OCI erweitert den Importterminal für (grünes) Ammoniak

OCI verdreifacht die Kapazität seines Ammoniak-Terminals in Europoort. Die Gründe dafür sind die gestiegene europäische Nachfrage nach importiertem Ammoniak im vergangenen Jahr und die erwartete Nachfrage nach grünem Ammoniak als Schiffstreibstoff.

OCI hat die Investitionsentscheidung für die Erweiterung des Terminals bereits getroffen. Die Arbeiten werden voraussichtlich 2023 abgeschlossen sein.

Quelle: Port of Rotterdam, Foto: Aeroview




Horber Kombi-Terminal nimmt Fahrt auf

Das Kombi-Terminal im Horber Industriegebiet nimmt Fahrt auf. Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann hat gemeinsam mit den Investoren sowie Vertretern aus Wirtschaft und Politik am Mittwoch den ersten Spatenstich für das Infrastrukturprojekt, das der Verlagerung des Gütertransports von der Straße auf die Schiene dient, vorgenommen.

Mit dem neuen Logistikweg, den es in dieser Form im südlichen Baden-Württemberg bisher noch nicht gibt, kann eine seeseitige Umfahrung von halb Europa und damit Tonnen von CO2 eingespart werden. Pro Containerschiff werden rund 4000 Kilometer Wegstrecke vermieden, was eine Lieferzeitverkürzung von bis zu acht Tagen bedeutet. Rechnerisch werden dadurch pro Schiffstransport auf dem Weg von Port Said am Suez-Kanal bis nach Hamburg knapp 8000 Tonnen CO2 eingespart. Die Horber Verladestation liegt in der Mitte der Schienenverbindung zwischen den deutschen Nordhäfen und dem Seehafen an der italienischen Adriaküste.

Der Bau des Terminals soll zum Ende dieses Jahres abgeschlossen sein. Dazu wird die Gleisanlage zu großen Teilen erneuert und reaktiviert. Die moderne Infrastrukturanlage für das Einzugsgebiet zwischen Stuttgart und Bodensee wird bisher unerschlossene Logistikströme über die Schiene ermöglichen. Logistikketten sollen dadurch nachhaltiger und effizienter gestaltet werden können.

Später wird das KTH durch das Intermodale Servicezentrum Horb ergänzt. Auf dieser Depotfläche, auf der es auch Reparatur- und Serviceeinrichtungen geben wird, können dann Container zwischengelagert werden.

Die Baugenehmigung in Form des Planfeststellungsbeschlusses für das Kombi-Terminal Horb wurde seitens des Regierungspräsidiums Karlsruhe in der „Rekordzeit“ von gerade einmal neun Monaten erteilt, wie Investor Kurt Plathe, Eigentümer der Plathe Grundbesitz mit Sitz in Neubulach, lobend erwähnte, als er Regierungspräsidentin Sylvia Felder auf der Baustelle begrüßte. Auch der Kreis Freudenstadt und die Stadt hätten die Idee von Anfang an unterstützt. Der Horber Oberbürgermeister Peter Rosenberger betonte, dass das Kombi-Terminal „auf dem Weg zur Klimaneutralen Kommune“ als Katalysator in manchen Debatten herhalten könne.

Thorsten Krenz, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn für Baden–Württemberg, bescheinigte Kurt Plathe „Hartnäckigkeit, mit der er manches Hindernis aus dem Weg räumte“. Die Verantwortlichen auf kommunaler Seite hätten verinnerlicht, dass man nur gemeinsam in die „Zugkunft“ starten könne. „Heute ist ein richtig guter Tag für Horb, die Menschen und das Klima“, brachte Krenz seine Eindrücke auf den Punkt.

Die entscheidenden Schritte zur Finanzierung der digitalen Zufahrtsweiche als Grundvoraussetzung für die Einschleusung der bis zu 500 Meter langen Containerzüge in den Bahnverkehr zu allen Tageszeiten habe zweifellos der frühere Bundestagsabgeordnete Hans-Joachim Fuchtel unternommen, so Plathe. Fuchtel habe dafür gesorgt, dass der Bund über die DB Netze AG die Kosten übernimmt.

Der Impuls für das KTH sei von den Industrie- und Handelskammern gekommen, die vor über zehn Jahren nach einem Standort suchten, sagte Plathe. Auf die Fläche im Industriegebiet Heiligenfeld habe ihn dann der Haiterbacher Logistik-Unternehmer Horst Schuon aufmerksam gemacht, nachdem zuvor ähnliche Pläne in der Nachbargemeinde Eutingen gescheitert seien.

„Wenn wir unsere Betriebe in eine nachhaltige Zukunft führen wollen, müssen wir uns der gesamten Wertschöpfung widmen“, machte Claudia Gläser, Präsidentin der Industrie- und Handelskammer Nordschwarzwald, deutlich. Mit der Reaktivierung bestehender Gleisanlagen in Horb sei den Investoren und der Stadt ein „cleverer Schachzug“ in ihrem Streben nach mehr Nachhaltigkeit gelungen. Das Kombi-Terminal verbessere die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe, die dadurch ihre wertschöpfungsintensiven Arbeitsplätze erhalten könnten.

Das Terminal Horb komme genau zur richtigen Zeit, stellte Sebastian Doderer aus Bremen fest. Der Geschäftsführer von Necoss, Pionier unter den privaten Anbietern von Schienengüter-Verkehrsleistungen, betonte, der Anteil der Schiene an den landseitigen Verkehren sei in den letzten Jahren auf über 50 Prozent gewachsen. „Diese Entwicklung ist bei weitem noch nicht abgeschlossen“, so Doderer, zumal der Welthandel massiv unter Störungen der globalen Lieferketten und dem Fehlen wichtiger Rohstoffe durch Konflikte leide. Angesichts geschlossener Häfen sowie übervoller Terminals in Stuttgart und Kornwestheim werde dringend weitere Kapazität gebraucht. Necoss plane zum Start des Terminal-Betriebs zwei feste Zugumläufe pro Woche in die deutschen Nordseehäfen, und zwei weitere wöchentliche Zugumläufe in den Hafen von Triest seien geplant. Je nach Bedarf seien weitere Abfahrten und die Einbindung zusätzlicher Hafenstandorte möglich.

Quelle: KTH, Grafik: Gfrörer Ingenieure, die Umschlagsfläche in der ersten Baustufe linkerhand direkt an der Gleisanlage (Kombi-Terminal Horb) und anschließend daneben die Depotfläche zur Zwischenlagerung der Container (Intermodales Servicezentrum Horb) sowie Reparatur- und Serviceeinrichtungen. Die erste Baustufe, also das Kombi-Terminal Horb, soll bis Ende 2022 abgeschlossen sein, damit das KTH noch in diesem Jahr seinen Betrieb aufnehmen kann. 




