/Diesel (+57 %) zurückzuführen. Der LNG-Umschlag blieb im Vergleich zum starken Jahr 2022 unverändert (-1,4 %). Darüber hinaus ist der Umschlag von Chemikalien aufgrund der schwachen weltweiten Nachfrage und der geringeren lokalen und europäischen Produktion um 15,4 % zurückgegangen. Letzteres ist hauptsächlich auf die Energiepreise zurückzuführen, die in Europa immer noch höher sind als in anderen Regionen.

Der Roll-on/Roll-off3-Verkehr bleibt weiterhin stark präsent (+0,1 %). In den ersten sechs Monaten des Jahres 2023 wurden 1,8 Millionen Neufahrzeuge ausgeliefert, ein sattes Plus von 15 % gegenüber 2022. Der Umschlag von Transportmitteln stieg um 3,5 %, während der unbegleitete Verkehr (ohne Container) um 2,1 % zurückging. Der Verkehr von/nach Irland nimmt um 16,7 % zu, während der Verkehr vom und zum Vereinigten Königreich zurückgeht (-4 %).

Im Gegensatz zum allgemeinen Rückgang des Containerverkehrs stieg die Zahl der Kühlcontainer im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 10,6 %. Ein wichtiger Teil der Waren in diesen Kühlcontainern ist Obst: Bananen, Kiwis, Ananas, Melonen, Zitrusfrüchte, Litschis, …. Der Umschlag dieser verderblichen Waren erfordert das nötige Fachwissen und die Spezialisierung, für die spezialisierte Terminals, Kühlhäuser und Logistikdienstleister sorgen. Sie machen den Hafen Antwerpen-Brügge zum Obsthafen der Wahl in Europa.

In den ersten sechs Monaten des Jahres 2023 hat Zeebrugge 90 Kreuzfahrtschiffe und 248.600 Passagiere empfangen. Mai und Juni waren geschäftige Monate für die Kreuzfahrtindustrie mit einer Vielzahl von Reedereien und Reisezielen.

In der ersten Jahreshälfte wurde der Hafen von 10.187 Seeschiffen angelaufen, was einem Rückgang von 2,8 % entspricht Die Bruttotonnage dieser Schiffe stieg um 4,7 %.

Im vergangenen Quartal wurde der Hafen dreimal von den größten Containerschiffen der Welt angelaufen, darunter von der MSC Loreto (24.346 TEU). Um diese Schiffe auch weiterhin aufnehmen zu können, investiert der Hafen weiter in die Maßstabsvergrößerung, die er benötigt, um weiterhin an der Spitze der Welthäfen mitzuspielen. Darüber hinaus sorgen Investitionen und neue Projekte im Zusammenhang mit der Energiewende und der Digitalisierung dafür, dass der Hafen sein Ziel eines nachhaltigen Wachstums erreichen kann.

Jacques Vandermeiren, CEO des Port of Antwerp-Bruges, sagte: „Wie in anderen Häfen der Welt stellt die wirtschaftliche Situation nach wie vor eine große Herausforderung dar, was sich auch in den Zahlen widerspiegelt. Aber unter diesen unbeständigen Bedingungen hält sich der Hafen relativ gut. Außerdem ist die Tatsache, dass unser Marktanteil steigt, eine Bestätigung für unsere Widerstandsfähigkeit und Stärke als fusionierter Hafen. Was die zweite Jahreshälfte bringen wird, hängt von vielen ungewissen Faktoren ab, unter anderem von den Energiepreisen, die einen großen Einfluss auf den Chemiesektor haben und sich in einer geringeren Produktion bemerkbar machen. Es macht zumindest Hoffnung, dass die wegen Covid eingestellten Liniendienste nun wieder aufgenommen werden und die Reedereien unseren Hafen als ersten Anlaufhafen wählen.“

Annick De Ridder, Hafenrätin der Stadt Antwerpen und Vorsitzende des Verwaltungsrats des Port of Antwerp-Bruges: „Die Anläufe der Rekordschiffe zeigen, dass wir dank unserer Investitionen in eine leistungsfähige Infrastruktur die größten Containerschiffe empfangen und an den Terminals abfertigen können. Mit den Rekordschiffen kommt eine ausreichende Containerkapazität. Nachhaltiges Wachstum und zusätzliche Containerkapazität in Antwerpen haben daher weiterhin Priorität, um unsere Position als Welthafen zu sichern und unsere Rolle als Wirtschaftsmotor Flanderns zu erfüllen.“

Dirk De Fauw, Bürgermeister der Stadt Brügge und stellvertretender Vorsitzender von Port of Antwerp-Bruges: „Wir sind jetzt seit über einem Jahr ein einheitlicher Hafen. Ein Hafen mit großen Ambitionen, der gleichzeitig vor großen Herausforderungen steht. Dank der beiden komplementären Plattformen haben wir unsere Position in der internationalen Logistikkette und als eines der wichtigsten Tore nach Europa deutlich gestärkt, was sich in einer Steigerung unseres Marktanteils niederschlägt.“

Quelle, Grafik und Bild: Port of Antwerp-Bruges




Strategie gegen den Fachkräftemangel

Gemeinsam mit Staatssekretärin im SH-Wirtschaftsministerium Julia Carstens diskutieren die Gäste des Brunsbütteler Industriegesprächs „Spezial“ über den Fachkräftemangel. Dieser stellt die Unternehmen des ChemCoast Parks in vielen Bereichen vor enorme Herausforderungen. Es bedarf einer gemeinsamen Strategie aller handelnden Akteure, um den hohen Fachkräftebedarf am Standort auch zukünftig decken zu können.

