Container-Slotbuchung in Bremerhaven

Zum 2. Mai 2023 führt das EUROGATE Container Terminal Bremerhaven (CTB) für die Lkw-Abfertigung an den Terminals CTB und MSC Gate eine verbindliche Vor- und Slotbuchung ein. Die Basis bildet die von DAKOSY betriebene IT-Plattform Truckgate, die in Hamburg bereits seit 2017 für die Containerabfertigung verpflichtend ist. EUROGATE CTB stellt damit die Weichen für einen einheitlichen Slotbuchungsprozess in den deutschen Seehäfen.

„Bei der Auswahl stand für uns die Nutzerfreundlichkeit und der eingespielte Prozess im Vordergrund. Mit unserer Anbindung an Truckgate gibt es ab sofort in den Seehäfen Hamburg und Bremerhaven einen durchgängigen Anmeldeprozess für die Trucker“, erklärt Marc Dieterich, Geschäftsführer EUROGATE CTB. Die Gesamthafenperspektive unterstreicht DAKOSY-Vorstand Ulrich Wrage: „Wir freuen uns, dass sich EUROGATE für das etablierte System Truckgate entschieden hat und damit einen Beitrag zu einem seehafenübergreifenden einheitlichen Prozess leistet. Homogene digitale Lösungen führen die Häfen zusammen.“

Der verbindlichen Slotbuchung vorausgegangen war eine achtwöchige offene Pilotphase. Während dieser konnten die Trucker ihre Containerabholungen und   -anlieferungen auf freiwilliger Basis voranmelden und Zeitfenster für die Abfertigung buchen. Über die zustimmende Resonanz war der verantwortliche Projektleiter bei EUROGATE CTB Jan Wienbeck positiv überrascht: „Die hohe Bekanntheit von Truckgate war in der Vertrautheit mit dem technischen Umgang und der damit einhergehenden Akzeptanz deutlich spürbar.“ Die Zahlen bestätigen dies. Am Ende der Pilotphase waren bereits etwa ein Drittel der knapp 1.000 täglich abgefertigten Lkw über Truckgate vorgeplant. Nach Schätzungen von Wienbeck nutzen etwa 85 Prozent der am CTB aktiven Lkw-Fahrer bereits das Slotbuchungsverfahren in Hamburg.

Mit der Einführung von Truckgate verbindet EUROGATE das Ziel, die landseitige Abfertigungsqualität weiter zu erhöhen. Das heißt konkret kürzere Abfertigungszeiten für die Trucker. Wienbeck präzisiert: „Die aktuellen Abfertigungszeiten, inklusive OCR Check und PreGate Phase, wollen wir durch Truckgate um mindestens 40 Prozent reduzieren und somit deutlich schneller werden. Unser Ziel im Zusammenhang mit weiteren Maßnahmen sehen wir bei 20 Minuten für einen Durchlauf.“  Die Slotbuchung schafft dafür mehr Transparenz über das zu erwartende Lkw-Aufkommen und eine bessere Planungsgrundlage für den Ressourceneinsatz am Terminal.

Die Teilnahme an Truckgate fußt auf einem zweistufigen Prozess. Im ersten Schritt erfolgt die Transportvoranmeldung als Voraussetzung für die Slotbuchung. Anhand der Transportdaten wird verifiziert, ob die Anmeldedaten korrekt sind und der Container am Terminal abholbereit ist. Dies vermeidet im Vorfeld Leerfahrten oder Wartezeiten am Terminal, da Fehler vorab erkannt werden. Die eigentliche Slotbuchung baut auf der Voranmeldung auf. In dieser vermerkt der Trucker den gewünschten Abhol- oder Anlieferzeitpunkt. Zeitgleich mit dem ausführbaren Status des Transportauftrags wird die Slotbuchung bestätigt. Pro Lkw-Anfahrt können bis zu sechs Container angemeldet werden. Gebucht werden kann bis zu drei Werktage im Voraus, wobei alle Slots im Nachgang getauscht, geändert und storniert werden dürfen. Auch das nachträgliche Zufügen weiterer Container ist möglich.

Das Zeitfenster für jeden Slot umfasst eine Stunde. Hinzu kommt eine Karenzzeit von zunächst 90 Minuten vor und 90 Minuten nach dem gebuchten Zeitfenster. Vor der Einfahrt werden künftig sieben Selbstabfertigungsterminals zur Verfügung stehen, an denen die Fahrer mit der vorgebuchten Truckgate-Referenz einchecken.

Das Slotbuchungsverfahren hat DAKOSY im Auftrag des EUROGATE Container Terminals Hamburg und der HHLA Hamburger Hafen und Logistik AG entwickelt. Zu den Teilnehmern zählen in Hamburg die Terminals EUROGATE CT Hamburg und Eurokombi, HHLA CT Altenwerder, CT Burchardkai und CT Tollerort, das Süd-West-Terminal, die Containerprüfanlage CPA, die Veterinärämter Altenwerder und Reiherdamm, die drei Container-Leerdepots HCS, CCIS und CMR sowie der EUROGATE CTB in Bremerhaven.

Quelle: DAKOSY, Foto: EUROGATE / Lothar Steckel, „Die aktuellen Abfertigungszeiten, inklusive OCR Check und PreGate Phase, wollen wir durch Truckgate um mindestens 40 Prozent reduzieren und somit deutlich schneller werden. Unser Ziel im Zusammenhang mit weiteren Maßnahmen sehen wir bei 20 Minuten pro Durchlauf“, so Jan Wienbeck, EUROGATE CTB




Gelände für eine grüne Wasserstofffabrik bis 1 GW

Die Port of Rotterdam Authority entwickelt auf der Maasvlakte ein 11 ha großes Gelände, das sich für den Bau einer enorm großen grünen Wasserstofffabrik eignet. Anlass hierfür ist die Ausschreibung des Windparks IJmuiden Ver im weiteren Verlauf dieses Jahres.