Bündnis fordert aktive Industriepolitik

Der größte Industriestandort in Schleswig-Holstein, der ChemCoast Park Brunsbüttel, ist in den vergangenen Monaten aufgrund des völkerrechtswidrigen russischen Angriffskriegs – den alle Partner des Industriepolitischen Bündnisses in jeder Hinsicht verurteilen – in den öffentlichen Fokus der bundesweiten Energieversorgung gerückt. Mit der energiepolitischen Entscheidung der Bundesregierung, ein landseitiges LNG Import- und Distributionsterminal in Brunsbüttel zu errichten und vor Ort als Zwischenlösung ein schwimmendes LNG-Terminal (FSRU) zu nutzen, sowie den Planungen von RWE zur Errichtung eines Ammoniak-Importterminals, positioniert sich der ChemCoast Park Brunsbüttel derzeit als führender Importstandort bzw. -hafen für LNG und Wasserstoff(-derivate) in Deutschland.

Aus Sicht des Industriepolitischen Bündnisses, das seit 2015 aus dem DGB Bezirk Nord, der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie (IGBCE) sowie der Werkleiterrunde des ChemCoast Park Brunsbüttel besteht, sind die aktuellen energiepolitischen Entwicklungen nicht nur für die Versorgungssicherheit privater Haushalte und Unternehmen in Deutschland von großer Bedeutung, sondern vor allem auch für die Dekarbonisierung der Industrie im ChemCoast Park Brunsbüttel und stellen somit eine wichtige Weichenstellung für den gesamten Standort dar. Frank Schnabel, Sprecher der Werkeiterrunde des ChemCoast Park Brunsbüttel, hebt hervor: „Der ChemCoast Park Brunsbüttel hat jetzt die einmalige Chance, sich als wettbewerbsfähiger Energiestandort der Zukunft zu positionieren. Unser Industrie-, Hafen- und Logistikstandort bietet unmittelbaren Zugang zu zukunftsorientierten Energiequellen wie LNG als Brückentechnologie sowie grünen Energieträgern wie Wasserstoff, Ammoniak sowie regionalem On- und Offshore Windstrom. Dies ermöglicht zukünftig die Produktion von synthetischen Kraftstoffen und e-chemicals in dekarbonisierten Prozessen. Diesen klaren Standortvorteil haben auch die Investoren erkannt, sodass wir aktuell so viele Flächenanfragen für Unternehmensansiedlungen verzeichnen wie nie zuvor. Die Verfügbarkeit unterschiedlicher Energieträger ist somit eine echte Chance für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Standortes und der zukunftsorientierten Unternehmen vor Ort. Die bereits getätigten Investitionen in hohen dreistelligen Millionenbeträgen untermauern dabei die Attraktivität des ChemCoast Park Brunsbüttels.“

Laura Pooth, Vorsitzende des DGB Bezirks Nord, unterstreicht: „Verlässliches und zukunftsgerichtetes staatliches Handeln von Land und Bund ist die Voraussetzung für die erfolgreiche Gestaltung des Wandels in eine klimagerechte industrielle Wertschöpfung. Wir müssen jetzt die Chance nutzen, die bestehenden guten und tariflich abgesicherten Arbeitsplätze und damit Kaufkraft und Steuereinnahmen langfristig zu sichern und weiter auszubauen. Die Neuansiedlungen von Unternehmen entlang der gesamten Westküste zeigen deutlich, wie groß die Strahlkraft der Energieregion Westküste aktuell ist.“

Andreas Suß, Bezirksleiter und Vorsitzender der IGBCE, ergänzt: „Die Umstellung der Prozesse in den Unternehmen bedarf erheblicher Investitionen sowie langer Vorläufe und setzt Planungs- und Investitionssicherheit voraus. Die bisherige Energieversorgung ist so lange zu weltmarktfähigen Preisen zu erhalten bis die neuen Anlagen geplant, finanziert, genehmigt und in Betrieb genommen sind. Bereits jetzt ist der Zeitdruck hoch.“

Bereits heute werden von den im ChemCoast Park Brunsbüttel ansässigen Unternehmen aus der Chemie-, Mineralöl- und Energiewirtschaft sowie aus der Logistik und Hafenwirtschaft über 12.500 Arbeitsplätze in der Region beeinflusst, mehr als 4.000 davon befinden sich direkt in Brunsbüttel. Der Standort ist somit der wichtigste industrielle Kern Schleswig-Holsteins, den es auch gemäß der Empfehlung des Kieler Instituts für Weltwirtschaft politisch zu fokussieren und weiterzuentwickeln gilt. Denn Schleswig-Holstein weist aktuell einen vergleichsweise geringen Anteil am deutschen Bruttoinlandsprodukt auf, obgleich die deutsche Energiewende im nördlichsten Bundesland seit vielen Jahren aktiv gestaltet und umgesetzt wird.

Um den ChemCoast Park Brunsbüttel weiter zu stärken und die aus der Energiewende entstehenden Chancen für einen weiteren Beschäftigungsaufbau in Verbindung mit guter Arbeit zu nutzen, festigen die drei Partner im Industriepolitischen Bündnis nun ihren Schulterschluss und fordern von der neuen Landesregierung in Schleswig-Holstein eine proaktive Unterstützung mit einer aktiven Industriepolitik mit folgenden Schwerpunkten, wobei es die fettmarkierten Forderungen mit besonderer Dringlichkeit umzusetzen gilt:

1. Energieversorgung sichern und Erneuerbare Energien konsequent ausbauen

Die energieintensiven Unternehmen wollen zukünftig fossile durch erneuerbare Energieträger ersetzen und damit nicht nur einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz leisten, sondern auch in zukunftsträchtige grüne Märkte vorstoßen. Hierfür bietet die gesamte Region Westküste enorme Standortvorteile, für die folgende Voraussetzungen erforderlich sind:

  • Schaffung politischer und gesetzlicher Rahmenbedingungen für die Produktion und Nutzung neuer Technologien wie grünem Wasserstoff
  • Umsetzung der Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren in den zuständigen, technisch und personell gut aufzustellenden Ministerien und den untergeordneten Behörden, insbesondere auch für die schnelle Realisierung der LNG-Terminals
  • Zügiger Ausbau der Off- und Onshore-Wind- und PV-Erzeugungsleistung
  • Zügiger und den zukünftigen Bedarfen angepasster Ausbau der Verteilnetze in der Region

Bis zur kompletten Umstellung auf erneuerbare Energien ist die Energieversorgung auf konventionellem Wege zu weltmarktfähigen Preisen zu sichern.

