Antwerpen: Schlepper mit Methanolantrieb

Weltpremiere im Hafen von Antwerpen: Ein Schlepper wird auf den umweltfreundlichen Methanolantrieb umgerüstet. Dieser „Methatug“ ist Teil des europäischen Fastwater-Projekts. In diesem soll die Eignung von Methanol als nachhaltigem Kraftstoff für die Schifffahrt demonstriert werden. Die Europäische Kommission hat die entsprechende Genehmigung erteilt. Dieses weltweit erstmalige Projekt ist für den Hafen von Antwerpen ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg zu einem nachhaltigen und CO2-neutralen Hafen. Auch die deutsche Firma Heinzmann ist an dem Projekt beteiligt.

Da Binnenschiffe und damit auch die im Hafen von Antwerpen eingesetzten Schlepper die Vorschriften der ZKR (Zentralkommission für die Rheinschifffahrt) einhalten müssen, ist für den „Methatug“ eine Sondergenehmigung erforderlich. Bereits vor rund 18 Monaten wurde daher das Projekt bei der CESNI, dem europäischen Komitee für die Festlegung von Normen in der Binnenschifffahrt, vorgestellt. Nach mehreren Feedback- und Anpassungsrunden wurde es bei der Europäischen Kommission eingereicht. Diese hat nun die formale Genehmigung erteilt, sodass in Kürze mit dem Umbau des Schleppers begonnen werden kann. Der „Methatug“ wird voraussichtlich Anfang 2022 einsatzbereit sein.

Der „Methatug“ ist Teil des Fastwater-Projekts, das von einem Konsortium aus führenden europäischen Unternehmen der maritimen Forschung und Technologie, darunter dem Hafen von Antwerpen, ins Leben gerufen wurde. Ziel des Konsortiums ist es, die Eignung von erneuerbarem Methanol als zukunftssicherem Kraftstoff für die CO2-neutrale Schifffahrt zu demonstrieren. Das Projekt wurde durch das europäische Forschungs- und Innovationsprogramm Horizont 2020 gefördert.

Neben dem Hafen von Antwerpen, der den Schlepper liefert, sind weitere Partner an diesem Projekt beteiligt. Das belgische Ingenieurbüro Multi erstellte die Machbarkeitsstudie für das Projekt. Seitens des Fastwater-Konsortiums hat die schwedische Firma Scandinaos das gesamte Schiff entworfen, ABC (Anglo Belgian Corporation) ist für den Umbau des Motors sowie die Methanoltanks und -leitungen verantwortlich, und die deutsche Firma Heinzmann passt die Einspritzventile an.

Diese Premiere ist Teil eines integrierten Greening-Programms für die eigene Flotte des Hafens von Antwerpen. Im Rahmen dieses Programms sollen die systematisch umweltfreundlichsten Technologien zum Einsatz kommen. Bereits in den letzten Jahren wurden am Hafen von Antwerpen, dem fünftgrößten Bunkerhafen der Welt, Flüssigerdgas (liquefied natural gas, LNG) in den Bunkermarkt integriert. Bis 2025 soll der Hafen ein vollwertiger Multi-Fuel-Port werden, in dem See- und Binnenschiffe neben konventionellen Kraftstoffen auch alternative, kohlenstoffarme Kraftstoffe wie Methanol, Wasserstoff oder Strom bunkern können.

Jacques Vandermeiren, CEO Hafen von Antwerpen: „Gemeinsam mit unseren Partnern sind wir ständig auf der Suche nach innovativen Anwendungen und Möglichkeiten für die Umstellung auf alternative und erneuerbare Energiequellen. Der Methatug ist ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg zu einem nachhaltigen und CO2-neutralen Hafen. In diesem Projekt galt es zahlreiche technische und regulatorische Herausforderungen zu überwinden. Mit Projekten wie diesem ebnen wir den Weg und hoffen, dass andere Häfen unserem Beispiel folgen und sich von unseren Erfahrungen inspirieren lassen.“

Annick De Ridder, Hafenschöffin: „Genau wie mit dem Hydrotug, dem Wasserstoff-Schlepper, bekräftigen wir mit diesem Projekt unsere Vorreiterrolle im Bereich der Energiewende. Das Ökosystem der Antwerpener Hafenplattform ist dafür ein ideales Testfeld im großen Maßstab.“

CESNI-Sekretär Benjamin Boyer: „Das CESNI-Sekretariat ist begeistert von diesem umgerüsteten Schlepper und freut sich auf die Erfahrungen. Ein positiver Ausgang wäre in der Tat ein wichtiger Beitrag im Rahmen der laufenden regulatorischen Arbeiten, um Methanol als Kraftstoff zuzulassen und damit zur Energiewende in der Binnenschifffahrt beizutragen.“

Quelle




Erste emissionsfreie, vollelektrische Rangierlokomotiven

Die Rail Innovators Group (RIG) initiierte 2018 eine gemeinsame Entwicklungsvereinbarung mit dem Bahnausrüster CRRC mit dem Ziel, Diesel-Rangierlokomotiven im Hafen von Rotterdam zu ersetzen. Jetzt, wo der Deal abgeschlossen ist, kann die Produktion beginnen.

Die Nullemissionslokomotive ist für den Betrieb mit unterschiedlichen Netzspannungen geeignet und ist mit Hochleistungsbatterien und intelligenten Bremsenergierückgewinnungssystemen ausgestattet. Die fortschrittliche Batterietechnologie ermöglicht es der Lokomotive, auf nicht elektrifizierten Bahnstrecken zu fahren und Rangierarbeiten auf dem ersten und letzten Kilometer durchzuführen. So können Diesel-Rangierlokomotiven vermieden werden, was Emissionen und Lärm senkt. Die RIG investierte in die ersten Lokomotiven und erwartet, dass ihr Eisenbahnunternehmen Rail Force One sie 2024 im Rotterdamer Hafen in Betrieb nehmen wird.