Der Minister für Klima und Energie fordert im Rahmen des Verfahrens für die Teilfläche Beta die Wirtschaft dazu auf, einen großen Teil der Windenergie auf intelligente Weise in das Energiesystem zu integrieren. Dafür bietet sich die Produktion von Wasserstoff in direkter Küstennähe an, da hierdurch eine zusätzliche Belastung des Hochspannungsnetzes vermieden wird. Die Inbetriebnahme sowohl des Windparks als auch der Wasserstofffabrik ist für ca. 2028 geplant.

Allard Castelein, CEO Port of Rotterdam Authority: „Die Realisierung einer Wasserstofffabrik mit einer Kapazität von 1 GW ist der nächste Quantensprung in der Produktion von grünem Wasserstoff. Mehrere Unternehmen bauen nun auf der Maasvlakte bereits Elektrolyseure mit einer Kapazität von 200 bis 250 MW, oder sie haben weit fortgeschrittene Pläne dazu. Dies sind vorläufig die größten Anlagen Europas, aber wir wollen jetzt schon Raum für die nächste Generation von Wasserstofffabriken schaffen, die voraussichtlich fünf Mal so groß sein werden.“

Verschiedene Unternehmen beabsichtigen, in Rotterdam eine Elektrolysekapazität von insgesamt rund 1.350 MW (1,35 GW) zu installieren. Der Hafenbetrieb strebt bis 2030 eine Elektrolysekapazität von 2 bis 2,5 GW an, was mit dieser Entwicklung in Reichweite kommt. In den gesamten Niederlanden sollen bis 2030 nach den Plänen der Regierung 4 GW realisiert werden.

In den kommenden Jahren werden immer mehr Windparks in der Nordsee errichtet. Ein Teil des dort erzeugten Stroms wird zur Produktion von grünem Wasserstoff verwendet: durch Elektrolyse wird Wasser (H2O) in Wasserstoff (H2) und Sauerstoff (O) zerlegt. Der grüne Wasserstoff ist eine Alternative zum Erdgas. Es ist interessant, den Wasserstoff direkt an der Küste zu produzieren, da dann keine zusätzlichen Hochspannungskabel an Land notwendig sind. Ebenso ist es günstig, wenn die Produktion in der Nähe der wichtigsten Abnehmer – der Industrie – stattfindet.

Ende März hat der Minister für Klima und Energie die Verordnungsentwürfe für den Windpark IJmuiden, Teilfläche Beta, veröffentlicht. Diese Anlage mit einer Kapazität von 2 GW soll um 2028 fertiggestellt werden. In der zweiten Jahreshälfte 2023 beginnt das formale Ausschreibungsverfahren. Verschiedene Akteure haben bereits ihr Interesse bekundet. Die Port of Rotterdam Authority reserviert eine Fläche von 11 ha exklusiv für den Anbieter, der den Zuschlag erhält und in Rotterdam in großem Maßstab grünen Wasserstoff produzieren will.

Das Gelände bietet Raum für eine Elektrolysekapazität bis zu 1 GW und befindet sich neben dem Umspannwerk Amaliahaven (380 kV), das der Übertragungsnetzbetreiber TenneT hier errichten wird. Hier wird dann auch das 2-GW-Gleichstromkabel für den auf der Teilfläche Beta des Windparks IJmuiden Ver erzeugten Strom angelandet. Der gesamte grüne Strom wird nicht in das Stromnetz eingespeist, sondern unmittelbar in Wasserstoff umgewandelt. Dadurch wird eine zusätzliche Belastung des Stromnetzes vermieden. Die neue Wasserstoffleitung wird außerdem entlang des Geländes verlegt, wodurch der hier erzeugte Wasserstoff auf effiziente Weise zu den Abnehmern befördert werden kann. Zudem befindet sich der Standort unweit der Wasserleitung des Wasserversorgungsunternehmens Evides. Der Hafenbetrieb prüft darüber hinaus die Möglichkeit, die Wasserstofffabriken auf der Maasvlakte an die regionalen Fernwärmenetze anzuschließen. Auf diese Weise könnten Wohnungen, Gewächshäuser und Büros zu gegebener Zeit mit grüner Wärme beheizt werden. Aus all diesen Gründen ist dies ein strategisch sehr günstiger Standort für die Produktion von grünem Wasserstoff.

Das Ministerium für Wirtschaft und Klima fördert in den einzelnen Ausschreibungsverfahren für Windparks verschiedene standortspezifische Aspekte. Bei der Teilfläche Alpha des Windparks IJmuiden Ver, die in Borsele angelandet wird, liegt der Schwerpunkt auf der Naturentwicklung im Zusammenhang mit den Windparks, bei der Teilfläche Beta auf der Systemintegration, das heißt, dass hier beurteilt wird, inwiefern sich der Plan in das gesamte niederländische Energiesystem integrieren lässt. Die Nutzung des grünen Stroms für die Produktion von grünem Wasserstoff ist dann eine logische Entscheidung.

Um das Gelände für eine Wasserstofffabrik zur Verfügung stellen zu können, führt der Hafenbetrieb derzeit Gespräche mit der Gemeinde und dem Umweltschutzdienst Rijnmond (DCMR) über eine Änderung des Flächennutzungsplans, der an diesem Standort bislang noch die Lagerung von Containern vorsieht.

Quelle: Port of Rotterdam, Foto:Martens Multimedia




Rotterdam will zum Wasserstoff-Hub Europas werden

Rotterdam strebt bis zum Jahr 2030 eine CO2-Reduzierung von gut 9 Millionen Tonnen an. Bei der Umsetzung dieser Ambition spielt grüner Wasserstoff als Energieträger für die Kreislaufwirtschaft eine bedeutende Rolle. Der Rotterdamer Hafen soll zum Zentrum für Herstellung, die Verteilung und den Gebrauch von Wasserstoff werden. Damit entwickelt sich das Hafengebiet zum Wasserstoff-Hub Europas.

Um diese Wasserstoffambitionen zu realisieren, investiert Rotterdam in Kenntnis, Technik und Infrastruktur. Um ein Beispiel zu nennen: im Jahr 2025 sollen vier große Wasserstofffabriken auf der Maasvlakte entstehen. Sogenannte Elektrolyseure, die aus Elektrizität und Wasser Wasserstoff herstellen. Über Rohrleitungen wird der Wasserstoff aus den Elektrolyseuren und Importterminals zu Benutzern im Hafen und im Rotterdamer Hinterland befördert.