2. Ausbau der Verkehrsinfrastruktur – Zügig schnelle Verbindungen schaffen

Zur Erreichung unterschiedlicher Märkte und aufgrund des wachsenden globalen Wettbewerbs sind leistungsstarke Verkehrsverbindungen für dem ChemCoast Park erforderlicher denn je. Ebenso sind pendelnde Beschäftigte auf eine zügige und zuverlässige Verkehrsanbindung angewiesen. Aus diesem Grund fordern wir:

  • Den zweigleisigen Ausbau der Bahntrasse Itzehoe/Wilster – Brunsbüttel mit durchgängiger Elektrifizierung, Verlegung der Bahntrasse um das Werk der TotalEnergies Bitumen Deutschland GmbH herum, die Sanierung des Güterbahnhofes und die Ertüchtigung der Eisenbahnhochbrücke Hochdonn zur Verlagerung der weiter steigenden Gütermengen auf die umweltfreundliche Bahn
  • Den dreispurigen Ausbau der B5 zwischen Itzehoe und Brunsbüttel über Wilster hinaus
  • Die schnellstmögliche Fortführung der A20 inklusive westlicher Elbquerung bei Glückstadt
  • Die schnellstmögliche Fertigstellung der 5. Schleusenkammer, die Sanierung der bestehenden Schleusenkammern, die zügige Begradigung der Oststrecke sowie die Vertiefung des NOK auf gesamter Länge

3. Fachkräfte sichern – attraktive Arbeits- und Lebensbedingungen gestalten

Attraktive Arbeitsbedingungen werden über gute Tarifverträge und eine hohe Tarifbindung gesichert. Neben dieser Grundvoraussetzung müssen aber auch die Lebensbedingungen für Fachkräfte in strukturschwächeren Regionen attraktiv gestaltet werden. Hierzu zählen:

  • bezahlbare Wohnraumangebote
  • wohnortnahe und qualitativ hochwertige Kitas und allgemeinbildende Schulen
  • technisch und personell gut ausgestattete berufsbildende Schulen
  • gute Einrichtungen der Gesundheitsversorgung
  • ein breites Kultur-, Sport- und Freizeitangebot

Ein gutes und breites Angebot an betrieblichen Ausbildungsmöglichkeiten mit Perspektive setzt außerdem personell und technisch gut ausgestattete Berufsschulen in der Region voraus.

4. Die Westküste politisch noch stärker forcieren – industriellen Wandel gemeinsam erfolgreich gestalten

Die gute Beschäftigung und den Wohlstand an der Westküste zu sichern, ist elementar und muss durch die neue Landesregierung in Schleswig-Holstein noch stärker fokussiert werden. An der Westküste können die zukunftsorientierten Unternehmen der Welt zeigen, wie klimagerechte industrielle Produktion an Chemieverbundstandorten funktioniert und Wertschöpfung sowie gute Arbeit nicht nur gesichert, sondern auch neu entstehen kann. Hierfür bedarf es nicht nur der Bündelung einzelbetrieblicher Interessen und Bedarfe, z.B. bezogen auf die Bereitstellung von ausreichend Grünstrom, Speichermöglichkeiten und regionalen Strom-, Wasserstoff- und Wärmenetzen. Auch Aus- und Weiterbildungsbedarfe und neue Sicherheitsanforderungen sind aus der Umstellung der Produktion abzuleiten. Nicht zuletzt muss in diesem Transformationsprozess der Dialog mit den Menschen vor Ort gesucht und für weitere Akzeptanz geworben werden. Aus diesem Grund muss die Position des Brunsbüttel-Koordinators weiter gestärkt, erforderliche Maßnahmen ministerienübergreifend koordiniert sowie zügig umgesetzt werden und auch eine noch enge Zusammenarbeit mit dem Bund etabliert werden.

Quelle und Foto: Brunsbüttel Ports GmbH , v.l.n.r.: Laura Pooth (Vorsitzende DGB Bezirk Nord), Frank Schnabel (Sprecher der Werkleiterrunde im ChemCoast Park Brunsbüttel) und Andreas Suß (Bezirksleiter und Vorsitzender der IGBCE) 




Gute Zukunft nur mit Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit, Marktpräsenz & Hafenentwicklung, Klimaschutz, Umweltmanagement und Soziale Verantwortung; Der achte Nachhaltigkeitsbericht der Hafenmanagementgesellschaft bremenports liefert auf 192 Seiten einen umfassenden Überblick über das Nachhaltigkeitsmanagement an den Standorten Bremen und Bremerhaven.

bremenports-Geschäftsführer Robert Howe: „Wir verstehen Nachhaltigkeitsmanagement als kontinuierlichen Entwicklungsprozess, in den wir auch  die weiteren Akteure an den Hafenstandorten einbinden.  Der nachhaltige Hafen kann nur als Gemeinschaftswerk gelingen.“ Deshalb hatte bremenports 2021 einen digitalen Stakeholder-Dialog durchgeführt. Die Ergebnisse sind in die aktuelle Bewertung eingeflossen, aus der die aktuell zentralen Nachhaltigkeitsthemen abgeleitet worden sind.“

Der Nachhaltigkeitsbericht 2022 bietet einen thematischen Rund-um-Blick, sowie Details zu  aktuellen Zielen und Maßnahmen. Bei jedem Kapitel wird Bezug genommen zu den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen, den sogenannten Sustainable Development Goals (SDGs).

Der vom TÜV NORD zertifizierte Bericht bietet somit einen umfangreichen Überblick über  die vielfältigen Aktivitäten der Hafenmanagementgesellschaft. Interviews in den Kapiteln Klimaanpassung, Arbeitsbedingungen in der Seeschifffahrt und Energiemanagement erlauben darüber hinaus einen tieferen Einblick in das jeweilige Thema.

Den aktuellen online-Nachhaltigkeitsbericht finden Sie hier auf der bremenports-Homepage. Der Bericht kann dort auch als PDF heruntergeladen werden.

Quelle und Foto: bremenports




Bilanz der Nationalen Wasserstoffstrategie

Das erste Nationale Wirtschaftsforum Wasserstoff in Hamburg diskutierte die Fortschritte und Defizite bei der Umsetzung der Wasserstoffstrategie des Bundes.

Die im Juni 2020 von der damaligen Bundesregierung vorgestellte Nationale Wasserstoffstrategie (NWS) sollte ein entscheidendes Instrument zur Umsetzung der Energiewende und der Dekarbonisierung wichtiger Industriezweige in Deutschland sein. Ziel war, einen kohärenten Handlungsrahmen für einen Markthochlauf entlang der gesamten Wertschöpfungskette von Wasserstoff zu schaffen und so den Bedarf durch Erzeugungsanlagen in Deutschland und den Import von Wasserstoff zu decken. Nach zwei Jahren hat das erste Nationale Wirtschaftsforum Wasserstoff in Hamburg nun eine Bilanz gezogen, die deutlich macht: Es gibt noch viel zu tun vor allem in Sachen Schnelligkeit, Investitionssicherheit und wettbewerbsfähiger Grünstromversorgung.