Julian Remie, CEO bei der Rail Innovators Group, ist sehr erfreut darüber, dass CRRC die Herausforderung angenommen hat, eine so innovative Lokomotive zu entwickeln, die entsprechend den RIG-Spezifikationen gebaut wird. „CRRC ist der weltweit größte Lokomotivhersteller und verfügt nachweislich über eine Erfolgsbilanz in der Batterie- und Hybridtechnologie. Wir haben großes Vertrauen in dessen Knowhow und Kompetenz, um dieses Vorhaben zu einem Erfolg zu machen. Durch den Einsatz der CRRC-Null-Emissions-Technologie und den Betrieb mit Ökostrom investieren wir in die Vorreiterrolle im umweltfreundlichen Bahnbetrieb mit Null-Emissionen, und zwar ganzheitlich.“

Laut Chen Qiang, Geschäftsführer bei CRRC Europe, ist es an der Zeit, dieses Projekt mit der RIG zu starten und innovative und emissionsfreie Hybridlokomotiven für den Rotterdamer Hafen bereitzustellen. „Unsere Lokomotiven sind auf das Ziel der Klimaneutralität ausgerichtet und bieten Bahnbetreibern und Transportdrehscheiben eine grüne und energieeffiziente Alternative zu herkömmlichen Diesellokomotiven. Wir hoffen, dass wir mit der Lieferung dieser Lokomotiven einen Beitrag zum Ziel der RIG und des Rotterdamer Hafens, eine Zukunft mit null Emissionen zu erreichen, leisten können.“

Emile Hoogsteden, kaufmännischer Direktor beim Hafenbetrieb Rotterdam, ist ebenfalls begeistert: „Wir wollen die Innovation vorantreiben und unterstützen daher dieses Projekt mit den Implementierungs- und Betriebsanalysen für einen Proof of Concept für die gesamte Industrie. Der Rotterdamer Hafen strebt bis 2050 einen klimaneutralen Hafen an und sieht die Nullemissionslokomotive als einen wichtigen Beitrag zur weiteren Dekarbonisierung der Logistikkette.“

Quelle und Foto: Port of Rotterdam




bremenports sponsert Preisgeld

Die für ihre konsequente Nachhaltigkeitspolitik ist die Hafenmanagementgesellschaft bremenports im vergangenen Jahr von der Metropolregion Bremen/Niedersachsen mit dem NordwestAward ausgezeichnet worden. Mit dem Preisgeld von 10.000 Euro hat bremenports beim Welcome Club im Überseehafen Bremerhaven von Wührmann Elektrotechnik eine Photovoltaikanlage mit Batteriespeicher installieren lassen. Pünktlich zum Tag des Seefahrers ist die Anlage jetzt offiziell in Betrieb genommen worden.

Mit der neuen Anlage kann die Seemannsmission jetzt einen Großteil des benötigten Stroms selbst produzieren. Neben den ökologischen Effekten trägt die Anlage dazu bei, den Etat des Welcome Clubs zu entlasten.

Der Welcome Club Bremerhaven an der Nordschleuse ist ein beliebter Treffpunkt für die Seeleute, deren Schiffe in Bremerhaven liegen. Jedes Jahr wird die Einrichtung von 20.000 bis 30.000 Gästen besucht.

Quelle und Foto: bremenports, freuen sich über die gemeinsame Aktion: Robert Howe, Geschäftsführer bremenports, Dr. Anna Meinecke (Metropolregion Nordwest), Holger Wähmann (Elektro Wähmann), Lutz Ehlers (bremenports). Thomas Reinold (Welcome Club)




Wasserstoffboot im Rotterdamer Hafen

Ein Wasserstoffboot innerhalb eines Jahres entwerfen, testen und bauen, um dann übers Wasser zu flitzen? Das Solar Boat Team der TU Delft setzt diese Idee um. Der Rotterdamer Hafen ist der Schauplatz für die Testfahrten des Boots.

Das Boot wird vollständig mit Wasserstoff angetrieben. Mit seinen Tragflügeln fliegt es sozusagen über das Wasser. Diesen Sommer nimmt das Team mit dem Boot an der WM für Boote mit nachhaltigem Antrieb (Solar & Energy Boat Challenge) in Monaco teil.

Innovation und die praktische Anwendung der Wasserstofftechnologie sind eine wichtige Voraussetzung für den Übergang zu einer Wasserstoffdrehscheibe. Der Hafenbetrieb Rotterdam sponsort die Entwicklung des wasserstoffbetriebenen Boots. Edwin van Espen, Manager International Development beim Hafenbetrieb Rotterdam: „Es finden sehr viele Gespräche statt und wir machen zahlreiche Pläne. Dieses Projekt zeigt, dass Wasserstoffboote mit der vorhandenen Technologie tatsächlich schon nachhaltig übers Wasser gleiten können.”

Quelle und Videos: Port of Rotterdam




Mehr Tiefe im Osnabrücker Hafen

Die Stadtwerke Osnabrück sowie vier große Hafenanrainer lassen ab Herbst den Bagger kommen. Dann soll das anderthalb Kilometer lange Hafenbecken bis zur Haster Schleuse auf eine Abladetiefe von 2,50 Meter nach unten wachsen. Durch die Maßnahme kann die Ladekapazität der ein- und ausfahrenden Binnenschiffe besser ausgelastet werden.