Die Kraft der Innovation: daran glauben wir in Rotterdam. Das regionale Innovations-Cluster und die herstellende Industrie im Hafen können neue Wasserstofftechnologien entwickeln. Das Cleantech-Start-up-Unternehmen zepp.solutions hat im September 2022 auf den Welthafentagen zum Beispiel das erste mit Wasserstoff betriebene Wassertaxi präsentiert. Jonas Brendelberger, Mitgründer von zepp.solutions, hat zwei Jahre lang an dem Wasserstoffwassertaxi mitgebaut. „Diese Nutzung von Wasserstoff hat viele Vorteile“ erklärt er. „Zunächst stößt das Brennstoffzellensystem keine schädlichen Stoffe, sondern nur Wasser aus. Außerdem kann man Wasserstoff tanken, sodass man keine Zeit für das Aufladen einer Batterie verschwendet. Schließlich ist das System kompakt und leise.“

Zepp.solutions baut wasserstoffbasierte Brennstoffzellensysteme für den Markt von mittelschweren und schweren Nutzfahrzeugen. „Außer unserem Büro in Delft haben wir eine Testanlage im RDM Rotterdam“, fährt Jonas fort. „Ein großartiger, innovativer Standort für uns!“ Wasserstoffanwendungen sind nicht nur zu Wasser, sondern auch zu Land und in der Luft vorstellbar. Deswegen arbeitet zepp.solutions gemeinsam mit weiteren Parteien unter anderem an der Entwicklung von Wasserstoff-Lkw, einer Zugmaschine, die Container auf Hafenterminals verschieben kann, und einem Wasserstoffbagger. Jonas selbst befasst sich vor allem mit den Wasserstoffanwendungen zu Wasser. „Dazu gehört das Wasserstoffwassertaxi ebenso wie das Wasserstoffschulschiff des Scheepvaart & Transport College ‚Ab Initio‘.“ Darüber hinaus arbeitet zepp.solutions an einem wasserstoffbetriebenen Flugzeug. Der erste kommerzielle Flug wird voraussichtlich 2028 von Rotterdam nach London reisen.

„Es gibt sehr viele Anwendungsbereiche, die von unseren Brennstoffzellensystemen profitieren können“, erläutert Jonas. „Damit können in Zukunft dieselben Leistungen erbracht werden wie jetzt, allerdings ohne Diesel und emissionsfrei. Dieses Ziel wird durch die deutliche Strategie des Hafens und Rotterdams Ambition unterstützt, zum Wasserstoff-Hub Europas zu werden.“

Quelle und Video: Port of Rotterdam




HGK Shipping und Port of Rotterdam kooperieren

HGK Shipping und Port of Rotterdam haben eine langfristige Kooperationsvereinbarung zur Förderung nachhaltiger Konzepte im Seehafenhinterlandverkehr auf der Wasserstraße unterschrieben. Im Mittelpunkt sollen dabei die Energiewende und Wasserstofflogistik sowie die Reduzierung von CO2-Emissionen durch innovative Antriebskonzepte und Digitalisierung stehen.

Diese Bereiche sind von entscheidender Bedeutung für die zuverlässige und nachhaltige Versorgung der Industrie. Stabile Lieferketten zwischen Deutschland und den Niederlanden ebenso wie innerhalb Europas werden somit weiterhin sichergestellt.

Im Rahmen der Kooperationsvereinbarung werden Europas größtes Binnenschifffahrts­unternehmen und Europas größter Seehafen künftig in engem Informationsaustausch stehen und gemeinsam die Möglichkeiten untersuchen, die sich für beide Partner ergeben. Beispielsweise soll zur Förderung der Energiewende eine zuverlässige Versorgungskette für Wasserstoff und Wasserstoffderivate sowie alternative erneuerbare Kraftstoffe etabliert werden. Dazu werden die Partner unter anderem analysieren, wie sich der Bedarf an Dienst­leistungen in Transport, Lagerung und Umschlag alternativer Energieträger voraussichtlich entwickeln wird. Auch die Ökologisierung der Binnenschiffsflotte durch Innovationen und das Erstellen von Umsetzungskonzepten für erneuerbare Motorkraftstoffe ist in diesem Zusammenhang ein wichtiger Faktor.

HGK Shipping und Port of Rotterdam wollen zudem die Transparenz entlang der Lieferkette ausbauen, um so Abläufe effizienter, agiler und nachhaltiger gestalten zu können. Neben dem Austausch eigener Informationen, etwa zu Mengen und Arten von transportierten und umge­schlagenen Gütern, sollen auch andere Akteure mit einbezogen werden. Dies soll über die Zusammenarbeit bei digitalen Plattform-Initiativen erfolgen, die die Kommunikation und den Informationsaustausch aller an der Lieferkette beteiligter Partner unterstützen sowie an der Standardisierung im Hinterland arbeiten.

Matthijs van Doorn, Vice-President Commercial Port of Rotterdam: „Wir freuen uns sehr über die verstärkte Zusammenarbeit mit HGK Shipping. Grenzüberschreitende Initiativen mit starken und ehrgeizigen Partnern in den Bereichen Energiewende und Digitalisierung sind von größter Bedeutung, um unser Ziel zu erreichen, bis 2050 ein CO2-neutraler Hafen zu werden. Die Binnenschifffahrt spielt eine entscheidende Rolle bei der Versorgung des europäischen Marktes mit Wasserstoff und gleichzeitig hat dieser Sektor die besten Voraussetzungen, dies auf nachhaltige und effiziente Weise zu tun, indem er mit alternativen Kraftstoffen fährt und innovative Techniken einsetzt.“