Im Rahmen der Veranstaltung unter der Schirmherrschaft von Wirtschaftssenator Michael Westhagemann in Hamburg bilanzierten Vertreter der Bundesregierung, Mitglieder des Nationalen Wasserstoffrates, der Verbände, der Wissenschaft und der Industrie den Status der Nationalen Wasserstoffstrategie, stellten aktuelle Leitprojekte der Wasserstoffwirtschaft in Deutschland vor und diskutierten Handlungsempfehlungen für eine stringenten Markthochlauf.

Einhellig begrüßt wurden die in der Koalitionsvereinbarung formulierten neuen Ziele für den Markthochlauf der Wasserstoffwirtschaft sowie die dafür notwendige Import- und Transportinfrastruktur möglichst schnell vorantreiben zu wollen, wonach bis zum Jahr 2030 eine Elektrolysekapazität von rund 10 Gigawatt erreicht werden soll und die einheimische Erzeugung auf Basis Erneuerbarer Energien Priorität genießt.

Gleichwohl wurde deutlich, dass die Konkretisierung der Nationalen Wasserstoffstrategie mit einem tiefen Verständnis der gesamten Wertschöpfungskette stärker wirtschaftspolitisch ausgerichtet und alle Aktivitäten (Verkehr, Industrie, Infrastruktur und Versorgung, Forschung, Bildung, Innovation, europäische und internationale Aktivitäten) besser koordiniert und vernetzt müssen.

Einvernehmen herrschte überdies, dass Offshore-Windenergie zwar in der Lage sei, einen erheblichen Beitrag zur Erzeugung von grünem Wasserstoff zu leisten und die neuen Offshore-Ausbauziele von 70 GW bis 2045 dafür eine sehr gute Basis bieten. Unklarheit herrsche aber weiter, wieviel der bis 2030 angestrebten 10 GW Elektrolysekapazität durch Offshore Wind erzeugt werden sollen, da die bisher dafür ausgewiesene Fläche in der Nordsee („Sonstige Energiegewinnungsbereiche“) nur wenige Hundert Megawatt leisten kann. Daher sei es wichtig, Unternehmen, die in diese noch nicht wirtschaftlichen Pilotvorhaben investieren, schnell eine Perspektive für weitere Flächen im Flächenentwicklungsplan des BSH in der Nord- und Ostsee erhielten.

Als weitere essenzielle Rahmenbedingungen für eine stringenten Markthochlauf und die Etablierung einer innovativen, auch auf den Export ausgerichteten Wasserstoffwirtschaft kristallisierten sich folgende Punkte heraus:

  1. Die Dauer der Planungs- und Genehmigungsverfahren für alle Pilot-, Demonstrations- und Infrastrukturvorhaben muss stark verkürzt werden. Dies betrifft auch die Import- und Transportinfrastruktur. Auch Übergangsregelungen und mehr Flexibilität bei technischen Erprobungen sind notwendig.
  2. Die transnationalen, wichtigen Wasserstoff Vorhaben von gemeinsamen europäischem Interesse (IPCEI), die für den Markthochlauf unabdingbar sind, müssen schneller bewilligt und umgesetzt werden, damit die entsprechenden Investitionen getätigt werden können.
  3. Die wirtschaftlichen Risiken der Vorhaben und die noch bestehende Preisdifferenz zu fossilen Brennstoffen müssen durch zielgerichtete sektorenspezifische Instrumente wie Carbon Contracts for Difference und Steuererleichterungen /grüne Wasserstoffpreisanreize abgefedert werden.
  4. Mit dem angestrebten massiven Ausbau der Erneuerbaren Energien muss sichergestellt werden, dass der Industrie ausreichend grüner Strom UND grüner Wasserstoff zu konkurrenzfähigen Preisen für die Dekarbonisierung bereitgestellt wird. Nur damit lässt sich die Treibhausgasneutralität bis 2045 erreichen.

Stimmen von Teilnehmern:

Michael Westhagemann, Senator für Wirtschaft und Innovation:
„Hamburg hat sich mit diversen Initiativen und Projekten zu einem nationalen Hot Spot der Wasserstoffwirtschaft entwickelt und verbindet die industriepolitischen Chancen des Markthochlaufs von grünem Wasserstoff mit den Zielen des Klimaschutzes. Die Norddeutsche Wasserstoffstrategie bildet den Rahmen für das Hamburger Cluster Wasserstoffwirtschaft, die Wasserstoff-Importstrategie, den Aufbau großer Elektrolyse Anlagen und die Dekarbonisierung der Industrie. Eine zielgerichtete und beherzte Strategiefortschreibung des Bundes, für die dieses Forum Vorschläge gemacht hat, kann und muss für uns beflügelnd wirken.“

Kerstin Andreae, Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des BDEW: „Sowohl um schnell unabhängig von russischen Gasimporten als auch für die Erreichung der Klimaziele ist jetzt ein mutiger Einstieg in die Wasserstoffwirtschaft nötig. Eine künstliche Verknappung realisierbarer Wasserstoffmengen durch zu rigide Vorgaben ist für das Erreichen beider Ziele und auch mit Blick auf die Entwicklung marktfähiger Preise nicht sinnvoll.“

Dr. Fabian Ziegler, Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutsche Shell Holding GmbH: „Shell strebt nicht weniger als die Führerschaft in grünem Wasserstoff an und steht zur Wasserstoffstrategie des Bundes. Für uns zählt vor allem das Handeln, was wir mit der Inbetriebnahme Europas größtem PEM-Elektrolyseur im Energy and Chemicals Park Rheinland sowie Sektorübergreifenden Initiativen wie etwa der Kooperation mit Daimler zum Aufbau einer Infrastruktur für Wasseroff-Lkw bereits belegen. Um weitere und vor allem größere Projekte wie etwa in Hamburg Moorburg umzusetzen, braucht es Vereinfachung und Pragmatismus.