Von aktuell 2,30 Meter auf künftig 2,50 Meter: „Es klingt wenig – aber 20 Zentimeter mehr Abladetiefe machen für uns eine Menge aus“, erläutert Dr. Knut Schemme, Geschäftsführer der GMH Recycling GmbH. Selbst die vergleichsweise kleinen 80-Meter-Schiffe lassen sich nicht vollständig beladen. „Und mehr Ladekapazität bringt uns Hafenanrainern natürlich wirtschaftliche Vorteile“, ergänzt Q1-Einkaufsleiter Martin Hoffschröer. Umso bedeutender sei es, dass mit den weiteren Anrainern Kämmerer und Bergschneider gleich vier Unternehmen mit den Stadtwerken als Hafeneigentümer gemeinsame Sache machen.

Rund 1,1 Millionen Euro nehmen die fünf Partner für die Hafenbeckenvertiefung in die Hand. Ein Großteil der Investitionssumme – nahezu 70 Prozent – wird aus einem Sonderfördertopf des Landes Niedersachsen beigesteuert. Den Restbetrag teilen sich die fünf Partner auf. „Das zeigt, wie sehr wir hier am und im Hafen an einem Strang ziehen“ betont Stadtwerke-Vorstand Dr. Stephan Rolfes.

Der Zuständigkeitsbereich der Stadtwerke umfasst den Bereich vom Hafenkopf bis zur Haster Schleuse. Der weitere Abschnitt des Stichkanals bis zum Mittellandkanal liegt in der betrieblichen Verantwortung der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes. „Der Stichkanal hat eine Abladetiefe von 2,80 Metern“, erläutert Guido Giesen, Geschäftsführer der Stadtwerke-Hafenbetriebstochter EHB.

Neben der Hafenbeckenvertiefung könnte den Hafenanrainern eine weitere Maßnahme helfen: Im kommenden Jahr steht die Revisionder beiden Schleusen in Haste und in Hollage an. „Wenn die Schleusen in dem Zuge um nur drei Meter auf 85 Meter verlängert würden, könnten auch die sogenannten Europaschiffe regulär in den Hafen einlaufen“, erläutert Walter Bergschneider, Geschäftsführer der Albert Bergschneider GmbH. „Auch dies wäre ein enormer Vorteil für uns.“ Die Stadtwerke wollen sich jedenfalls beim Bund für die Schleusenverlängerung einsetzen. „Dies würde den Hafen als wichtigen Schiffsumschlagsplatz stärken“, so Stadtwerke-Vorstand Dr. Stephan Rolfes.

Bei der zuerst anstehenden Hafenbeckenvertiefung rechnet EHB-Chef Giesen mit einigen interessierten Zuschauern. Schließlich wird ein spezieller Schwimmbagger gleich für mehrere Wochen – bis Anfang Dezember – im Hafenbecken aktiv sein. „Wir rechnen mit einem Schlammaushub von rund 15.000 Kubikmetern“, so Giesen. Der anfallende Schlamm wird dabei direkt mit Schiffen abtransportiert und fachgerecht entsorgt. „Wir sind selber gespannt, was bei den Arbeiten sonst noch alles zum Vorschein kommt.“

Die Eisenbahn- und Hafenbetriebsgesellschaft (EHB) ist ein 100-prozentiges Tochterunternehmen der Stadtwerke Osnabrück und für den Betrieb, die Infrastruktur (Wartung, Instandhaltung und Bau) sowie die Entwicklung des Osnabrücker Hafens zuständig. Das umfasst insbesondere den Güterumschlag von und auf die Schiene und die Wasserstraße.

Quelle: Stadtwerke Osnabrück, Foto: Uwe Lewandowski, machen gemeinsame Sache bei der anstehenden Vertiefung des Hafenbeckens: (V.l.) Jan Sievers (Kämmerer), Dr. Knut Schemme (GMH Recycling), Walter Bergschneider (Bergschneider), Dr. Stephan Rolfes (Stadtwerke), Martin Hoffschröer (Q1) und Guido Giesen (EHB).  




HGK-Gruppe: stabil durch erstes Corona-Jahr

Mit 10,3 Millionen Euro hat die Häfen und Güterverkehr Köln AG (HGK) ihr Rekord- ergebnis aus dem Vorjahr trotz der Covid-19-Pandemie bestätigt. Dazu haben unter anderem der Erwerb und die Integration der HGK Shipping beigetragen.

„Rein operativ war es für uns kein einfaches Jahr. Beinahe alle Marktsegmente, in denen wir tätig sind, waren durch die Corona-Krise massiv negativ beeinflusst. Daher sind wir zufrieden, das gute Vorjahresergebnis gehalten zu haben. Der Erwerb der HGK Shipping und ihr stabiles, zukunftsorientiertes Geschäftsmodell hat dazu einen wesentlichen Beitrag geleistet“, so Uwe Wedig, Vorsitzender des Vorstandes der Häfen und Güterverkehr Köln AG.

Der Umsatz der HGK AG mit den operativen Geschäftsbereichen Netz, Technik und Immobilien belief sich im Jahr 2020 auf 71,2 Mio. € nach 75,4 Mio. € im Vorjahr. Der Einfluss von Corona auf diese direkt in der AG angesiedelten operativen Geschäftsbereiche war dabei geringer, als es auf den ersten Eindruck erscheint. Der höhere Umsatz des Vorjahres war insbesondere durch Einmaleffekte im Immobilienbereich geprägt.