Insgesamt hängen vom ChemCoast Park Brunsbüttel 12.500 Arbeitsplätze ab, 4.500 davon befinden sich direkt vor Ort in Brunsbüttel. Damit sind die am Standort ansässigen Unternehmen maßgebliche Arbeitgeber in der Region und darüber hinaus. Bereits seit Jahren ist jedoch auch der wachsende Fachkräftebedarf in aller Munde. Fehlende Arbeitskräfte in vielen Branchen führen dazu, dass offene Stellen zum Teil erst nach längerer Zeit besetzt werden können und auch dann nicht immer mit der gewünschten Qualifikation. Noch bedrohlicher werden die Auswirkungen des Fachkräftemangels angesichts der Tatsache, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den geburtenstarken Babyboomer-Jahrgängen bis Ende des Jahrzehnts in Rente gehen werden. Hinzu kommen diverse Ansiedlungsprojekte von Unternehmen und Werken, die von den bedeutungsvollen Entwicklungen des Industriestandortes zu einem deutschlandweiten Energiehub profitieren wollen. Auch hier entsteht ein zusätzlicher Fach- und Arbeitskräftebedarf. Somit sehen sich auch die Unternehmen des ChemCoast Parks mit enormen Herausforderungen konfrontiert.

Um diese Herausforderungen sowie potenzielle Lösungsansätze gemeinsam zu diskutieren, veranstaltete die Werkleiterrunde des Industriegebietes heute gemeinsam mit ihrem bereits 2016 gegründeten Arbeitskreis „Fachkräftebedarf“ das zweite Brunsbütteler Industriegespräch „Spezial“ unter dem Titel „Fachkräftebedarf – was tun?“ auf dem Gelände der Covestro AG in Brunsbüttel. Als Abwandlung der regulären Brunsbütteler Industriegespräche dienen diese „Spezial“-Veranstaltungen als themenspezifische Diskussionsrunden im kleineren Rahmen. Im August 2022 lud die Werkleiterrunde zuletzt zu einem Austausch über die komplexen Herausforderungen der Energie- und Gaskrise ein. Im Rahmen der diesjährigen Veranstaltung galt es, gemeinsam mit Staatssekretärin Julia Carstens aus dem schleswig-holsteinischen Wirtschaftsministerium und rund 70 weiteren Gästen, sowohl über die aktuellen Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt zu diskutieren als auch eine gemeinsame Strategie gegen den Fachkräftemangel zu entwickeln. Jürgen Evers, Talent & External Relationship Manager bei der Covestro Deutschland AG sowie Sprecher des Arbeitskreises „Fachkräftebedarf“ der Werkleiterrunde, betont vor diesem Hintergrund: „Es ist keine Zeit mehr für Egoismus. Die Herausforderungen der Gegenwart können wir nur gemeinsam bewältigen.“

Frank Schnabel, Geschäftsführer der Brunsbüttel Ports GmbH / SCHRAMM group sowie Sprecher der Werkleiterrunde des ChemCoast Parks Brunsbüttel, erläutert: „Wir sprechen hier in Brunsbüttel nicht nur von einem Fachkräftemangel, sondern von einem weitgehenden Arbeitskräftemangel. Um die Attraktivität des Standortes für potentielle Arbeitnehmer nachhaltig zu steigern, brauchen wir vor allem verbesserte Rahmenbedingungen, insbesondere im Hinblick auf die Verkehrsinfrastruktur. Das schließt zum einen den jüngst angekündigten Ausbau der B5 zwischen Wilster und Brunsbüttel, und zum anderen auch den Ausbau der Brunsbütteler Schienenanbindung ein, die sowohl für die Stärkung des Personen- als auch des Güterverkehres unerlässlich ist.“