Dr. Arnd Köfler, CTO thyssenkrupp Steel Europe AG & Mitglied des Nationalen Wasserstoffrates: „Wir wollen Europas größten Stahlstandort auf Basis von Wasserstoff dekarbonisieren. Wir sind startklar. Gerade die Stahlindustrie hat einen enormen Hebel zur CO2-Reduktion: Eine Tonne Wasserstoff in der Stahlproduktion spart 26 Tonnen CO2 ein. Zwei Jahre Nationale Wasserstoffstrategie zeigen aber auch: Wir haben kein Erkenntnis- sondern ein Umsetzungsdefizit. Der Krieg in der Ukraine und der fortschreitenden Klimawandel sollten Motivation genug sein, jetzt den Schalter umzulegen.“

Quelle: Behörde für Wirtschaft und Innovation, Foto:Daniel Reinhardt / Senatskanzlei Hamburg




Hotspot für die Kreislaufwirtschaft

Mit dem NextGen District, einem Hotspot für die Kreislaufwirtschaft, will der Port of Antwerp-Bruges einen Beitrag zum Übergang zu einer klimaneutralen Gesellschaft leisten. Die Verpflichtung von zwei neuen Konzessionären, Plug und Ekopak, ist ein weiterer wichtiger Meilenstein für diesen Cluster im Herzen des Antwerpener Hafens. Die Projekte dieser Pioniere, eine grüne Wasserstoffanlage und eine Wasseranlage, leisten einen wesentlichen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft im Hafen.

Das an der NASDAQ notierte Unternehmen Plug hat das Ziel, der weltweit größte Hersteller von grünem Wasserstoff zu werden. Der Standort in der Nähe des größten Chemie-Clusters Europas in Kombination mit dem Bestreben des Port of Antwerp-Bruges, eine wichtige Wasserstoff-Drehscheibe für Europa zu werden, waren ausschlaggebend für die Entscheidung von Plug für den NextGen District. Der US-amerikanische Anbieter von Wasserstofflösungen hat deshalb einen Konzessionsvertrag für den Bau einer Anlage zur Herstellung von grünem Wasserstoff abgeschlossen. Mit einer Kombination aus lokal erzeugter Solar- und Windenergie und zugekauftem Ökostrom wird er jährlich 12.500 Tonnen flüssigen und gasförmigen grünen Wasserstoff für den europäischen Markt produzieren.

Andy Marsh, CEO von Plug: „Grüner Wasserstoff spielt eine wesentliche Rolle beim Übergang von der Nutzung fossiler Brennstoffe zu grüner Energie. Außerdem hat die Energiekrise in Europa die Nachfrage nach Projekten zur Entwicklung von grünem Wasserstoff beschleunigt. Mit dieser Anlage wollen wir dazu beitragen, dass der Port of Antwerp-Bruges zu einer europäischen Wasserstoffdrehscheibe wird. Während Europa mit den Herausforderungen des Klimawandels und der Energiesicherheit zu kämpfen hat, wird diese Anlage den notwendigen natürlich erzeugten, kohlenstofffreien Wasserstoff für die lokalen Märkte liefern.

Zusätzlich zu Plug wird auch Ekopak seinen Platz im NextGen District einnehmen. Das Wasserwiederverwertungsunternehmen aus Tielt wird dort in Zusammenarbeit mit der Wassergesellschaft water-link und der flämischen Investmentgesellschaft PMV eine fortschrittliche Wasseranlage, Waterkracht, errichten. Diese wird das von Aquafin gereinigte Abwasser der Einwohnerinnen und Einwohner von Antwerpen in die wesentlich höhere Qualität von nachhaltigem Kühlwasser umwandeln, das die Unternehmen im Hafen wiederverwenden können. Bei voller Kapazität wird die Anlage bis zu 3.000 m³/h nachhaltiges Kühl- und Prozesswasser produzieren können, sodass jährlich 20 Milliarden Liter Abwasser wiederverwendet werden können. Über ein Rohrleitungsnetz verteilt water-link das kreisförmige Kühlwasser, so dass alle Industriebetriebe am linken und rechten Ufer es nutzen können.

Ekopak will auch das lokale Regen- und Abwasser des NextGen District zu nachhaltigem Brauchwasser aufbereiten und so eine vollständig kreislauforientierte Wassernutzung fördern. Neben dem Hauptaugenmerk auf die Wiederverwendung von Abwasser wird Ekopak auch versuchen, die Kreislaufwirtschaft durch die Umwandlung von Abfallströmen in Dampf und die Bereitstellung von Druckluft und Löschwasser zu verbessern.

„Für das nachhaltige Wachstum eines Hafens ist eine kreislauforientierte Wassernutzung unerlässlich. Unser Ziel ist es, den Wasserfußabdruck des NextGen District auf ein absolutes Minimum zu reduzieren. Mit diesem Projekt kann Ekopak außerdem einen wichtigen Beitrag dazu leisten, den gesamten Hafen nachhaltiger zu gestalten“, erläutert Pieter Loose, CEO von Ekopak.

Der Gesamtwert der Investitionen dieser zwei Projekte beläuft sich auf rund 400 Millionen Euro und wird mindestens 60 neue Arbeitsplätze schaffen. Nach Beantragung der erforderlichen Genehmigungen will man 2024-2025 den Betrieb aufnehmen.

Jacques Vandermeiren, CEO Port of Antwerp-Bruges: „Diese neuen Investoren sind eine Bestätigung für die nationale als auch internationale Attraktivität unseres Hafens und des NextGen District. Diese Unternehmen und ihre Projekte sind genau das, was wir für diese Kreislaufwirtschaftszone im Sinn haben. Denn grüner Wasserstoff und kreislauforientierte Wassernutzung sind die grundlegenden Elemente des Klimawandels. Ich bin überzeugt, dass diese Projekte dafür sorgen, dass weitere Changemaker folgen. Ich danke den Unternehmen für ihr Vertrauen und allen Mitarbeitenden, die dies möglich gemacht haben.“

Annick De Ridder, Vize-Bürgerweisterin der Stadt Antwerpen und Vorsitzende des Verwaltungsrats des Port of Antwerp-Bruges: „Wir wollen der erste Hafen der Welt werden, der Wirtschaft, Menschen und Klima in Einklang bringt.Diese neuen Akteure und die mit ihnen verbundenen Investitionen und Arbeitsplätze sind eine sehr gute Nachricht für das nachhaltige Wachstum unseres Hafens. Im NextGen District werden diese Pioniere alle Möglichkeiten erhalten, Innovationen zu entwickeln und zur Stärkung, Synergie und Diversifizierung der Hafenplattform beizutragen. Mit diesem Cluster zirkulärer Unternehmen an einem Top-Logistikstandort können wir den Übergang zu einer klimaneutralen Gesellschaft beschleunigen.“

Jan Jambon, Ministerpräsident der Flämischen Regierung: „Wasserstoff spielt eine wichtige Rolle bei der Energiewende und bietet gleichzeitig viele wirtschaftliche und gesellschaftliche Chancen für Flandern. Dank der strategischen Lage unserer Häfen und der Kompetenz unserer Unternehmen, Forschungszentren und Bildungseinrichtungen haben wir alle Voraussetzungen, um das Wasserstoffzentrum Westeuropas zu werden. Eine Chance, die wir nicht verpassen dürfen. Die Entscheidung von Plug für Antwerpen ist das Ergebnis der engen Beziehungen, die ich, die flämische Regierung, Flanders Investment & Trade und der Hafen mit dem Unternehmen aufgebaut haben. Gleichzeitig bestätigt es die Rolle, die Flandern im Bereich der erneuerbaren Energien spielt. Ich freue mich daher sehr, Plug in Flandern willkommen zu heißen.“

Quelle: Port of Antwerp-Bruges, Foto: Port of Antwerp-Bruges/ Tom Dhaenens




HPA testet „tierische“ Unterstützung

Bereits seit einiger Zeit kommen bei der Hamburg Port Authority (HPA) Drohnen – sei es zu Wasser oder in der Luft – zum Einsatz, um die Wartung und den Ausbau der Hafeninfrastruktur effizienter zu gestalten. Das gilt sowohl für Inspektionen von Gebäuden und Anlagen als auch für die Prozessbegleitung und Kontrolle auf Anlagen, die nur sehr schwer und mit hohem zeitlichem Aufwand oder unter Gefahren zu erreichen sind.