Deutlicher werden die Corona-Auswirkungen mit Blick auf die Umschlagsleistungen der Logistik-Beteiligungen der HGK. So wurde im Geschäftsbereich HGK Logistics and Intermodal (neska-Gruppe) beinahe 1 Mio. Tonnen Güter weniger transportiert und umgeschlagen (6,25 Mio. t gegenüber 7,18 Mio. t in 2019). Bei der 100-prozentigen Tochtergesellschaft HTAG wurden insgesamt 8,33 Mio. t umgeschlagen und transportiert (Vorjahr 10,06 Mio. t). Die Rhein-Cargo, ein Joint Venture von HGK und Neuss Düsseldorfer Häfen, musste insbesondere im Schienengüterverkehr einen deutlichen Rückgang verzeichnen und transportierte in 2020 nur noch 18,63 Mio. t (Vorjahr 21,86 Mio. t). Der Umschlag in den sieben Häfen der RheinCargo war mit 15,25 Mio. t (Vorjahr 15,99 Mio. t) weniger stark von der Corona bedingten Wirtschaftskrise betroffen.

Nach dem Erwerb und der Eingliederung der HGK Shipping in das Logistikportfolio der HGK- Gruppe im August 2020 hat die neue 100-prozentige Tochtergesellschaft einen positiven Beitrag zum Gesamtergebnis der HGK-Gruppe geleistet. Trotz der Rückgänge in den Umschlags- und Transportmengen in allen operativen Bereichen konnte die HGK AG das Geschäftsjahr 2020 daher exakt auf Vorjahresniveau abschließen und erreichte ein Unternehmensergebnis von 10,3 Mio. €.

Der Erwerb und die Integration der HGK Shipping markierte zugleich ein wichtiges Element für die Ausrichtung und Weiterentwicklung der HGK zu einer integrierten Logistik-Gruppe. Die HGK-Gruppe kann heute aus einer Hand Transport- und Logistikleistungen über die gesamte Strecke des kombinierten Verkehrs anbieten und beherrscht den kompletten Modalsplit. Die- ses Potenzial und die besonderen Kompetenzen für bestimmte Gütergruppen und Industriesegmente werden zukünftig noch stärker miteinander verknüpft, nicht zuletzt durch den klugen Einsatz digitaler Instrumente und Prozesse.

Diese Strategie spiegelt sich inzwischen auch in einem neuen Markenzeichen, einer neuen Markenarchitektur und nicht zuletzt der Neuausrichtung der Organisation der HGK AG wider. In einem internen Organisationsprojekt wurde im vierten Quartal 2020 damit begonnen, einheitliche Prinzipien für die Gestaltung von Prozessen und Aufgabenverteilungen zwischen operativen, steuernden und unterstützenden Bereichen zu definieren. Damit werden die Weichen für weiteres Wachstum in neuen und bestehenden Geschäftsfeldern gestellt.

So entwickelt sich die HGK AG weiter zu einer steuernden Management-Holding mit dem Fokus auf die Unternehmensentwicklung und die Koordination zentraler strategischer Aufgaben, zum Beispiel im Bereich Nachhaltigkeit, Qualität und Digitalisierung. Die bereits angekündigte und für Anfang 2022 zur Umsetzung geplante Erweiterung des HGK-Vorstandes um das Ressort eines COO (Chief Operating Officer) ist ein weiterer wichtiger Schritt auf diesem Weg.

Quelle und Foto: HGK, Uwe Wedig (l.), Vorstandsvorsitzender der HGK AG, und Wolfgang Birlin, Vorstand der HGK AG




Telekom baut Campus-Netz für HHLA Sky

Zusammen mit HHLA Sky, einem Tochterunternehmen der Hamburger Hafen und Logistik AG, setzt die Telekom ein Campus-Netz im Hamburger Hafen um. Darüber steuert und überwacht HHLA Sky eine Flotte von Industrie-Drohnen aus einem einzigen Leitstand heraus. Auf den Terminals der HHLA inspizieren die Flugroboter Containerbrücken und Asphaltflächen, um so die Sicherheit auf dem Hafengelände zu erhöhen. Das spart Zeit im Vergleich zu bisherigen Inspektions-Verfahren. Zusätzlich übertragen die Drohnen zuverlässig Sensor- und Flugdaten über das Campus-Netz.

„Im Hamburger Hafen zeigen wir, wie gut Internet-of-Things Lösungen mit fortschrittlichster Logistik harmonieren. In HHLA Sky haben wir einen Partner gefunden, mit dem wir unser Produkt gemeinsam weiterentwickeln. Reibungslose Logistik ist gerade jetzt von besonderer Bedeutung. Mit unseren Innovationen leisten wir einen wichtigen Beitrag dazu“, sagt Hagen Rickmann. Er verantwortet den Bereich Geschäftskunden bei der Telekom Deutschland GmbH.

Mit dem gemeinsamen Projekt verfolgen die Partner das Ziel, mehr über die speziellen Anforderungen automatisierter Flugroboter an den Mobilfunk zu lernen. Die Drohnen steigen auf bis zu 100 Meter Höhe. Dabei legen sie teilweise weite Strecken zurück. Im Rahmen einer Entwicklungs-Partnerschaft möchte ein Technik-Team an einem zweiten HHLA Sky Standort in Nordrhein-Westfalen forschen. Die Telekom hat hierfür das Campus-Netz in Hamburg um diesen zusätzlichen Standort erweitert.

Die Industrie-Drohnen sind automatisiert unterwegs. Sie fliegen durch mehrere Container-Terminals im Hamburger Hafen. HHLA Sky setzt sie für verschiedene Anwendungen ein. Dazu gehören vor allem Inspektionsflüge, die aufwendige Rundgänge, Einsätze von Industriekletterern und damit verbundene lange Wartezeiten ersetzen. Das Flugareal umfasst mehr als drei Quadratkilometer. Es ist durchkreuzt von mehreren Wasserstraßen, Windkraftanlagen und einer Autobahnbrücke.