Steffen Bauer, CEO HGK Shipping: „Der Seehafen Rotterdam nimmt eine Schlüsselrolle bei der Versorgung der europäischen Industrie und Energiewirtschaft im Wasserstoffhochlauf ein. Als wichtiger Wasserstoffhafen ist er auf eine leistungsfähige Hinterlandanbindung angewie­sen, welche wir als HGK-Gruppe über das System Wasserstraße abbilden. Gemeinsam können wir die künftigen Versorgungsströme der Energiewirtschaft, auch für unsere Muttergesellschaft, dem Stadtwerke Köln Konzern, entwickeln und damit einen zuverlässigen und sicheren Zugang zu erneuerbaren Energiequellen ermöglichen.“

Quelle: Port of Rotterdam und HGK Shipping, Foto: Port of Rotterdam, Matthijs van Doorn, Vice-President Commercial Port of Rotterdam (links) und Steffen Bauer, CEO HGK Shipping 




Weniger Güterumschlag im Rotterdamer Hafen

Im Rotterdamer Hafen wurden im ersten Quartal 2023 1,5 % weniger Güter umgeschlagen als im selben Vorjahreszeitraum. Insgesamt wurden 111,7 Mio. Tonnen umgeschlagen, während es im selben Zeitraum 2022 noch 113,4 Mio. Tonnen waren. Der Rückgang wurde vor allem beim Umschlag von Containern und Massenstückgut (Roll-on/Roll-off und weiteres Stückgut) verzeichnet. Der Umschlag in den Segmenten Mineralölprodukte, Rohöl, LNG (Flüssiggas), Eisenerz & Schrott, agrarisches Stückgut und Kohle nahm dahingegen zu.

Allard Castelein, CEO der Port of Rotterdam Authority: „Das Jahr 2023 begann wie erwartet mit einem leichten Rückgang der Umschlagshandlungen. Besonders im Containersegment nahmen die Transportvolumen infolge der hohen Inflation und der nachlassenden Konjunktur ab. Die Resultate in den Segmenten zeigen vor allem einen Aufwärtstrend, der bestätigt, dass die russischen Energieströme im Zuge der Sanktionen weiter zurückgegangen sind. Wir erwarten für den Rest des Jahres einen geringfügigen Rückgang des Umschlagvolumens aufgrund der Unsicherheiten, die durch die aktuelle geopolitische Lage und die hohe Inflation entstanden sind.“

Im ersten Quartal stieg der Umschlag im Segment flüssiges Massengut um 5,6 % auf 54,3 Mio. Tonnen. In diesem Marktsegment wurden 0,8 Mio. Tonnen mehr Rohöl (ein Plus von +3,2 % auf 26,3 Mio. Tonnen) angeliefert. Um das russische Öl zu ersetzen, wurde mehr Rohöl aus den Vereinigten Staaten, Westafrika und dem Mittleren Osten geliefert. Da dieses Öl über größere Distanzen transportiert wird, werden mehr VLCC (Very Large Crude Carriers) eingesetzt. Im ersten Quartal haben bereits doppelt so viele VLCC (50) Rohöl gelöscht wie im vergangenen Jahr. Außerdem haben 30 % mehr Suezmax-Tanker angelegt. Der Umschlag von Mineralölprodukten stieg im ersten Quartal um 1,6 Mio. Tonnen auf 15,1 Mio. Tonnen (12 %). Diese Zunahme wurde vor allem durch den erhöhten Umschlag von Diesel an den unabhängigen Terminals und den Liegeplätzen verursacht. Diese Produkte ersetzen hauptsächlich den Import des sanktionierten russischen Diesels. Auch der Umschlag von LNG (Flüssiggas) stieg im ersten Quartal um 14,3 % auf 3 Mio. Tonnen. Das wachsende LNG-Angebot kommt hauptsächlich aus den Vereinigten Staaten als Alternative zu den reduzierten europäischen Importen von russischem Gas über Pipelines.

Im Marktsegment trockenes Massengut konnte im ersten Quartal eine leichte Zunahme um 0,2 % auf 17,9 Mio. Tonnen verzeichnet werden. Die wichtigsten Gütersorten in diesem Segment sind Eisenerz & Schrott und Kohle. Beide Gütersorten ließen eine Steigung erkennen. Der Umschlag von Eisenerz & Schrott erhöhte sich um 10,1 % auf 6,2 Mio. Tonnen. Infolge des zeitlichen Hochofenausfalls in Duinkerken, Gijón und IJmuiden wurde der Betrieb in den Fabriken im Rotterdamer Hinterland hochgefahren. Damit stieg auch die Nachfrage nach Kokskohle für die Stahlproduktion. Der Gesamtumschlag von Kohle nahm im ersten Quartal um 26,3 % zu und erreichte 7,4 Mio. Tonnen.

Der Containerumschlag nahm nach Gewicht um 11,5 % auf 31,5 Mio. Tonnen und nach Volumen um 11,6 % auf 3,2 Mio. TEU (Standardmaß für Container) ab. Dieser Rückgang begann bereits im Laufe des Jahres 2022 durch das Entfallen von Transportvolumen von und nach Russland. Da der Krieg in der Ukraine erst Ende Februar begonnen hatte, waren die Auswirkungen auf die Umschlagvolumen im ersten Quartal letzten Jahres erst begrenzt spürbar. Diese Transportvolumen machten in der Vergangenheit 8 % des gesamten Containerumschlags aus. Auch die Abnahme des Imports aus Asien (-14,2 % TEU) war in den Umschlagszahlen sichtbar. Ursache dafür ist die gesunkene Nachfrage nach physischer Ware aufgrund von angehäuften Lagerbeständen und Inflation. Trotz einer deutlichen Verbesserung der Kettenleistung ist im ersten Quartal noch kein Transhipment zurückgekommen. Diese Transportvolumen wurden infolge der Staus im Schiffsverkehr während der Pandemie in kleinere Häfen umgeleitet.

Der Gesamtumschlag des Marktsegments Massenstückgut (Ro-Ro-Verkehr und sonstiges Stückgut) sank um 6,0 % auf 7,9 Mio. Tonnen. Der RoRo-Verkehr nahm im Vergleich zum ersten Quartal des Vorjahres um 2,2 % auf 6,6 Mio. Tonnen ab. Dies liegt daran, dass die Nachfrage aus dem Vereinigten Königreich wegen der moderaten Konjunktur zurückgegangen ist. Der Umschlag von sonstigem Stückgut sank um 20,9 % auf 1,4 Mio. Tonnen. Die Ursache dafür ist die Rückverlagerung von Ladung in das Containersegment, aufgrund von günstigeren Containerpreisen.