An der Podiumsdiskussion, die von Thomas Bultjer, Leiter der IHK Geschäftsstelle Dithmarschen, moderiert wurde, nahmen neben Staatssekretärin Julia Carstens, Jürgen Evers und Frank Schnabel auch Laura Pooth, Vorsitzende des DGB Nord, und Prof. Dr. Tim Warszta, Professor für Wirtschaftspsychologie und Institutsleiter WinHR an der Fachhochschule Westküste in Heide, teil. Gemeinsam diskutierten die Teilnehmer der Runde über Hintergründe, Herausforderungen und potenzielle Lösungsansätze für den aktuellen Fachkräftemangel. Als Vertreterin der Landesregierung erinnerte Staatssekretärin Julia Carstens an die Fachkräfteinitiative Schleswig-Holstein: „Hier arbeiten wir mit Vertreterinnen und Vertretern der Wirtschaft, der Sozialpartner und der Hochschulen daran, einen möglichst großen Anteil der inländischen Potenziale auf dem Arbeitsmarkt auszuschöpfen.“ Es gehe darum, mehr junge Menschen für eine Ausbildung zu begeistern, die Erwerbsbeteiligung von Frauen zu erhöhen, Ältere länger in Arbeit zu halten oder beispielsweise Menschen mit Migrations- und Fluchthintergrund und Menschen mit Behinderung in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Carstens: „Weil dies allein aber nicht ausreichen wird, um die Arbeitskräftelücke zu schließen, setzen wir auch verstärkt auf die Erwerbszuwanderung.“ In diesem Zusammenhang werde das „Welcome Center Schleswig-Holstein“ eine wichtige Rolle einnehmen.

Auch die Möglichkeiten zur Aus- und Weiterbildung von Fachkräften seien ein elementarer Bestandteil einer erfolgreichen Fachkräfte-Strategie. „Die „fertige“ Fachkraft gibt es in Zukunft immer seltener. Eine Stärkung der Aus- und Weiterbildung ist deshalb das A und O. Viele Jugendliche in Übergangssystemen und eingewanderte Menschen warten nur auf eine Chance. Mit entsprechender Förderung können diese Potenziale leicht gehoben werden. Auch bei der beruflichen Weiterbildung gibt es Verbesserungsbedarf. Es braucht eine Stärkung der Weiterbildungskultur in den Unternehmen ebenso wie die Korrektur der Beratungs- und Förderungsstrukturen. Auf die Gesundheit der vorhandenen und erfahrenen Fachkräfte muss besser geachtet werden. Immer weniger von ihnen schaffen es bis zum regulären Renteneintritt. Mit einem verbesserten Arbeits- und Gesundheitsschutz können mehr Beschäftigte bis zum Ruhestand gesund bleiben,“ führt Laura Pooth aus.

Die Diskussion zeigte ebenfalls auf, dass eine zielführende Strategie zur Lösung des Fachkräftemangels auch diverse Faktoren zur Steigerung der Arbeitgeber- sowie Standort-Attraktivität miteinbeziehen müsse. Dies sei jedoch nicht die alleinige Aufgabe der hier ansässigen Unternehmen, sondern sollte als gemeinsames Projekt verstanden werden. Prof. Dr. Tim Warszta betont: „Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken sind gemeinsame Anstrengungen von Unternehmen und Region erforderlich: Attraktive Arbeitsplätze an einem attraktiven Lebensort können Fachkräfte anziehen.“

Im Anschluss an die Podiumsdiskussion wurden außerdem relevante Leuchtturmprojekte aus der Region, darunter die Weiterbildungsangebote der VHS Brunsbüttel, die Projekte „Moin MINT“ und „Stadtguthaben“ sowie der Elternkompass Digi Bo, vorgestellt. Diese unterstreichen noch einmal deutlich, wie viel schon jetzt in der Praxis von Unternehmen und Institutionen in der Region umgesetzt wird, um dem Fachkräftemangel aktiv zu begegnen.

„Besonders im Hinblick auf die zukünftigen Ansiedlungsprojekte in der Region braucht es bereits jetzt Konzepte und eine gemeinsame Strategie, um Arbeits- und Fachkräfte hier am Standort zu gewinnen und zu binden. Um die Rahmenbedingungen dafür optimal zu gestalten, bedarf es neben den Bemühungen der Unternehmen ebenfalls der tatkräftigen Unterstützung aus der Politik. Nur gemeinsam können wir die Unternehmen des ChemCoast Parks Brunsbüttel als Arbeitgeber auch langfristig attraktiv und wettbewerbsfähig aufstellen,“ fasst Frank Schnabel zusammen.

Quelle und Foto: ChemCoast Park Brunsbüttel, die Podiumsteilnehmer des Brunsbütteler Industriegespräch „Spezial“ unter dem Titel „Fachkräftebedarf – was tun?“ Es diskutierten (v.l.n.r): Thomas Bultjer, Leiter der IHK Geschäftsstelle Dithmarschen, DR. Tim Warszta, Professor für Wirtschaftspsychologie und Institutsleiter WinHR an der Fachhochschule Westküste, Laura Pooth, Vorsitzende des DGB Nord, Julia Carstens, Staatssekretärin im SH-Wirtschaftsministerium, Frank Schnabel, Geschäftsführer der Brunsbüttel Ports GmbH / SCHRAMM group und Jürgen Evers, Talent & External Relationship Manager bei der Covestro Deutschland AG.