„Mit dem Campus-Netz steuern wir fast beliebig viele Drohnen noch sicherer durch ein sensibles Gebiet. Zudem können wir gemeinsam mit der Telekom das gesamte System, also Drohne und Leitstand, viel schneller entwickeln“, sagt Matthias Gronstedt, Geschäftsführer HHLA Sky. „Eine Flotte von Industrie-Drohnen zu steuern, ist anspruchsvoll. Dafür benötigen wir: durchgängige Netzabdeckung, hohe Verfügbarkeit, garantierte Bandbreite und geringe Latenz. Das Campus-Netz, bald mit 5G, bildet dafür die Basis.“

Alle Datenpakete übertragen die Drohnen derzeit mit LTE. Der neue Mobilfunkstandard 5G bietet perspektivisch noch mehr Vorteile. Zum Beispiel größere Bandbreiten und eine höhere Netzkapazität. Dafür sind platzsparende Funkmodule für die Drohnen notwendig. Die Telekom arbeitet daran, diese Bauteile zu entwickeln.

Mithilfe der Drohnen begutachten die Techniker*innen, in welchem Zustand sich Kräne, Verlademaschinen und Verkehrsflächen befinden. Dies geschieht aus der Ferne. Während des Fluges brauchen die Drohnen daher eine konstante, verschlüsselte Datenverbindung. So übertragen sie zum Beispiel ein Live-Videobild in HD-Qualität. Außerdem tauschen Drohnen und Leitstand Steuersignale aus. HHLA Sky überwacht damit alle Bewegungen der Drohnen simultan und zentral.

Für einen sicheren Flug ist es notwendig, dass die Leitstelle den Gerätestatus der Drohnen immer verfolgt. Das gilt für Temperatur, Ladezustand oder Motordaten. Daraus folgt eine besondere Anforderung: Die Netztechnik muss für den Flugbetrieb außerhalb der Sichtweite des Piloten (Beyond Visual Line of Sight, kurz BVLOS) sehr zuverlässig sein.

Die Campus-Netze der Telekom sind in verschiedenen Abstufungen erhältlich. Jede Stufe ermöglicht an Kund*innen angepasste Lösungen. Ein Campus-Netz M nutzt die bestehende öffentliche Netz-Versorgung eines Firmengeländes. Bei Bedarf installiert die Telekom zusätzliche Antennen. Eine Datenstrom-individuelle Priorisierung im Funknetz gewährleistet die zuverlässige Übertragung von Daten bei höherer Netzauslastung.

HHLA Sky bietet eine Plattform für den Flottenbetrieb unbemannter Flugsysteme an. Bis zu 100 Drohnen kann das Unternehmen über einen einzigen Leitstand steuern. HHLA Sky setzt ihre Drohnen auch selbst ein, um besondere Infrastruktur zu überwachen. In der Intra-Logistik kommen die Fluggeräte ebenfalls zum Einsatz. Sie nutzen dafür weitere Sensoren. Zum Beispiel Infrarotkameras für Thermoanalysen. Die Drohnen eignen sich auch, um kleine Pakete oder eilige Dokumente zu transportieren.

HHLA Sky ist eine Tochterfirma der Hamburger Hafen und Logistik AG, HHLA. Die HHLA betreibt in Hamburg drei Container-Terminals und weitere Umschlaganlagen. Hamburg hat den drittgrößten Container-Hafen in Europa. Er gilt als einer der wichtigsten Knotenpunkte für Gütertransporte.

Quelle und Foto: Deutsche Telekom AG




Vandermeiren traf EU-Kommissar Thierry Breton

Der CEO des Hafens von Antwerpen, Jacques Vandermeiren, traf sich jetzt mit dem EU-Kommissar für Binnenmarkt und Industrie, Thierry Breton, im Hafen von Antwerpen, um die Rolle des Hafens als strategisches Transport-, Energie- und Industriezentrum in Europa zu diskutieren.

Nach einer Führung durch den Hafen setzten sich Kommissar Thierry Breton und Hafen-CEO Jacques Vandermeiren zusammen, um eine Vielzahl wichtiger Themen zu diskutieren. Diese reichten von Nachhaltigkeit und Digitalisierung bis hin zu Themen wie dem Wert von Logistikketten, den Auswirkungen des Brexit auf Verlader von Gütern von und nach Großbritannien. Auch die Fusion des Hafens von Antwerpen mit dem Hafen von Zeebrügge, die voraussichtlich bis Ende dieses Jahres abgeschlossen sein wird, war Gegenstand der Gespräche.

Die europäischen Häfen haben sich vor allem in den letzten eineinhalb Jahren als widerstandsfähig und unverzichtbar für einen starken und international gut vernetzten europäischen Binnenmarkt erwiesen. Der Hafen von Antwerpen hat den Ehrgeiz, eine Vorreiterrolle beim Übergang zu einer klimaneutralen Gesellschaft und Wirtschaft bis 2050 zu spielen, wie es der europäische Green Deal vorsieht.