Quelle: Port of Rotterdam, Foto: MartensMultimedia




System Wasserstraße hat Nachbesserungsbedarf

Mit dem Modernisierungspaket für Klimaschutz und Planungsbeschleunigung hat die Regierungskoalition wichtige und sinnvolle Impulse für die Sanierung der Verkehrsinfrastruktur gesendet. Aus Sicht der Binnenhäfen, der Bauindustrie und des VBW gibt es mit Blick auf das System Wasserstraße aber auch großen Nachbesserungsbedarf.

Joachim Zimmermann (bayernhafen), Präsident der Binnenhäfen: „In den Binnenhäfen wird rund ein Drittel des in Deutschland jährlich anfallenden Schienengüterverkehrs abgewickelt. Die Binnenhäfen sind gewillt und in der Lage, einen deutlich größeren Beitrag zur Verkehrsverlagerung und zur Erreichung der Modal-Split-Ziele für Schiene und Wasserstraße zu leisten. Wir sehen allerdings seit Längerem, dass das vorgelagerte Eisenbahnnetz derzeit nicht in der Lage ist, die zusätzlich benötigten Kapazitäten aufzunehmen. Daher begrüßen wir die im Koalitionspapier festgelegten Schritte für den Ausbau und die Modernisierung des Schienennetzes sehr. Multimodalität ist ohne den LKW im Vor- und Nachlauf nicht denkbar. Deshalb brauchen wir auch weiterhin gut ausgebaute Straßen und Autobahnen und funktionierende Brücken. Dass die Koalitionäre sich dazu durchgerungen haben, Straße und Schiene nicht mehr gegeneinander auszuspielen und nun auch die Engpassbeseitigung im Straßensektor beschleunigt werden soll, ist ein positives Signal. Erheblichen Nachbesserungsbedarf sehen wir mit Blick auf Planungsbeschleunigung und Finanzierung bei der Wasserstraße. Diese scheint in den 30-stündigen Beratungen völlig aus dem Fokus der Ampel geraten zu sein.“

Thomas Gross (Hülskens Wasserbau), Vorsitzender der Bundesfachabteilung „Wasserbau“ im Hauptverband der Deutschen Bauindustrie und Vizepräsident des VBW: „Wir erwarten, dass die Regierungsparteien sich an ihre Zusagen aus dem Koalitionsvertrag halten, die Sanierung und den Ausbau der Schleusen zu beschleunigen und den Modal-Split-Anteil der Binnenschifffahrt zu steigern. Wasserstraßenprojekte müssen wie Schienen- und Straßeninfrastruktur ebenfalls als „überragendes öffentliches Interesse“ eingestuft werden und in das Genehmigungsbeschleunigungsgesetz einfließen. Das Fiasko, dass die Wasserstraße bei der Aufstellung des Haushaltes 2023 erlebt hat, darf sich nicht wiederholen. Die aktuelle Unterdeckung muss geschlossen und der Mittelansatz ab 2024 auf mindestens 2 Mrd. Euro jährlich angehoben werden. Ansonsten droht weiterer Substanzverlust an Schleusen, Wehren und Kanälen, der die Verlässlichkeit unserer Lieferketten weiter schwächen und dem Industriestandort Deutschland mittelfristig schaden wird.“

Quelle und Foto: Bundesverband Öffentlicher Binnenhäfen e. V.




Zufriedene Freude zum einjährigen Geburtstag

Der Port of Antwerp-Bruges feiert am 22. April sein einjähriges Bestehen. Die Häfen von Antwerpen und Zeebrugge haben sich im vergangenen Jahr zusammengetan, um ihre Synergien zu nutzen. Der Zusammenschluss der Häfen von Antwerpen und Zeebrugge im vergangenen Jahr hat die westeuropäische Seeverkehrslandschaft verändert hinsichtlich Themen wie der Energiewende und Kapazitätenverteilung. Das erklärte Ziel des fusionierten Hafens: „Wir wollen ein Welthafen werden, der Wirtschaft, Menschen und Klima in Einklang bringt“.

Neue Investitionen und Projekte bestätigen die Attraktivität des vereinigten Hafens – trotz der aktuell schwierigen geopolitischen Bedingungen. Bereits heute werden 15 % (Vorjahr: 8 %) der gesamten LNG- und Erdgaslieferungen nach Europa über die Hafenplattform Zeebrugge abgewickelt. Dies macht den Port of Antwerp-Bruges zu einer der wichtigsten Gaszufahrtsrouten zum europäischen Hinterland.

Die Vereinigung beschleunigte die bestehenden Innovations- und Energiewendevorhaben der beiden Hafenunternehmen erheblich. Als Welthafen spielt der Port of Antwerp-Bruges eine Schlüsselrolle für den Import, die lokale Herstellung, die Verarbeitung und den Transport von grünem Wasserstoff und Wasserstoffträgern (z. B. Ammoniak und Methanol) ins Hinterland, darunter auch Deutschland. Einige konkrete Wasserstoffprojekte sind nun bereit für die Umsetzung.

Auch der Integrationsprozess, verschiedene digitale Anwendungen in ein einziges System umzuwandeln, ist in vollem Gange. Geografische Daten von der Zeebrugge-Plattform wurden inzwischen in den Digital Twin, eine virtuelle Kopie des Hafens, integriert und auch Echtzeitdaten (z. B. Luftqualitätssensoren) damit verknüpft.

Dass sich die Häfen bei Bedarf ergänzen können, zeigt sich unter anderem an der Verlagerung des Containeraufkommens von Antwerpen nach Zeebrugge. Da die Containerkapazität in Antwerpen im vergangenen Jahr an ihre Grenzen stieß, konnten Unternehmen für ihren Containerumschlag auf die Plattform in Zeebrugge ausweichen.