Nun prüft die HPA gemeinsam mit den Projektpartnern Boston Dynamics und Reply mit dem Roboterhund „Spot“ eine weitere Möglichkeit der technisch gestützten Bauwerksinspektion. „Spot“ ist ein agiler mobiler Roboter, der mit verschiedenen Sensoren ausgerüstet ist und sich aktuell eigenständig in der Köhlbrandbrücke bewegt. Auf seiner autonomen Mission unter der Fahrbahn der Westrampe macht „Spot“ u.a. mit einer Kamera mit 30-fach-Zoom hochauflösende Fotos von Schadstellen an der Bauwerkswand. So soll erprobt werden, ob mittels Künstlicher Intelligenz und den Sensoreinheiten eine Vorerfassung von Schäden realisiert werden kann, die dem Bauwerksprüfer während seiner Inspektion z.B. über eine Holo Lens eingeblendet werden können. Die Erprobung befindet sich derzeit im Projektstatus.

„Neben unserem Ziel, notwendige Informationen für die Bauwerksprüfung in Bereichen zu erfassen, die der Einsatz für Menschen zu gefährlich oder nicht nur schwer möglich sind, spielt das Thema Fachkräftemangel eine wichtige Rolle“, sagt Friedrich Stuhrmann, CCO bei der HPA. „Der Einsatz von Robotern und Drohnen kann uns hier helfen, auch künftig gut aufgestellt zu sein.“

Kai Uwe Ernst, Executive Partner bei Reply, fügt hinzu: „Mitarbeitende von gefährlichen Tätigkeiten zu entlasten und die Produktivität zu steigern, sind die wichtigsten Treiber für die Einführung mobiler Roboter in Unternehmen. Reply kann mit seiner Expertise und Robotik-Plattform Anwender wie die HPA dabei unterstützen, KI-basierte Analysefunktionen auf konsistente und sichere Weise zu nutzen.“

Quelle: Hamburg Port Authority, Foto: Hamburg Port Authority / Christian Bruch, „Spot“ ist ein agiler mobiler Roboter, der mit verschiedenen Sensoren ausgerüstet ist und sich aktuell eigenständig in der Köhlbrandbrücke bewegt.




Erweiterung Ship-to-Ship-Liegeplätze im Calandkanaal

Diesen Sommer ist es soweit: Dann bekommt der Rotterdamer Hafen 3 neue Liegeplätze dazu. Ein neues Dalbenset kommt hinzu und ein vorhandenes Dalbenset wird stark angepasst. Das bedeutet mehr Umschlagplatz. Kesih van den Berg und Willem Schreij vom Hafenbetrieb Rotterdam arbeiten am Shippingdesk eng zusammen. Kesih: „Die Art und Weise, mit der wir das hier tun, ist weltweit einzigartig.“

Kesih ist Business-Manager für Massengut-Schifffahrt und hat häufigen Kontakt mit Agenturen, Verladern und Reedereien. Willem ist Business-Manager für Ship-to-Ship-Betriebsabläufe, er ist Ansprechpartner für die Agenturen und Produktinhaber der Anwendung KING, des Online-Buchungssystems für Bojen und Dalben. Warum die Erweiterung der Dalbensets? Willem: „Der Rotterdamer Hafen hat, von der Maasvlakte bis nach Dordrecht, 29 Liegeplätze mit Bojengespannen und Dalbensets im Wasser. Die Schiffe liegen hier fest verankert und können deshalb sicher geladen und entladen werden. Die Schiffe können zudem auch bevorratet und repariert werden, sie können warten und gereinigt werden. Die Bojen und Dalben werden so gut genutzt, dass wir einen maximalen Auslastungsgrad erreicht haben.

Dabei steigt die Nachfrage nach Liegeplätzen weiter. Kesih: „Das hängt unter anderem mit den Änderungen in den Rechts- und Verwaltungsvorschriften für saubere und effiziente Betriebsabläufe zusammen. Zudem versuchen wir, aktiv neue Ladungspakete zu gewinnen, auch dafür sind Liegeplätze erforderlich.

Kesih und Willem bemerkten, wie die Nachfrage nach Liegeplätzen also stieg und entwickelten einen Business Case für die Erweiterung. Willem: „Wir haben viel mit Agenturen, Reedereien und Verladern gesprochen, alle haben Platzbedarf und sehen die Erweiterung positiv. Aufgrund des hohen Auslastungsgrads konnten wir in unserem Unternehmen aufzeigen, dass die Nutzung der Bojen und Dalben ein Maximum erreicht hat. Deshalb wurde unser Erweiterungsvorschlag schnell befürwortet.“

„Ein wichtiger Aspekt dabei ist Nachhaltigkeit“, ergänzt Willem. „In erster Linie sind die Dalben für den Umschlag gedacht, aber zusätzlich können sie zur Bevorratung, für Reparaturen, zur Reinigung und zum Warten genutzt werden. Wenn mehr Liegeplätze zur Verfügung stehen, müssen Schiffe sich nicht auf die offene See begeben, um dort zu warten. Weniger Hin- und Herbewegungen machen einen Unterschied bei den CO2-Emissionen aus und sparen unseren Kunden Zeit und Geld.’

Was bedeutet das zusätzliche Dalbenset für Rotterdam? Willem: „Die Dalben tragen zur Sicherheit und Nachhaltigkeit des Hafens bei, so gibt es mehr Platz für LNG (Flüssiggas). Drei zusätzliche Liegeplätze beinhalten, dass weniger Schiffe auf die offene See müssen und damit weniger Emissionen und Kraftstoffverbrauch. Es sind enorm viele Parteien bei diesen Ship-to-Ship-Betriebsabläufen involviert wie Schlepper, Lagerhallen, Agenturen, Kräne, Binnenschifffahrt.