Annick De Ridder, Hafenschöffin: „Unser Hafen ist ein wichtiger und unverzichtbarer Zugangspunkt zum europäischen Binnenmarkt, da er die entscheidende Verbindung sowohl zu Unternehmen als auch zu EU-Verbrauchern/-Bürgern darstellt. Dank der Agilität, des Engagements, des Know-hows und der Widerstandsfähigkeit unserer Tausenden von Mitarbeitern konnten wir während der COVID-19-Krise einen kontinuierlichen 100-prozentigen Betriebsstatus erreichen. Als Heimathafen bleiben wir stets entschlossen in unserer Mission, die Hebelwirkung in Richtung einer wirklich nachhaltigen Zukunft zu erleichtern und zu erhöhen.“

Jacques Vandermeiren, CEO des Hafens von Antwerpen: „Als größter europäischer integrierter Petrochemie-Cluster sind wir für einen erheblichen Teil der CO2-Emissionen verantwortlich und spielen damit eine entscheidende Rolle in der Klimafrage. Wir müssen daher sicherstellen, dass wir zum Treiber und Vorreiter der Energiewende werden.“

„Wir müssen den Blick nach vorne richten und uns durch Innovationen vorbereiten. Digitalisierung, Daten und Datenaustausch sind dabei entscheidende Erfolgsfaktoren. Sie wird die Lieferketten effizienter, nachhaltiger, sicherer und zuverlässiger machen. Deshalb bauen wir ein robustes digitales Netzwerk im Hafen auf.“

Thierry Breton, Kommissar für Binnenmarkt und Industrie: „Der Hafen von Antwerpen veranschaulicht, was Europa industriell attraktiv macht: talentierte Menschen, modernste Infrastruktur und Erfindergeist. Bei unseren Bemühungen um den Aufschwung mobilisieren wir alle Instrumente der EU-Politik, um Europas industrielle Drehscheiben beim grünen und digitalen Wandel zu unterstützen und unsere technologische Führungsrolle, unser Beschäftigungspotenzial und unsere wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit zu stärken.“

Im Anschluss an die Gespräche fand ein Pressetermin bei Qpinch statt. Qpinch ist ein technologisches Scale-up mit Sitz im Hafen von Antwerpen, das sich voll und ganz der Energieeffizienz im Industriesektor verschrieben hat. Es hat eine Technologie entwickelt, mit der die in zahlreichen industriellen Prozessen freigesetzte Restwärme aufgefangen und in wertvolle, wiederverwendbare Prozesswärme umgewandelt werden kann. Auf diese Weise lassen sich erhebliche CO2-Reduzierungen erzielen. Der Hafen von Antwerpen unterstützt Qpinch mit einer Million Euro.

Kommissar Breton begrüßte die direkten Einblicke in ein Projekt, das zu einer kreislauforientierten und energieeffizienten Wirtschaft beiträgt. Durch die Mobilisierung mehrerer lokaler Akteure, von der Universität Gent bis zum Hafen von Antwerpen, zeigt es die Vorteile, entlang industrieller Ökosysteme zusammenzuarbeiten.

Quelle und Foto: Port of Antwerp




Grüner Wasserstoff von Island nach Rotterdam

Landsvirkjun, die nationale Energiegesellschaft Islands, und der Rotterdamer Hafen haben eine Absichtserklärung (Memorandum of Understanding – MOU) zur Durchführung einer Machbarkeitsstudie für den Export von grünem Wasserstoff von Island nach Rotterdam unterzeichnet. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass ein solches Projekt technisch umsetzbar und finanziell attraktiv sein könnte und einen bedeutenden Beitrag zum Kampf gegen den Klimawandel leisten würde, da die Volkswirtschaften in den kommenden Jahrzehnten weltweit von fossilen Brennstoffen auf erneuerbare Energien umsteigen werden.

Die beiden Unternehmen arbeiteten zusammen, um die Schlüsselkomponenten der Wertschöpfungskette von erneuerbarer Stromerzeugung und Wasserstoffproduktion in Island und den darauffolgenden Transport der Produkte zum Hafen von Rotterdam zu erfassen. Es wurde ein Vergleich möglicher Wasserstoffträger unter Berücksichtigung von Energiedichte, Kosten, Bedarf und anderen Kriterien durchgeführt.

Die Studie zeigt, dass das erste derartige Projekt in der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts realisiert werden und zwischen 2 und 4 TWh (etwa 200 bis 500 MW) liefern kann. Diese ersten Schritte können zu einer CO2-Senkung von bis zu einer (1) Million Tonnen pro Jahr beitragen, während längerfristig eine Senkung im Rahmen von mehreren Millionen Tonnen möglich ist. Die benötigte Energie kann mit einer Kombination aus erneuerbaren Energien wie Wasser, Geothermie und Wind generiert werden. Die Verfügbarkeit verschiedener nachhaltiger Energiequellen ist ein großer Vorteil für Island und führt zu einem wettbewerbsfähigen Preis für den isländischen Wasserstoff auf dem europäischen Markt. Der Wasserstoff soll durch Elektrolyse erzeugt und dann entweder verflüssigt oder zwecks des Transports nach Rotterdam in einen Träger umgewandelt werden, wo er zur Verwendung im Hafen oder im Hinterland zurückgewonnen würde.

Die Vision von Landsvirkjun ist eine mit erneuerbaren Energien betriebene, nachhaltige Welt. Das Unternehmen spielt bereits jetzt eine bedeutende Rolle bei der Senkung der CO2-Emissionen und beabsichtigt, auch bei der Energierevolution, die in den kommenden Jahren und Jahrzehnten erfolgen muss, eine bedeutende Rolle zu spielen.

Der Rotterdamer Hafen als Europas größter Hafen und wichtigste Energiedrehscheibe hat einen ehrgeizigen Wasserstoff-Masterplan entwickelt, mit dem er vorhat, die wichtigste Importdrehscheibe für Wasserstoff zur Versorgung der sich wandelnden Energie-Auskopplung in Europa zu werden. Auf Anfrage der niederländischen staatlichen Behörden ermittelte der Hafenbetrieb Rotterdam, zwecks der Deckung der zukünftigen europäischen Nachfrage, Länder und Unternehmen mit hohem Potenzial für den Wasserstoffexport, wobei Island zu den starken Kandidaten zählt.