Beide Hafenplattformen teilen sich Herausforderungen, die sie nun gemeinsam angehen. Um etwa dem derzeitig angespannten Arbeitsmarkt zu begegnen, hat der Port of Antwerp-Bruges vor kurzem die gemeinsame Jobbörse havenjobs.com eingerichtet. Die erweiterte Reichweite steigert die Wettbewerbsfähigkeit der Hafenunternehmen auf dem Arbeitsmarkt.

Nach einem Jahr befindet sich der Port of Antwerp-Bruges weiter in der Übergangsphase und evaluiert laufend seine Prozesse und Systeme – technisch, operativ und menschlich.

Dirk De Fauw, Bürgermeister der Stadt Brügge und stellvertretender Vorsitzender von Port of Antwerp-Bruges: „Die Fusion ist eine Win-Win-Situation und ein Mehrwert sowohl für Zeebrugge als auch für Antwerpen. Jetzt, ein Jahr nach der effektiven Fusion der beiden Häfen, können wir dies sehr deutlich an den Zahlen ablesen. Dieser Mehrwert zeigte sich übrigens auch bei den gemeinsamen Auftritten im Ausland, die von der Hafenkundschaft sehr geschätzt wurden, wie die fürstlichen Missionen im Vereinigten Königreich, den USA, in Japan und der Besuch des Königspaares im Hafen von Duqm im Oman. Ich bin überzeugt, dass sich dieses Gefühl in Zukunft nur noch verstärken wird. Wir haben hier einen Hafen, auf den wir stolz sein können, denn wir sind der erste Hafen der Welt, der den Ehrgeiz hat, Wirtschaft, Menschen und Klima in Einklang zu bringen.“

Annick De Ridder, Hafenrätin der Stadt Antwerpen und Vorsitzende des Verwaltungsrats des Port of Antwerp-Bruges: „Unser Fusionshafen ist ein Welthafen, der für nachhaltiges Wachstum und wirtschaftlichen Wohlstand sorgt. Er hegt große Ambitionen und steht gleichzeitig vor großen Herausforderungen. Wir haben diese Herausforderungen im ‚Geburtsjahr‘ gemeinsam erfolgreich gemeistert und sind widerstandsfähig und belastbar. In der Zwischenzeit erweist sich die Fusion der sich hervorragend ergänzenden Hafenplattformen in der Praxis als Mehrwert. Unser Fusionshafen ist der Wirtschaftsmotor Flanderns schlechthin. Und dieser Motor läuft weiter, dank der harten Arbeit aller Mitarbeiter:innen, sowohl in Antwerpen als auch in Zeebrugge.“

Jacques Vandermeiren, CEO Port of Antwerp-Bruges: „Nach einem Jahr sind wir nicht nur ein Hafen. Heute, ein Jahr später, erlebe ich auch am Arbeitsplatz täglich, wie wir zu einem eng verbundenen Management und einem eng verbundenen Team zusammengewachsen sind. Dass wir damit einen gemeinsamen Hafen bilden, der auch in geopolitisch und wirtschaftlich herausfordernden Zeiten und in der Energiekrise Bestand hat, hat auch international große Resonanz.“

Quelle und Foto: Port of Antwerp-Bruges




Quartalszahlen des Port of Antwerp-Bruges gesunken

Der Gesamtgüterumschlag des Port of Antwerp-Bruges belief sich im ersten Quartal dieses Jahres auf 68,7 Millionen Tonnen, was einem Rückgang von 4,5 % gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum entspricht. Dieser Rückgang spiegelt den nach wie vor komplexen geopolitischen und makroökonomischen Kontext wider, der zu einem Rückgang im Containersegment und zu erheblichen Verschiebungen in den Güterströmen geführt hat. Um diesem Anspruch als Welthafen gerecht zu werden, setzt der Hafen gemeinsam mit bereits vorhandenen und neuen Pionieren auf nachhaltiges Wachstum.

Die betrieblichen Herausforderungen an den Containerterminals und die Überlastung haben sich seit dem dritten Quartal 2022 langsam entspannt. Wirtschaftliche Unsicherheit und Inflation führten zu einem weltweiten Nachfragerückgang in der Containerschifffahrt und zur Streichung von Fahrten, insbesondere von Fahrten aus dem Fernen Osten. Zusammen mit dem anhaltenden Konflikt in der Ukraine, der dazu führte, dass der Russlandverkehr in den ersten drei Monaten des Jahres 2023 um zwei Drittel niedriger war als im Vorjahreszeitraum, ergibt sich ein Rückgang des Containerumschlags in Tonnen um 6,6 % und in TEU um 5,7 % im Vergleich zum ersten Quartal des Jahres 2022.

Das Umschlagvolumen bei den Stückgütern entspricht dem des Zeitraums vor der Covid-Krise, liegt jedoch um 19,8 % niedriger als im sehr starken ersten Quartal 2022, als eine kräftige Erholung nach der Covid-Krise zu hohen Umschlagzahlen führte. Die Verlangsamung der Wirtschaft geht mit einem Rückgang der Stahlnachfrage einher. Dies entspricht einem Rückgang des Stahlumschlags um 21,9 %, sowohl bei der Ein- als auch bei der Ausfuhr.

Das Segment Trockenmassengut ist um 7,3 % zurückgegangen. Dies ist vor allem auf den Rückgang bei Düngemitteln, der größten Produktgruppe im Trockenmassengut, zurückzuführen. Obwohl die Produktion dieser Stoffe aufgrund der gesunkenen Energiepreise seit März wieder zunimmt, ist der Gesamtumschlag an Düngemitteln im ersten Quartal um 26,4 % zurückgegangen. Die anhaltend hohe Nachfrage nach Kohle für die Stromerzeugung führt dazu, dass der Umschlag fast dreimal so hoch ist wie im Vorjahreszeitraum. Auch der Umschlag von Sand und Kies nimmt zu (+9,3 %).