Das neue Dalbenset 81 wird auf Höhe der Rozenburg-Landzunge in den Calandkanaal hinein installiert werden. Kesih: „Hier ist noch Platz und genügend Tiefgang. Wir machen daraus ein sogenanntes flexibles Dalbenset. Das bedeutet, dass es für große Schiffe geeignet ist wie einen Supertanker (VLCC), die Very Large Crude Carriers von manchmal bis zu 380 Meter Länge. Aber man kann das Dalbenset auch für kleine Schiffe benutzen. Dalbenset 82 ist bereits vorhanden, es ist jetzt jedoch noch eine Stelle, an der ein großes Schiff festmachen kann. Wir machen daraus ein flexibles Dalbenset, sodass es sowohl von einem großen oder 2 kleineren Schiffen genutzt werden kann.

Im Herbst 2022 können die ersten Schiffe an den neuen Dalben anlegen. Das ist später als geplant. Kesih: „Wir hatten den Business Case und die Genehmigungen schnell zusammen, aber die Dalben waren nicht rechtzeitig in den Niederlanden. Außerdem haben wir nur einen beschränkten Zeitraum zur Verfügung, in dem wir bauen können, denn wir müssen sowohl die Brutzeit als auch die Sturmsaison berücksichtigen. Vor ein paar Jahren haben wir eine genauso große Dalbe an Land aufgestellt und daraus einen Aussichtsturm gemacht, in Kürze wird ein schöner Fahrradweg dort hinführen.“

Bald wird es 31 Liegeplätze geben im Hafen und das ist speziell. Kesih: „Wir sind der einzige Hafen weltweit, der in so großem Umfang über derartige Liegeplätze verfügt. Das macht uns wirklich einzigartig. In anderen Häfen weltweit wird mit viel Interesse beobachtet, wie wir das hier tun. Vor der Küste von England und Dänemark findet der Umschlag auf offener See statt, einfach vor Anker. Wir versuchen, einen Teil dieser Ladung zu gewinnen, da dies an unseren Liegeplätzen geschützt und sicher möglich ist, ohne irgendwelche Verzögerungen.“

Das neue Dalbenset ist auch sofort das letzte, denn im Rotterdamer Hafen ist der Platz begrenzt. Was wird in der nächsten Zeit noch passieren? Willem: „Wir werden KING weiter entwickeln. Die Buchungsanwendung macht für jedermann ersichtlich, ob und wie viel Platz es in Rotterdam gibt. Das System ist sehr transparent, es funktioniert gut. Wir haben Ideen dazu, wie man es weiter verbessern und erweitern kann. So werden wir untersuchen, ob wir die Plattform noch breiter einsetzen können. Beispielsweise, indem wir Liegeplätze und Kais anderer Parteien ins System integrieren, sodass unsere Kunden ein Gesamtbild des verfügbaren Platzes im Hafengebiet bekommen.“

Kesih ergänzt: „Vom Markt aus erreicht uns die Nachfrage, ein zentrales System zu entwickeln. Es gibt zurzeit auch Parteien, die Liegeplätze an Kais oder Stegen haben, die nicht oder kaum genutzt werden. Einige vermieten diese selbst, andere würden dies gerne an einer zentralen Stelle sehen. Die Lösung besteht aus Zusammenarbeit. Alles scheint jetzt zueinander zu finden, der richtige Zeitpunkt ist da.“

Wie geht es weiter? Kesih: „Wir sind bereits mit dem Bau tätig, und innerhalb der nächsten paar Wochen werden die Dalben gesetzt. Im dritten Quartal müssen die Dalben einsatzfähig sein, daraus möchten wir ein erfreuliches Ereignis machen.“

Quelle und Foto: Port of Rotterdam, Willem Schreij und Kesih van den Berg




Verkehrswende hin zu nachhaltiger Mobilität

Ein leistungsfähiges Schienennetz sowohl für den Güterverkehr der Bremischen Häfen als auch den Schienenpersonenverkehr stellt hierfür eine zentrale Voraussetzung dar. Nach dem letzten Treffen im Sommer 2020 fand der Austausch zu den aktuellen Schienenausbauplänen zwischen der Bremer Mobilitätssenatorin Dr. Maike Schaefer, der Häfensenatorin Dr. Claudia Schilling und der Konzernbevollmächtigten der DB AG für Niedersachsen und Bremen, Manuela Herbort, wieder in Präsenz statt.

Das Themenspektrum reichte von Vorhaben des Bundesverkehrswegeplans (BVWP) 2030, insbesondere mit den für Bremen wichtigen Bahnprojekten „Hamburg/Bremen – Hannover“ und „Elektrifizierung der EVB“, über den Neubau von Haltepunkten für den Schienenpersonennahverkehr bis hin zur Digitalisierung der Schienenwege.

Es bestand Übereinstimmung darin, dass das wichtigste Vorhaben für die Verbesserung des Schienenverkehrs der rund 400 Kilometer umfassende Streckenausbau im Bahnprojekt Hamburg/Bremen–Hannover (BVWP-Projekt „Optimiertes Alpha-E mit Bremen“) innerhalb des Schienennetzes zwischen Hamburg, Bremen, Bremerhaven und Hannover ist.

Die Planungen für die Bremer Streckenabschnitte laufen und erste Ergebnisse werden im kommenden Jahr vorliegen. „Ich freue mich, dass nach einer sehr langen Vorlaufzeit, dieses Projekt nun auch in der Region Bremen endlich angelaufen ist. Besonders wichtig ist, dass die Planungen auch die aktuellen Überlegungen zur umfassenden Digitalisierung der Schienenwege berücksichtigen und der Ausbau der Strecke als Chance zur Realisierung zusätzlicher Haltepunkte für die Regio-S-Bahn genutzt wird. Ziel sollte es sein, die westlichen Abschnitte des ‚Alpha E‘ zu modernisieren beziehungsweise auszubauen. Dadurch wird eine höhere Streckenkapazität und die Auflösung der bereits existierenden Engpässe in diesen für die Seehafenanbindung bedeutsamen Streckenabschnitten erreicht und gleichzeitig Spielräume für eine Ausweitung des SPNV geschaffen“, sagte Mobilitätssenatorin Dr. Maike Schaefer.

Begrüßt wurde zudem, dass die Elektrifizierung der nicht bundeseigenen EVB-Strecke als Maßnahme des „Deutschlandtakts“ nunmehr im vordringlichen Bedarf des BVWP aufgenommen wurde und damit die Möglichkeit gegeben ist, die Verlässlichkeit der Strecke zwischen Bremerhaven und Hannover durch eine redundante Strecke deutlich zu erhöhen. „Die Elektrifizierung der EVB Strecke Bremerhaven – Bremervörde – Rotenburg und der weitere Anschluss über die DB-Strecke Rotenburg – Verden auf die Amerikalinie kann vergleichsweise schnell notwendige Kapazitäten schaffen. Hier liegt ein großes Potential, weitere Verkehre auf die ‚grüne‘ Schiene zu verlagern und gleichzeitig die Zuverlässigkeit des Schienenverkehrs sowohl für den Güter- als auch den Personenverkehr deutlich zu erhöhen“, so Dr. Claudia Schilling, Senatorin für Wissenschaft und Häfen.