Landsvirkjun und der Rotterdamer Hafen beabsichtigen, weiterhin eng zusammenzuarbeiten, um diese einzigartige Gelegenheit zu untersuchen und zu entwickeln. Sie erwarten, diese Pläne in der zweiten Jahreshälfte 2022 zu konkretisieren.

Hordur Arnarson, CEO Landsvirkjun: „Die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie sind sehr vielversprechend. Wir bei Landsvirkjun sind entschlossen, auch weiterhin eine Vorreiterrolle im Bereich der erneuerbaren Energien zu spielen. Dies ist der Weg in eine bessere Zukunft für uns alle. Wir glauben an unsere Partnerschaft mit dem Rotterdamer Hafen und freuen uns darauf, den besten Weg zu finden, unsere saubere Energie in ausländische Märkte zu transportieren.“

Allard Castelein, CEO Hafenbetrieb Rotterdam, sagt dazu: „Die Ergebnisse der Studie und die gute Chemie zwischen unseren beiden Unternehmen, die der Schlüssel zur Entwicklung solch wirkungsvoller neuer Lieferketten ist, stimmen uns sehr optimistisch. Island nimmt von je her eine Vorreiterrolle bei der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien ein. Diese neue grüne Energie für Europa, die über die Rotterdamer Terminals und Pipelineinfrastruktur vertrieben werden soll, kann einen weiteren Beitrag zur Dekarbonisierung unseres Industriekomplexes und unserer Kunden in anderen Teilen Europas leisten.“

Quelle und Foto: Port of Rotterdam




Weitere Digitalisierung von Zollprozessen

Der Handel mit Kühlprodukten mit Hilfe von Kühlcontainern wächst im Rotterdamer Hafen spektakulär. Mit dem Ziel, diesen Wachstumsmarkt zu erschließen und gleichzeitig die Zollkontrollen schneller, effizienter und sicherer zu machen, haben sich Hafenbetrieb Rotterdam, Zoll, GroentenFruit Huis und Portbase zusammengeschlossen. Kühlcontainer machen mehr als 15 % der über den Rotterdamer Hafen verschifften Container aus. Es ist zu erwarten, dass dieser Anteil in den kommenden Jahren weiter steigen wird. Die ersten Ergebnisse der Zusammenarbeit sind vielversprechend.

Gemeinsam mit den Lieferkettenpartnern ist der Hafenbetrieb Rotterdam ständig auf der Suche nach Möglichkeiten, die Effizienz und Sicherheit der Hafen- und Kettenprozesse weiter zu optimieren. Vor kurzem wurde ein Pilotprojekt gestartet, das die Zollprozesse effizienter und sicherer machen soll. „Das ist noch immer ein recht komplizierter Prozess, der mehr beinhaltet, als man auf den ersten Blick vermuten würde“, eröffnet Hanna Stelzel, Business Manager Logistics and Supply Chain beim Hafenbetrieb Rotterdam. Was man im Volksmund als Zolltätigkeiten bezeichnet, umfasst in der Praxis mehr als nur die vom Zoll durchgeführten Tätigkeiten. Es ist ein Zusammenspiel zwischen Zoll, Frachtmaklern, Terminals, Reedereien und anderen beteiligten Kettenpartnern. Und dazu gehört eine Menge Kommunikation in allen Richtungen.
„Die Kommunikation zwischen allen Beteiligten bestimmt weitgehend die Effizienz des gesamten Inspektionsprozesses“, fügt Anne Saris, Business Manager Agrofood and Distribution beim Hafenbetrieb Rotterdam, hinzu. „Zusammenarbeit ist ausschlaggebend. Je schneller und reibungsloser die Kommunikation verläuft, desto effizienter ist die Zollabfertigung.“

Nicht umsonst war die wachsende Zahl der Kühlcontainer der Anlass, die Prozesse gemeinsam mit den Kettenpartnern unter die Lupe zu nehmen. Je mehr Container über den Hafen verschifft werden, desto mehr Inspektionen müssen durchgeführt werden.
Diese Inspektionen werden auf der Grundlage von Risikoanalysen und -profilen durchgeführt. Unter anderem bestimmen das Herkunftsland und die Vorgeschichte (oder gerade deren Fehlen), ob ein Container inspiziert wird oder nicht. Da Kühlcontainer häufig aus Hochrisikogebieten kommen, werden sie auch häufiger für eine solche Inspektion ausgewählt. Auch im Hinblick auf das erwartete weitere Wachstum ist es entscheidend, dass der Hafen optimal vorbereitet ist, um den zunehmenden Strom von Kühlcontainern zu ermöglichen. Effiziente Zollprozesse sind hierbei ein wesentliches Glied in der Kette. „Zudem tragen sie dazu bei, zusätzliche Ströme anzuziehen“, fügt Frau Stelzel hinzu.

Die Container können auf dreierlei Weise vom Zoll inspiziert werden. Die häufigste Variante ist das Scannen. Alle großen Containerterminals auf der Maasvlakte in Rotterdam verfügen über einen Hightech-Zollscan auf ihrem eigenen Gelände. Die Bilder des Containerinhalts werden vom Zoll rund um die Uhr per Fernanalyse ausgewertet. Das bedeutet, dass die Container das Gelände nicht verlassen müssen oder unnötig geöffnet werden müssen und in 95 % der Fälle innerhalb von 36 Stunden nach dem Entladen wieder freigegeben werden. Eine zweite Variante ist die physische Inspektion, kurz „fyco“ genannt, die im Rijks Inspectie Terminal (RIT) auf der Maasvlakte durchgeführt wird. Die dritte Variante ist der Einsatz von Spürhunden zur Kontrolle der jeweiligen Container an den Terminals. „Es kommt auch vor, dass die Scan-Bilder Anlass zu einer weiteren Überprüfung geben. Das ist dann eine „Fyco“ im RIT“, ergänzt Loekie Lepelaar, Beraterin Zollangelegenheiten und Kundenbetreuerin bei der Zollbehörde des Rotterdamer Hafens.