Das Segment der flüssigen Massengüter verzeichnete ein Wachstum von 0,5 %. Neben einem Anstieg des LNG-Umschlags (+23,3 %), teilweise als Alternative zu Erdgas über Pipelines aus Russland, gab es auch einen Zuwachs beim Umschlag von Diesel, Heizöl und Energiegasen. Der Umschlag von Chemikalien erholt sich gegenüber dem letzten Quartal 2022, als die hohen Energiepreise zu einer geringeren Produktion oder zu Produktionsstillständen führten, liegt aber immer noch 21,3 % unter dem Rekordwert des ersten Quartals des vergangenen Jahres.

Der Roll-on/Roll-off-Verkehr bleibt Status quo. Der Port of Antwerp-Bruges ist der größte Autohafen der Welt. Insgesamt haben die Terminals eine Fläche von mehr als 400 Hektar mit einer Parkkapazität von 210.000 Einheiten.Autos aller großen Marken der Automobilbranche werden dort umgeschlagen, und für viele Marken ist der Port of Antwerp-Bruges die interkontinentale und europäische Drehscheibe. Im ersten Quartal 2023 wurden 904.901 Neuwagen an- und ausgeliefert, 7,2 % mehr als 2022. Der Umschlag des gesamten Beförderungsmaterials nimmt um 4,3 % zu, während die unbegleitete Fracht (ohne Schiffscontainer) rückläufig ist (-2,4 %). Der Anteil dieses Volumens, der auf das Vereinigte Königreich entfällt, sinkt im ersten Quartal um 5,6 %, während der Verkehr von und nach Irland um 14,2 % steigt.

In den ersten 3 Monaten des Jahres 2023 hat Zeebrugge 29 Kreuzfahrtschiffe empfangen, ein neuer Rekord. Die Rekordzahl von Kreuzfahrtschiffen, die Zeebrugge in diesem ersten Quartal angelaufen haben, bestätigt außerdem, dass die Bemühungen, den Kreuzfahrttourismus besser über das Jahr zu verteilen, erfolgreich waren.

Im ersten Quartal liefen 4.944 Seeschiffe den Hafen an, das ist ein Rückgang um 3,7 %. Die Bruttotonnage dieser Schiffe stieg dabei um 3,8 %.

Dass der vor einem Jahr fusionierte Hafen für Investoren aus dem In- und Ausland attraktiv ist, bewiesen mehrere Investitionen in den ersten Monaten des Jahres 2023. So kündigte der amerikanische Pionier PureCycle den Bau einer Kunststoffrecyclinganlage im NextGen District an, dem Hotspot der Kreislaufwirtschaft im Herzen des Antwerpener Hafengeländes, wo noch in diesem Jahr der erste Spatenstich erfolgen soll. Darüber hinaus wird das niederländische Tanklagerunternehmen Vopak, ein Global Player, das ehemalige Gunvor-Gelände in Antwerpen nachhaltig umgestalten. Unter anderem wird das Unternehmen mit dem Port of Antwerp-Bruges an einer gemeinsamen Entwicklung/Realisierung im Bereich der erneuerbaren Energien arbeiten. Dies ist ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer klimaneutralen Wirtschaft.

Eine leistungsfähige Infrastruktur und zusätzliche Containerkapazitäten haben nach wie vor Priorität, um weiter an der Spitze der Welthäfen mitzuspielen. So wird beispielsweise die inzwischen begonnene Modernisierung und Vertiefung des Europa-Terminals sicherstellen, dass auch die neueste Generation von Großschiffen den Europa-Terminal weiterhin anlaufen kann. Dass sich der Trend zu größeren Containerschiffen fortsetzt, wird in den kommenden Monaten deutlich werden, wenn mit den Anläufen der MSC Tessa (24.116 TEU), der OCCL Spain (24.188 TEU) und der MSC Loreto (24.346 TEU) nacheinander Rekorde gebrochen werden.

Jacques Vandermeiren, CEO des Port of Antwerp-Bruges: „Diese Ergebnisse zeigen, dass wir als Welthafen aufgrund des geopolitischen und makroökonomischen Kontextes im Zentrum der aktuellen Herausforderungen stehen. Doch trotz dieser enttäuschenden Zahlen bleiben die Aussichten für 2023 positiv. Sinkende Energiepreise, eine sich verbessernde chinesische Wirtschaft und Anzeichen dafür, dass auch der Linienverkehr wieder anzieht, lassen uns zuversichtlich in die Zukunft blicken. ​ Außerdem können wir durch die Komplementarität der beiden Hafenplattformen besser auf Veränderungen der Güterströme reagieren.“

Annick De Ridder, Hafenrätin der Stadt Antwerpen und Vorsitzende des Verwaltungsrats des Port of Antwerp-Bruges: „Gemeinsam mit den innovativen Hafenunternehmen und den neuen Pionieren, die viele Arbeitsplätze in unseren Hafen bringen, setzen wir weiterhin auf nachhaltiges Wachstum. Darüber hinaus sind Investitionen in strategische Infrastrukturen wie die Modernisierung des Europa-Terminals unerlässlich, um unsere Position als Welthafen zu sichern und unsere Rolle als Wirtschaftsmotor Flanderns zu erfüllen. Eine große Herausforderung ist dabei die Besetzung der vielen freien Stellen. Deshalb werden wir gemeinsam mit unseren Partnern in Kürze eine Werbekampagne und eine digitale Jobplattform starten.“

Dirk De fauw, Bürgermeister der Stadt Brügge und stellvertretender Vorsitzender des Port of Antwerp-Bruges: „Der Port of Antwerp-Bruges ist der Weltakteur für den Automobilsektor. Und diese Position wird sich angesichts der Investitionen in zusätzliche Kapazitäten durch bestehende Betreiber und neue Akteure, die unseren Hafen als Basis für die Eroberung des europäischen Marktes wählen, noch verstärken. Ich bin daher zuversichtlich, dass wir hier auch 2023 wieder Wachstum verzeichnen können. Die Rekordzahl von Kreuzfahrtschiffen, die Zeebrugge in diesem ersten Quartal angelaufen haben, bestätigt außerdem, dass die Bemühungen, den Kreuzfahrttourismus besser über das Jahr zu verteilen, erfolgreich waren. In den weniger stark frequentierten Wintermonaten ist der Kreuzfahrttourismus ein Segen für die Tourismusstruktur in Brügge, Blankenberge, Brüssel, Gent, Ypern und Antwerpen.“

Quelle und Grafik: Port of Antwerp-Bruges




CO2-Emissionen im Hafen Rotterdam sanken um 4 %

Die CO2-Emissionen der Industrie und Elektrizitätswerke im Rotterdamer Hafen sind 2022 im Vergleich zu 2021 um 1 Mt (4,2 %) gesunken. Damit erreichte der Ausstoß wieder das Niveau von 2020, nachdem er im Jahr 2021 gestiegen war.