Manuela Herbort, Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn für Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen und Bremen, sagt: „Ich begrüße außerordentlich, dass die Bremerinnen und Bremer ihre Perspektive auch im Sinne des Bündnisses ‚Zukunft Schiene Nord‘ weiten. Wie am Beispiel des Projektes Hamburg/Bremen-Hannover. Denn alle Bahn-Themen in Bremen haben auch Auswirkungen auf die Nachbar-Bundesländer – und natürlich gilt dies auch umgekehrt. Diese grenzüberschreitende Sichtweise hilft uns, die richtigen Schritte für die Mobilitätswende und für den Klimaschutz gemeinsam einzuleiten.“

Eine Maßnahme, die dieses Jahr in Umsetzung geht, ist die Modernisierung der Stellwerkstechnik für Streckenabschnitte im Bereich Bremen-Burg. Durch eine Umstellung auf elektronische Technik wird die betriebliche Flexibilität erhöht und zahlreiche Bahnübergänge erneuert beziehungsweise angepasst. Zudem werden die Voraussetzungen eine spätere Erweiterung hin zur digitalen Stellwerkstechnik (European Train Control System (ETCS)) geschaffen. Die Inbetriebnahme des neuen Stellwerks ist im Jahr 2024 geplant.

Insgesamt zogen die Teilnehmerinnen gemeinsam ein positives Fazit des diesjährigen Infrastrukturtages: „Wir sind uns unserer Verantwortung für ein umwelt- und klimafreundliches Transportwesen bewusst. Deshalb setzen wir auf eine enge Zusammenarbeit, in die wir auch das Bundesverkehrsministerium und das Land Niedersachsen einbeziehen.“

Quelle: Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau, Foto: SKUMS/SWH, erörterten gemeinsam den Ausbau der Schieneninfrastruktur (v.l.n.r) Senatorin für Mobilität, Dr. Maike Schaefer, Konzernbevollmächtigte der DB AG für die Länder Niedersachsen und Bremen, Manuela Herbort, Senatorin für Häfen, Claudia Schilling. 




Xycle baut erste Plastik-Recyclinganlage

Xycle steht kurz vor dem Bau einer Fabrik im Rotterdamer Hafen, die jährlich 20.000 Tonnen an nicht mechanisch recycelbaren Plastikabfall in einen hochwertigen nachhaltigen Rohstoff umwandelt. Der Hafenbetrieb Rotterdam vermietet Xycle zu diesem Zweck ein Gelände am Rijndwarsweg im Europoort.

Der Baubeginn für diese erste Xycle-Anlage ist für das vierte Quartal 2022 geplant. Damit steht der chemischen Industrie ein verantwortungsvoller alternativer Rohstoff für die Herstellung neuer Kunststoffe zur Verfügung.

Xycle ist ein Joint Venture von NoWit, Patpert Teknow Systems und Vopak. Das Unternehmen hat 14 Jahre lang an einem Verfahren gearbeitet, mit dem nicht mechanisch recycelbarer Plastikabfall in großem Maßstab durch chemisches Recycling in Sekundärrohstoffe in Neuware-Qualität umgewandelt werden können. Bei diesem Verfahren wird Mischkunststoff ohne Zugabe von Sauerstoff erhitzt. Er verbrennt dann nicht, sondern zerfällt und kann als Rohstoff wieder eingesetzt werden. Die Technologie von Xycle wurde mittlerweile erprobt und hat sich bewährt. Xycle erwartet, die Umwelt- und Baugenehmigung im dritten Quartal zu erhalten. So kann Ende dieses Jahres noch mit dem Bau der Anlage begonnen werden, die voraussichtlich im vierten Quartal 2023 in Betrieb genommen werden kann.

Arjen Varekamp, im Namen von NoWIT & Patpert: „Für uns als Initiatoren von Xycle ist es ein Privileg, nach jahrelanger Vorbereitung gemeinsam mit unserem starken strategischen Partner Vopak unseren nachhaltigen Traum in die Realisierung eines Rotterdamer Kreislaufprojekts umsetzen zu können.“

Marcel van de Kar, Global Director New Energies Vopak: „Wir freuen uns sehr über diesen Meilenstein für Xycle und sind stolz darauf, als Vopak einen Beitrag dazu zu leisten. Die partnerschaftliche Entwicklung neuer Infrastrukturlösungen und der Aufbau neuer Lieferketten sind für die Energiewende von wesentlicher Bedeutung.“

Allard Castelein, CEO Hafenbetrieb Rotterdam: „Der Standort von Xycle im Rotterdamer Hafen fügt sich nahtlos in unsere Strategie ein, bestehende Unternehmen dabei zu unterstützen, nachhaltiger zu werden, und diese Art von neuen, kreislauforientierten Unternehmen anzuziehen.“

Die Ambitionen von Xycle gehen über Rotterdam hinaus. Zusätzlich zu dieser Anlage, die 20.000 Tonnen Plastik in etwa 20 Millionen Liter flüssige Kohlenwasserstoffe (Pyrolyseöl) umwandelt, will Xycle Fabriken mit einer Kapazität von 80 bis 100.000 Tonnen pro Jahr betreiben. Dabei muss die bewährte Depolymerisationstechnologie von Xycle weltweit eingeführt werden. In den kommenden Jahren will Xycle mehrere größeren Fabriken an verschiedenen Orten der Welt realisieren.

Derzeit kann kaum ein Viertel aller Plastikabfälle weltweit recycelt werden. Das bedeutet, dass der Rest des Plastikabfalls auf der Mülldeponie landet, verbrannt oder in die Umwelt entsorgt wird. Xycle hat eine Technologie entwickelt, um Plastikabfall, der sich nur schwer mechanisch recyceln lässt, auf nachhaltige Weise zu verarbeiten. So benötigt die (petro-)chemische Industrie weniger fossile Rohstoffe für die Produktion neuer Kunststoffe. Dabei ist die Xycle-Anlage selbsttragend und wird mit Kraftstoff betrieben, den die Maschine selbst erzeugt. Plastikabfall auf diese Weise zu recyceln erfordert nicht nur weniger neue Rohstoffe, sondern führt auch zu deutlich geringeren CO2-Emissionen als die Verbrennung von gemischten Plastikabfällen, wie dies heute häufig der Fall ist.

Quelle und Foto: Port of Rotterdam