„Gemeinsam mit den Kettenpartnern nehmen wir ständig Prozesse unter die Lupe und analysieren wir die Engpässe“, fügt Frau Saris hinzu. Zur Minimierung von Wartezeiten und Verzögerungen bei Zollüberprüfungen wurde kürzlich ein Projektteam zusammengestellt, an dem neben dem Hafenbetrieb und dem Zoll auch Mitglieder von GroentenFruit Huis und Portbase teilnehmen. Das Projektteam analysierte die Zollprozesse und kam zu dem Schluss, dass es, insbesondere bei den physischen Kontrollen und den Überprüfungen mit Spürhunden, ein relativ großes Verbesserungspotenzial gibt. „Der sich daraus ergebende Nutzen liegt nicht so sehr in den Überprüfungen selbst, sondern vor allem in den Prozessen, die sie umgeben, wie z. B. die Disponierung von Transporten vom Terminal zum RIT und wieder zurück sowie die Kommunikation zwischen den Beteiligten“, erklärt Frau Stelzel.

Die weitere Analyse ergab auch, dass ein großer Teil der Engpässe die Folge von Prozessen ist, die noch eine oder mehrere manuelle Handlungen erfordern. Frau Stelzel: „Wenn ein Container vom Zoll für eine physische Kontrolle ausgewählt wird, wird dies dem Frachtmakler und dem Terminal mitgeteilt. Daraufhin beauftragt der Frachtmakler einen Logistikdienstleister mit dem Transport des Containers zum Rijks Inspectie Terminal. Dieser Transport wird dann für den nächsten Tag eingeplant. Bei manuellen Prozessen, wie handgeschriebenen E-Mails oder telefonischem Kontakt zwischen den beteiligten Kettenpartnern, kann es passieren, dass ein am Donnerstag gescannter Container erst am Montag oder gar Dienstag dem RIT übergeben wird, auch weil nicht alle Glieder der Kette rund um die Uhr arbeiten.“ Das ist alles andere als wünschenswert, besonders bei Kühlcontainern, bei denen die Haltbarkeit der Ware entscheidend ist“, sagt Frau Saris.

In diesem Frühjahr wurde deshalb ein Pilotprojekt gestartet, in dem manuelle Prozesse weitgehend digitalisiert werden. Alle Zollkontrollen werden bereits digital über das Inspectieportaal im Port Community System von Portbase angemeldet. „Indem wir diese Anmeldungen – mit Zustimmung der Frachtmakler – auch digital an den Frachtführer übermitteln, kann die Disponierung der Transporte beschleunigt werden. Besonders wenn ein Wochenende dazwischen liegt, kann die Zeitersparnis erheblich sein“, sagt Dalibor Stojakovic, Product Owner bei Portbase. Das bedeutet, dass der Frachtführer nicht mehr auf den Auftrag des Frachtmaklers warten muss, bevor er disponieren kann. Der eigentliche Transport erfolgt natürlich erst nach der Auftragserteilung.“

„Durch die weitere Digitalisierung werden die Durchlaufzeiten verkürzt und die Wartezeiten minimiert“, ergänzt Daco Sol. Der Programm-Manager Logistics, Supervision & Supply Chain bei GroentenFruit Huis kennt die Folgen von unerwünschten Verzögerungen besser als jeder andere. „Bei Frischware besteht die Gefahr von Qualitätsverlusten. Möglicherweise müssen andere Vertriebskanäle gesucht werden, und der finanzielle Schaden kann in die Zehntausende Euro gehen. Daran kann natürlich niemand Interesse haben. Die Minimierung von Warte- und Durchlaufzeiten war für uns einer der wichtigsten Gründe zur Teilnahme. Unsere Mitglieder importieren frische Produkte und bemühen sich um die kürzest mögliche Durchlaufzeit in der Kette.“

Es ist noch nicht bekannt, wie groß der Nutzen sein wird. „Wir befinden uns noch in der Startphase. Es ist zu früh, darüber mehr zu sagen. Deutlich jedoch ist, dass Digitalisierung die Prozesse effizienter macht“, sagt Frau Stenzel. Ihr zufolge ist es hilfreich, wenn alle Beteiligten das Potenzial sehen und tatsächlich bereit sind, Verbesserungen vorzunehmen.
Sol fügt hinzu: „Der größte Nutzen bisher ist, dass es viel mehr Einblick gibt. Wir wissen, wo Verzögerungen auftreten und dass der Engpass in der Kommunikation und in den manuellen Handlungen liegt. Die Aufmerksamkeit, die jetzt darauf gelenkt wird, ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Aber wir sind noch nicht am Ziel. Für uns ist das Ziel erst dann erreicht, wenn alle Prozesse, die logisch gestaltet und optimiert werden können, auch tatsächlich so gestaltet und optimiert sind. Das mag ehrgeizig klingen, doch ich bin davon überzeugt, dass es machbar ist, solange wir alle am selben Strang ziehen.“

Frau Stelzel schließt ab: „Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend. Nicht nur für Kühlcontainer, sondern auch für die übrigen Container können Verzögerungen auf ein Minimum beschränkt werden. Ladungseigner werden dadurch nicht mit unnötigen Kosten belastet. Andere Kettenpartner haben inzwischen auch Interesse bekundet, und wir erwarten, auch in diesem Bereich schnell Schritte zu unternehmen. Letzten Endes ist es so, dass wir gemeinsam den Hafen effizienter machen.“

Quelle und Foto: Port of Rotterdam