Die Reduzierung wurde vor allem durch die Chemie und die Hersteller von Industriegasen erzielt, denn diese Unternehmen schraubten ihre Produktion aufgrund der hohen Erdgaspreise zurück. Infolgedessen war ihr CO2-Ausstoß insgesamt 0,8 Mt (16 %) niedriger als 2021.

Die hohen Gaspreise haben außerdem dafür gesorgt, dass die drei Gaskraftwerke im Hafengebiet weniger und die beiden Kohlekraftwerke mehr Betriebsstunden machten. Nach Ausbruch des Krieges in der Ukraine hob die niederländische Regierung einen vorherigen Beschluss auf, der den Betrieb von Kohlekraftwerken auf maximal 35 % ihrer Kapazität beschränkte. Der somit entstandene Spielraum sorgte dafür, dass die CO2-Emissionen der Kohlekraftwerke um 6 % (+0,3 Mt) zunahmen. Diese Steigerung wurde allerdings dadurch mehr als wettgemacht, dass die Emissionen der Gaskraftwerke um 16 % (-0,4 Mt) zurückgingen. Da in den Niederlanden immer mehr Elektrizität mithilfe von Windkraftanlagen und Solarmodulen erzeugt wird, haben die Kohle- und Gaskraftwerke 2022 insgesamt weniger Strom erzeugt als im Vorjahr.

Die Produktion der Raffinerien blieb aufgrund der hohen Nachfrage stabil und der CO2-Ausstoß ist geringfügig gesunken (0,1 Mt, -1 %).

Um die europäischen und niederländischen Ambitionen umzusetzen und die CO2-Emissionen bis 2030 im Vergleich zu 1990 um 55 % zu senken, muss im Hafen eine CO2-Reduzierung von 13,2 Mt jährlich erzielt werden. Verschiedene Projekte, an denen die Industrie, der Hafenbetrieb und weitere Partner im Hafengebiet zurzeit arbeiten, bringen insgesamt eine Senkung um 13,7 Mt pro Jahr zustande. Zu diesen Projekten zählen unter anderem die Abscheidung und Speicherung von CO2 (Porthos), die Herstellung von grünem Wasserstoff, die Elektrifizierung der Industrie und die Nutzung von Landstrom für die Schifffahrt. Vor allem die Produktion von Biokraftstoffen führt außerdem zu einer ansehnlichen Verringerung der CO2-Emissionen außerhalb des Hafens. Zusammengenommen kann die Industrie mit Projekten, die zurzeit vorbereitet und ausgeführt werden, 2030 gut 40 % der niederländischen Zielsetzung zur CO2-Reduktion realisieren.

Quelle: Port of Rotterdam, Foto: port of Rotterdam/ Jannes Linders




Bremer Senat beschließt SMART-Ports-Strategie

„Die marktseitige Verschärfung des weltweiten Wettbewerbs stellt die bremischen Häfen vor große Herausforderungen. Die Unternehmen im Hafen sind massiv gefordert, Maßnahmen zur Effizienz- und Kostenoptimierung durchzuführen. Dabei kommt Innovations- und Digitalisierungsprojekten eine herausragende Bedeutung zu“: So ist das Ziel, die bremischen Häfen zu SMART-Ports weiterzuentwickeln – also zu sustainable, multimodal, agile, resilient, technologized ports – im Bremischen Hafenentwicklungskonzept 2035 definiert.

Einige Digitalisierungsprojekte, darunter das neue Messsystem für Anlegemanövern von Schiffen (SAMS), das Port Railway Information System der Bremischen Hafeneisenbahn (PRINOS) und die aktive Schiffskoordination auf der Außenweser unter dem Stichwort „Digitale Außenweser“ werden gemeinsam mit Akteuren der Hafenwirtschaft bereits umgesetzt. Nun folgt mit der „SMART-Ports“-Strategie der nächste große Schritt. Der Senat hat die von bremenports im Auftrag der Senatorin für Wissenschaft und Häfen entwickelte Analyse sowie die weitere Planung am beschlossen.

Dazu Dr. Claudia Schilling, Senatorin für Wissenschaft und Häfen: „Neue Technologien wie Künstliche Intelligenzen, das Internet der Dinge oder Big Data bieten auch den Häfen und der maritimen Wirtschaft riesige Chancen. Sie stellen uns aber gleichzeitig vor große Herausforderungen, die wir nur gemeinsam bewältigen können. Mit der Strategie ‚SMART-Ports‘ stoßen wir einen Kulturwandel innerhalb der Hafengemeinschaft an, wollen übergeordnete und gemeinsam nutzbare Strukturen schaffen. So wollen wir dafür sorgen, dass die bremischen Häfen digitaler, nachhaltiger und effizienter werden und damit auch in Zukunft wettbewerbsfähig bleiben.“

Die „SMART-Ports“-Strategie basiert auf umfassenden Analysen (etwa Stakeholder-Befragung, Chancen/Risiken-Ermittlung zur Thematik). Sie sieht vor, dass sich zunächst Hafenakteurinnen und Hafenakteure wie Reeder, Terminals und Dienstleister mit Behörden und den hafennahen Institutionen vernetzen und gemeinsame Ziele in puncto Digitalisierung sowie den Weg dorthin entwickeln. Ziel ist es, neue, von allen nutzbare Anwendungen und intelligente Systeme zu schaffen.

Der Auftaktworkshop findet am 18. April in Bremerhaven statt.

Quelle und Foto: Senatorin für Wissenschaft und Häfen